Die Lahnquelle


Planänderung – zur Lahnquelle

Im Internet hatte ich gesehen, dass beim Köln Treff der Solisten auch eine Führung des Kölner Doms organisiert ist und dass durch Abmeldungen wieder Plätze frei wurden. Meine Anmeldung wurde bestätigt und so ist mein nächstes Ziel Köln. Der Weg dorthin führt mich wieder durch das Rothaargebirge und dort liegt die Lahnquelle. Die Lahnquelle möchte ich sehen. Ist sie ebenso spektakulär eingemauert wie in Donaueschingen? Ich bin gespannt. Also zurück nach Bad Laasphe und von dort nehme ich nicht die normale Strasse der Lahn entlang, sondern den Weg über Hesselbach, Banfe zur K17.

Hessen und seine Wälder

Ich werde belohnt, ich komme durch ein Naturgebiet, das man so nur noch selten sieht. Schmale Strassen durch dichte Wälder, steil hoch und auf der anderen Seite ebenso steil wieder hinunter. Auf den Gipfeln kurze Rast und grandiose Ausblicke über Täler und Wälder, die sich in der Ferne wiederholen und immer dunstgrauer werden. Es ist schon später Nachmittag, die Sonne steht bereits sehr schräg und das warme Licht erhöht noch den Kontrast.

Ungute Gefühle

Es wird schon dämmrig, also halte ich Ausschau nach einem Übernachtungsplatz. Dürfte schwierig sein, in einem Gelände mit viel Auf und Ab und einer schmalen Strasse, die sich an einem steilen Hang entlang windet. Da kann es kaum waagerechte Stellen geben. Da, gerade beim Einbiegen auf die K17 ein grosser, geteerter und leerer Parkplatz, Heiligenborn, offenbar für Wanderer. Ich bin nur noch knapp 4 km von der Lahnquelle entfernt. Ideal, um sie morgen früh zu besuchen.

Nur ein Auto steht hier ausser mir, die Leute haben sich wohl verspätet bei ihrer Waldwanderung. Es ist Vollmond. Wenig später sehe ich im Schatten einer Baumgruppe eine Bewegung. Ein Liebespaar, das zu dem Auto gehört? Da kommt ein weiteres Auto, stellt sich hinter mich. Ein Paar steigt aus und nähert sich leise und vorsichtig der Baumgruppe. Ein drittes Auto, das gleiche Schauspiel. Mir wird etwas mulmig. Was soll das?

Des Rätsels Lösung

Es wird nicht gesprochen, alle stehen schweigend das und schauen in Richtung Vollmond. Ist heute Nacht eine Mondfinsternis? Ich habe nichts derartiges gehört. Das Ganze wiederholt sich noch mehrmals und jetzt stehen da so um die 20 Leute schweigend und regungslos und schauen Richtung Mond. Ich nähere mich der Gruppe und breche das Schweigen, allerdings nur flüsternd. Auf was warten sie hier? Im September beginnt die Brunftsaison, flüstert man zurück. Und im gleichen Moment höre ich es, ein weit entferntes, aber dröhnendes Röhren eines Hirsches von halblinks. Und kurz darauf eine Antwort, auch sehr weit entfernt, von rechts. Nach der Lautstärke müssen die Tiere mindestens ein Kilometer entfernt sein.

Much ado about nothing

Doch, doch, flüstert man mir zu, wenn wir Glück haben, nähern sie sich und tummeln sich auf der weiten Wiese direkt unter uns, gebadet in Mondenschein. Wir warten schweigend und lauschen den entfernten Geräuschen. Aber sie kommen nicht näher. Leichte Schleierwolken schieben sich vor das volle Mondgesicht. Einzelne Gestalten lösen sich aus dem Dunkel und geben auf. Die meisten harren noch aus. Aber die Hoffnung, dass sich das Röhren des oder der Hirsche nähern würde, schwindet und schliesslich löst sich die zusammengewürfelte Gesellschaft aus, nach wie vor still und fast unhörbar. Ich gebe mir einen mentalen Schlag vor die Stirn: wie konnte ich nur glauben, dass sich da etwas Unlauteres gegen mich zusammenbrauen würde.

Die Lahnquelle gefunden und alles löst sich auf in Wohlgefallen

Am nächsten Morgen nach einer ausgesprochen ruhigen Nacht mache ich leise das Schlafzimmerfenster auf und lausche. Tatsächlich, ich höre ganz leise, noch viel weiter entfernt als gestern abend das Röhren, aber gegen ca. 05.30 Uhr hört es auf. Die Hirsche sind wohl jetzt erschöpft und legen sich zur Ruhe. Ich mache noch schnell eine Aufnahme bei Tageslicht vom Ort des Geschehens und fahre weiter auf der Suche nach der Lahnquelle.

Übernachtungsplatz ohne Hirsche

Übernachtungsplatz ohne Hirsche

Ich finde sie beim Forsthaus Lahnquelle und sehe, dass dieses Gebiet eine wahre Wasserscheide ist.

Forsthaus Lahnquelle

Forsthaus Lahnquelle

Die Lahnquelle ist hier, aber gerade auf der anderen Seite des Hügels die Siegquelle. Die Lahnquelle ist ein Teich direkt hinter dem Forsthaus Lahnquelle, grün überwachsen mit Wasserlinsen.

Die Lahnquelle

Die Lahnquelle

Beim Abfluss des dünnen Rinnsals kommt mir in den Sinn: alles Grosse hat einmal klein angefangen.

Der Abfluss des Lahnquelle-Sees

Der Abfluss des Lahnquelle-Sees

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