Französische Art der Schadensregulierung


Auf meiner Reise nach Süden lerne ich Schadensregulierung auf französisch

2016-10-01 In Lyon beschädigt eine kopftuchtragende Dame mein WOMO.  Ich lerne dabei, dass die Prozedur der Schadensregulierung in Frankreich ziemlich anders verläuft als in Deutschland. Aber der Reihe nach: Ich bin gestern von der Höhle gegen 14.00 Uhr weitergefahren Richtung Macon. Ich möchte das Burgund anhand meines Weinatlasses von Weinberg zu Weinberg durchstreifen. Ich trödle und geniesse die Landschaft und finde einen schönen Übernachtungsplatz auf einem grossen, aber fast leeren Parkplatz an einem schönen stillen See ganz in Nähe von Pont de Vaux N 46°25’43.8″ O 4°56’11,4″. Im Ersten sehe ich den Wetterbericht mit einem schrägen Regenband von Süd-West Frankreich quer durch nach Deutschlands Nord-Osten. Es ist noch schönes Wetter, allerdings bewölkt sich der Himmel und gegen 22:00 Uhr fallen die ersten Tropfen. Wie recht der Wetterdienst für einmal hat.

Am nächsten Morgen, Samstag, es regnet noch immer. In France Inter höre ich, dass in der Gegend der Bouches du Rhone Starkregen mit Windgeschwindig-keiten bis zu 120 km/h gemeldet werden, verbunden mit Hagel. Gegen 17:00 Uhr soll der Zauber vorbei sein.

Weinberge anschauen bei Regenwetter scheint mir wenig attraktiv. Ich beschliesse Strecke zu machen. Meine Berechnung ergibt, dass ich, wenn ich gemütlich fahre, nach 17:00 in der Gegend von Montélimar ankomme. Ich beschliesse, früh aufzubrechen. Wenn es zu wild wird, kann ich entweder Richtung Millau ausweichen oder vorher Halt machen und abwarten. Jetzt noch die Dusche und dann los.

Es ist 18:00 Uhr und ich habe einen Übernachtungsplatz in La Voulte sur Rhone kurz vor Valence gefunden. Es ist der Marktplatz, der nur am Freitag für den Markt gesperrt ist. 10 Meter weiter ist die Tourist Information mit freiem WiFi. Welch Komfort. Ich bin erst jetzt hier angekommen, weil südlich von Lyon eine kopftuchtragende Dame ihre Autotüre in mein WOMO gestossen hat.

Entsorgungsdeckel und Kratzer, Schadensregulierung auf französisch

Entsorgungsdeckel und Kratzer, Schadensregulierung auf französisch

Ziemlich Schrammen und der Deckel vom WC-Kasten weggesprengt. Ihre Türe an ihrem geparkten und offenbar neuen Renault ist ziemlich zerknautscht.

Eingedrückte Tür

Eingedrückte Tür

Sie fuchtelt wild und versucht, mir in einem aufgeregten Wortschwall klar zu machen, dass das teuer für mich werde, denn ich sei zu nah an ihr vorbeigefahren.

Sicht auf Strasse, das dunkle Auto zwischen den zwei weissen ist der Verursacher

Sicht auf Strasse, das dunkle Auto zwischen den zwei weissen ist der Verursacher

Meine Versicherung werde wohl die Schadensregulierung übernehmen müssen. Als ich diese komische Rechtsauffassung höre, bestehe ich darauf, dass wir die Polizei rufen.

Ich werde belehrt, dass in Frankreich die Polizei sich um Unfälle ohne Personenschaden nicht kümmert. Für die Schadensregulierung beschreibt jede Partei auf einem Formular “Constat Amiable” seine Version des Hergangs, unterzeichnet es und lässt es von dem Kollisionpartner ebenfalls unterzeichnen. Dann schickt das jeder seiner Versicherung. Die Versicherungen klären dann unter sich, wer die Schadensregulierung übernimmt. Ein Anruf bei der Polizei bestätigt diese Version. Ich bestehe trotzdem darauf, dass die Polizei kommt und schliesslich kommen sie, zu viert. Sie nehmen den Hergang ausnahmsweise auf, weil ich Ausländer sei und begreifen, dass diese Art der Schadensregulierung für einen Deutschen seltsam erschienen muss. Sie geben mir sogar eine Telefonnummer, bei der meine Versicherung den Film einer Kamera, die an der Strassenecke steht, anfordern kann. Das alles muss ich meiner Versicherung innerhalb max. 5 Tagen melden. Wenn ich den Termin verpasse, wird keine Akte eröffnet und ich muss meine Reparatur selbst bezahlen.

Ich ändere also meine Route, da mein Versicherer in Bandol (östlich von Marseille) sitzt. Ich hatte sowieso vor, bei ihm vorbeizuschauen, denn ich hatte noch ein Hühnchen mit ihm zu rupfen. Jetzt kann alles zugleich erledigt werden.

Inzwischen hat France Inter auch gemeldet, dass sich das Unwetter Richtung Gap, also nach Norden oder Nord-Osten bewegt hat. Also freie Fahrt für mich, denn bei Hagelwarnung wäre ich nicht hingefahren. Ich habe schon einige Hagelwetter an der Cote d’Azur erlebt. Die haben es in sich. Golf- bis tennisballgrosse Eisbrocken lönnen an einer Aluminumaussenhaut wie an meinem WOMO gewaltige Schäden anrichten. Morgen ist Sonntag, ich werde Sonntag Abend in Bandol sein und früh morgens ihm die freudige Botschaft überbringen.

2016-10-03 Besuch bei M. Petit, dem Agenten meiner Versicherung. Ich habe Deutschland verlassen beim ersten Kälteeinbruch, der schöne Herbst war definitiv vorbei. Aber hier in Bandol herrschen 28°C und die Leute spielen Boule oder promenieren am Hafen entlang in Shorts oder leichten Röckchen. Es ist noch volle Saison. Welch Unterschied: der Sommer ist hier 2 Monate länger im Herbst und zwei Monate früher im Frühling als nördlich der Alpen.

Ich erkläre M. Petit das Problem und er meint: in solchen Fällen sei ich zu 75% schuld und die Unfallgegnerin 25%. Begründung: ich müsse so langsam fahren, dass ich jederzeit anhalten könne. Ich staune. Es ist ja hinten passiert, ich konnte gar nichts sehen, ich im Führerhaus war ja schon vorbei. Dann zieht er die neueste Broschüre hervor, in der sämtliche Karambolagesituationen aufgezeichet sind. Die Situation “Türe öffnen” füllt eine ganze Seite. Und er korrigiert sich: ich habe recht, die Dame hätte sich erst vergewissern müssen, ob sie die Türe ohne Schaden anzurichten öffnen kann. Seine Erklärung für seine Fehlinformation: vor zwei Jahren wurden im Rahmen der Europäisierung die Unfallsituationen vereinheitlicht und seit dann gilt die Meinung, die ich vertrete.

Warum kümmert sich die Polizei im Normalfall nicht um Unfälle? will ich wissen. Seine Antwort: es hätte in der Vergangenheit zu viele Fälle gegeben, vor allem in Vierteln, die geballt von Moslems bewohnt werden. Es hätten sich in solchen Streitfällen eine grosse Masse von Leuten drohend um die Polizisten geschart, wenn diese nach ihrer Meinung nicht zu Gunsten ihres Glaubensgenossen geurteilt hätten. Es hätte in der Vergangenheit zu Ausschreitungen und verletzten Polizisten geführt. Die Moslems hätten keinerlei Achtung vor der Autorität der Behörden. Im Gegenteil, sie gehen davon aus, dass die Behörden sowieso gegen sie agieren würden und sind entsprechend aggressiv. Wenn es Personenschäden gibt, dann allerdings kommt die Polizei auf jeden Fall, aber in Problemvierteln nicht in einem normalen Streifenwagen, sondern in einem Kleinbus mit 8 bis 10 Polizisten. Wenn es sich aber um Karambolagen handelt, lassen sie die Schadensregulierung die Versicherungen anhand dieses “Constat Amiable” unter sich aushandeln.

Ich frage mich, ob wir in Deutschland bald auch so weit kommen. Ich hatte auch Sympatien für die Position von Frau Merkel, man muss den Flüchtlingen helfen. Allerdings zeigt die Praxis (die Franzosen haben viel mehr Erfahrung resp. Probleme mit Muslimen, die sie nicht mehr los werden), dass ich, vermutlich wie die gutgläubige Frau Merkel auch, die potentiellen Probleme unterschätzt habe. Diese Leute haben eine andere Kultur als wir und jede Kultur hat ihre Wahrheiten. Den einfachen gläubigen Moslems erscheinen unsere Wahrheiten und Werte als eine Verkehrung der richtigen Ordnung. Sie lehnen uns ab und verachten uns, weil wir in ihren Augen gegen die göttliche Ordnung verstossen. Wieso sollten sie sich integrieren, die in ihren Augen dekadenten und gottlosen Werte akzeptieren? Im Gegenteil, sie wehren sich dagegen und suchen Schutz im Bereich Ihrergleichen. Wir sind gut beraten, wenn wir diese Zusammenballung in solche Problemviertel, in denen sich eine Parallelgesellschaft entwickelt, verhindern.

Natürlich gibt es Ausnahmen resp. viele Beispiele von erfolgreicher Integration. Leute, die es geschafft haben. Aber vermutlich sind dies Leute, die entwickelt sind und nicht bedingungslos ihrem Iman glauben, dass sie nichts lernen müssen ausser den Inhalt des Korans, weil im Koran die gesamte Welt und Weisheit enthalten und seine Aussage abschliessend ist. Denn Mohammed benutzte einen genialen Trick: gemäss Allah ist er der letzte Prophet und nach ihm gibt es nicht Neues mehr.

Vielleicht habe ich auch einen falschen Eindruck über die wirkliche Verteilung der problemlosen und problematischen Fälle. Denn die anständigen Leute fallen kaum auf, diejenigen aber, die laut sind, auffallen und Probleme machen, umso mehr. Das gilt ja nicht nur für Muslime.

Eine weitere Überraschung für mich: obwohl ich unschuldig bin an dieser Karambolage zahlt meine Versicherung den Schaden!!! Wieso denn das, frage ich ihn, muss nicht die Versicherung des Schadenverursachers die Schadensregulierung übernehmen? Nein, es gibt eine Konvention zwischen den (auf jeden Fall gilt das für die französischen) Versicherungsgesellschaften, dass unabhängig von der Schuldfrage die Versicherung des Geschädigten zahlt. Bei der grossen Masse der Schadensregulierungen unter den Versicherungen gleiche sich das finanziell plus oder minus aus, aber es spare eine Menge Administrationskosten. Andere Länder, andere Sitten. Aber gut zu wissen für die Zukunft.

Gegen 11.30 Uhr scheint M. Petit anhand einer schriftlichen Beschreibung des Hergangs und von Photos soweit aufgegleist zu sein, dass er alles Nötige in die Wege leiten kann. Ein Problem besteht: da die Polizei den Hergang aufgenommen hat, habe ich keine Unterschrift der Schadenverursacherin. Und schon bin ich ausserhalb der normalen Prozedur. Er muss sich jetzt ausserhalb des Üblichen durchkämpfen und hoffentlich mit Erfolg. Noch ein “Expert” muss den Schaden begutachten und einen Rapport anfertigen. Da ich sofort weiter nach Perpignan will, gibt er mir die Adresse eines Experten von dort, bei dem ich mich melden soll, er werde ihn avisieren.

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