Sieben Gründe, ganzjährig im Wohnmobil zu leben.


Ganzjährig im Wohnmobil leben?

Ein Wohnmobil ist eine fahrende Wohnung. Wohnmobilisten sind Leute, die ungebunden reisen wollen. Sie wollen im Urlaub nicht Zwängen unterliegen, die z.B. ein Urlaub in einem Hotel mit sich bringen. Es ist sicher keine Frage des Geldes, denn wenn man zwei oder dreimal im Jahr in den Urlaub fahren kann und sonst das Wohnmobil in einer gemieteten Scheune steht, ist das Wohnmobil meist teurer, als die gleiche Zeit in einem guten oder sogr sehr guten Hotel zu verbringen.

Aber Wohnmobilist ist nicht gleich Wohnmobilist. Es gibt nicht wenige, die ihr Wohnmobil von zu Hause auf einen Campingplatz irgendwo hinsteuern, den Platz noch möglichst vorreserviert, und sich dort für den Rest des Urlaubs niederlassen. Möglichst noch ein paar Blümchen und Sträucher um ihr Wohnmobil pflanzen und mal richtig ausspannen.

Wohnmobil für Urlaub – oder für Nomaden

Andere sind eher aktiv, erkunden die Gegend, fahren von Campingplatz zu Campingplatz, um Land und Leute kennenzulernen und am Ende ihres Urlaubs wieder heimzufahren. Und dann gibt es die ganz verbissenen, die Nomaden. Sie fahren nie nach Hause, sind zu Hause. Sie sind dort zuhause, wo ihr Wohnmobil steht. Manche haben sogar alle Brücken hinter sich abgebrochen, haben Haus oder Wohnung verkauft und sind ständig auf Reisen. Nur, wer kann sich das leisten? Es leisten sich das mehr, als man denkt. Der Grossteil sind Pensionierte, die sich so ihres drittens Lebensabschnitts erfreuen. Es gibt aber auch nicht wenige Digitalnomaden, die sich ihren Unterhalt im Internet verdienen. Diese Erscheinung ist übrigens keine

Zeiterscheinung, sondern schon vor mehr als 2000 Jahren sagte Cicero: Ubi bene, ibi patria (wo es mir gut geht ist meine Heimat).

Sieben Gründe sprechen für das Wohnmobil

Was nun sind die Gründe, warum diese Leute ganzjährig in ihrem Wohnmobil leben?

1. Sie sind neugierig. Neugierig im positiven Sinn, nämlich wissbegierig. Eine bestimmte Gegend ist irgendwann einmal erkundet und dann wird es ihnen langweilig. Sie wollen Neues sehen, neue Erfahrungen machen, mit Menschen anderer Kulturen zusammen kommen und sich austauschen.

2. Mit einer Wohnung oder einem Haus ist man gebunden. Es ist nicht so einfach, es mal kurz woanders hinzusetzen. Auch wenn man z.B. eine Wohnung einfach abschliessen und dann gehen kann, bleibt sie immer im Hinterkopf: was, wenn eine Wasserleitung bricht, eingebrochen wird oder sonst irgendetwas geschieht? Mit einem Haus ist es noch schlimmer, denn da ist der Garten, den man nicht längere Zeit alleine lassen kann.

3. Wenn mich der Nachbar nervt (es kann niemand in Frieden leben, wenn der böse Nachbar es nicht will), drehe ich halt den Zündschlüssel um und ziehe weiter. Soll er sich mit dem nächsten Nachbar streiten.

Blick aus dem Schlafzimmer

Blick aus dem Schlafzimmer

4. Wer kann sich den Luxus leisten, sein Haus an einem einsamen Strand in südlicher Sonne ohne Baugenehmigung hinzustellen? Es gibt überall Ballungszentren, wo es schwierig ist, ein einsames Plätzchen zu finden, vor allem im dichtbesiedelten Deutschland. Es gibt aber auch noch erstaunlich viele Gegenden, vor allem in Süd-, aber auch in Nordeuropa, in denen man tagelang keine Menschenseele findet. Den Luxus, die schönsten Plätzchen zu suchen und dort eine zeitlang zu verweilen, kann sich ein Wohnmobilist einfach leisten.

5. Ein Wohnmobil hat ein bestimmtes Volumen und eine bestimmte Tragkraft, die beide nicht überschritten werden können resp. dürfen. In einer Wohnung oder einem Haus gibt es immer noch ein Plätzchen, wo man etwas hinstellen kann, das einem im Vorbeigehen irgendwo gefällt. Ein Wohnmobil hilft sehr, sich dem Konsumzwang, dem wir alle ausgesetzt sind, entgegenzustemmen. Auch wenn viele Wohnmobile überladen sind, irgendwann ist Schluss mit Sammeln von Gütern.

6. Es gibt Leute, die freuen sich an allen vier Jahreszeiten. Es gibt andere, die den Winter am liebsten fliehen. Nicht den Winter, der die Landschaft in eine wunderschöne weisse, glitzernde und sonnenüberströmte Landschaft taucht und sämtliche Geräusche so dämpft, dass man das Knirschen der eigenen Schuhe im Schnee hört. Den Winter, in dem aus dem Schnee schnell dreckiger Matsch wird, der die Schuhe mit einem Salzrand ziert, in dem die Wolken tief hängen und die fehlende Sonne für Vitamin-D Mangel sorgt. Die ziehen im Winter Richtung Süden, nach Sizilien, an die Algarve, nach Südspanien, nach Griechenland. Früher noch nach Tunesien und Marokko, in letzter Zeit seltener, der Islam wirkt immer abschreckender. Im Sommer, wenn es dann für Weisshäuter zu warm und zu UV-reich wird, ziehen sie Richtung Norden. Die Zugvögel machen es ihnen vor. In Amerika heissen diese Leute auch “Snowbirds“.

7. Finanzen. Wenn ich oben gesagt habe, dass ein Urlaub im Wohnmobil mindestens so teuer ist wie in einem guten Hotel, dann gilt das nur, wenn man nicht ständig darin wohnt. Wenn aber sonst keine Kosten anfallen als nur die Amortisation des Wohnmobils und die wenigen sonstigen Kosten, dann sind je nach Bewegungsdrang unter Umständen die Kosten für denn Treibstoff der grösste Posten im Budget. Denn wie schon gesagt, der Konsumzwang wird stark gedämpft und die Kosten für Winterkeider und feste Schuhe und sonstige sedentäre Kosten fallen weg.

Wohnmobilisten werden unterschiedlich gesehen.

Nicht überall sind Wohnmobilisten gerne gesehen. Einmal, weil man, vor allem glaubte ich das in England zu spüren, in die Nähe von Zigeunern gerückt wird. Andere rümpfen die Nase, Camping ist doch nicht standesgemäss. Und es gibt weitere, die so bodenständig und mit ihrem Heimatdorf verbunden sind, dass ihnen Leute, die gerne reisen, suspekt sind.

Es ist aber so, dass dort, wo irgendetwas in Massen auftritt, reguliert werden muss. Das ist bei massenhaft auftretenden Wohnmobilisten nicht anders. Es gibt auch Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern, wie Wohnmobilisten gesehen werden. Frankreich z.B. scheint mir das wohnmobilistenfreundlichste Land in Europa zu sein. Viele Gemeinden bieten dort sogar Gratisstellplätze an, an denen entsorgt und versorgt werden kann. Sogar an manchen Einkaufszentren stehen Entsorgungssäulen und heissen Wohnmobile auf ihren Parkplätzen für die Nacht willkommen. Andere wieder stellen eine Höhenschranke mit 2,2 Metern auf. Der LIDL in Portimao (Algarve) hat spezielle Plätze für Wohnmobile eingerichtet, in Bournemouth (Südengland) hat LIDL ein Verbot für Wohnmobile.

Es ist ein Phänomen, dass am Abend, wenn irgendwo ein Wohnmobil steht, sich dann eins nach dem andern weitere dazugesellen. Dies ist ein Aufruf, dieses Zusammenballen nicht zu übertreiben, um die oben beschriebenen Folgen zu vermeiden.

Bist du auch ein Nomade? Ich freue mich über deine Meinung in den Kommentaren.

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