Der Teppich von Bayeux


Der Teppich von Bayeux – Weltkulturerbe

Bayeux ist ein kleineres Städtchen in der Normandie Nord-West-West von Caen gelegen. Es ist die Gegend des Calvados für die Liebhaber dieses Apfelbranntweins. Es bietet aber noch etwas ganz besonderes: den Teppich von Bayeux. In Wirklichkeit ist es eher ein langes, gesticktes Band etwa 50 cm hoch und fast 70 Meter lang. Es ist so einzigartig, dass es 2007 ins Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen wurde.

Das Centre Guillaume le Conquérant

Es wird im Zentrum Wilhelm der Eroberer (centre Guillaume le Conquérant) ausgestellt. Man kommt in einen verdunkelten, eher schmalen Raum, eher ein Gang. An einer Wand ist in Augenhöhe eine beleuchtete Glasvitrine, die mehr als 60 m Meter lang ist, angebracht, in der der Teppich von Bayeux ausgestellt wird. Vor der Vitrine bewegt sich eine Menschenschlange langsam von links nach rechts, denn auf diesem Teppich ist eine Geschichte in Bildern dargestellt und man bewegt sich in der Geschwindigkeit vorwärts, in der man die Bildersprache lesen kann.

Es wird eines der einschneidensten Ereignisse der englischen Geschichte erzählt, nämlich die Eroberung des von den Angelsachsen beherrschten Gebietes durch die Normannen. Der Führer der Normannen war Wilhelm der Eroberer, der Widersacher der Angelsachse Harold Godwinson und die Auseinandersetzung fand in der Schlacht von Hastings im Jahre 1066 statt.

Die Eroberung Englands

Die zwei Kontrahenten sind aufeinander gestossen, weil nach dem Tod des englischen Königs Eduard der Bekenner Fürst Wilhelm der Normandie, den englischen Thron beanspruchte. Fast die Hälfte des Teppichs erzählt die Vorgeschichte zum Eroberungszug. Eduard der Bekenner verspricht Wilhelm den englischen Thron. Harold bestreitet, dass es jemals ein solches Versprechen gegeben hat. Dann

Teppich von Bayeux Holzfäller

Teppich von Bayeux Holzfäller

 

werden die eigentlichen Vorbereitungen gezeigt, es werden Bäume gefällt, darauf werden Schiffe gebaut, es werden Waffen hergestellt, es werden Vorräte zusammengetragen und eine ganze Reihe von sonstigen Tätigkeiten, die mit einer beabsichtigten Landung auf der anderen Seite des Ärmelkanals zusammenhängen.

Dann kommt die Überfahrt, man sieht Pferde auf den Schiffen, die Landung im Jahr 1064 und wie sich die Normannen auf die Schlacht vorbereiten. Die Schlacht selbst ist sehr detailliert dargestellt. Der Ausgang der Schlacht zugunsten Wilhelms wird durch einen Speer, der Harold ins Auge trifft und ihn tödlich verwundet, begründet. Der Rest der Geschichte ist bekannt: die Normannen blieben in England und bildeten schliesslich die Oberschicht, die Angelsachsen wurden zur lower class, der arbeitenden Bevölkerung. Auch auf die englische Sprache hatte dieses Ereignis bedeutenden Einfluss. Das damals gesprochene Vulgärlatein, aus dem sich später das Französische entwickelte, etablierte sich parallel zum von den Angelsachsen gesprochenen germanischen Dialekt. Eine Erklärung, warum Englisch eine Sprache mit

Teppich von Bayeux an Land gehen

Teppich von Bayeux an Land gehen

einem ungeheuren Wortschatz ist.

Man vermutet, dass dieser Teppich von Bayeux von dem Halbbruder Wilhelms, von Odon von Bayeux in Auftrag gegeben wurde und seine Herstellung mehrere Jahre in Anspruch nahm. Er wurde bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts im Domschatz der Kathedrale von Bayeux aufbewahrt und zu bestimmten besonderen Tagen in der Kathedrale rundum aufgehängt, damit die Leute ihn lesen konnten. Denn lesen oder schreiben konnte das einfache Volk damals nicht. Also wurde alles in Bildern erzählt. Eine der ersten Comic-Strip Ausgben meines Wissens.

 

In Wirklichkeit eine Annektion?

Ob Eduard Wilhelm effektiv den Thron versprochen hat, ist unbekannt. Die Tatsache, dass Wilhelm in so positivem Licht gezeichnet wird, lässt vermuten, dass es ganz einfach Propaganda ist, wenn nicht sogar eine Rechtfertigung, warum Wilhelm England erobert hat. Trotzdem ist der Teppich von Bayeux ausserordentlich wertvoll, denn er ist ein seltenes Exemplar aus jener Zeit in profaner Kunst. Er zeigt die Welt und die Menschen, wie sie damals waren. Ihre Kleider, ihre speisen, Schlösser, Burgen, Schiffe, die Art wie sie lebten.

Es ist ein Glücksfall, dass der Teppich von Bayeux nicht in den allgemeinen Wirren, der Kloster- und Kirchenzerstörung usw. der Französischen Revolution, der Zerstörung entgangen ist.

Teppich von Bayeux Kathedrale

Teppich von Bayeux Kathedrale

Man weiss fast nichts über die Entstehung des Teppichs von Bayeux. Er wird das erste Mal erst 1476 in einem Inventar der Kathedrale von Bayeux erwähnt und präzisiert, dass er im Kirchenschiff für ein paar Tage aufgehängt sei. Vermutlich war das vom 1. bis zum 15 Juli jedes Jahr, dem Fest der Reliquien.

Der Teppich von Bayeux entgeht mehrmals der Zerstörung

1562 erfuhren Gläubige, dass eine Truppe von Hugenotten sich Bayeux näherten und versteckten den Teppich. Zum Glück, denn der Inhalt der Kathedrale wurde völlig zerstört. 1721 entdeckte man in den Dokumenten einer Erbschaft Hinweise auf einen Bildteppich von ungewöhnlicher Länge. Aber sie enthielten keinerlei Angaben über das Versteck. Die Neugier war jedoch geweckt und sieben Jahre später entdeckte der Historiker Bernard de Montfaucon, Mitglied der königlichen Akademie der schönen Künste, das Versteck. Der Teppich entging mehrmals der Vernichtung: einmal wollte man ihn während der französischen Revolution zerschneiden, um ein Fuhrwerk mit Vorräten zu decken, weil man keine Blache mehr hatte. Der Polizeipräsident, der fast zu spät informiert worden war, konnte dies im letzten Moment verhindern. 1794 wollte man ihn für einen Festumzug in Stücke schneiden, im einen Wagen damit zu dekorieren. Das bewegte dann die Gründung einer Kommission, die für den Schutz des Teppichs von Bayeux in Zukunft sorgen sollte.

Man wird sich des Werts bewusst

Um ihn Interessierten zeigen zu können, baute diese Kommission ein Gerät, das im wesentlichen aus zwei Walzen bestand. Darauf wurde der Teppich aufgewickelt. Jetzt konnte man durch Abwickeln auf der einen Walze und Aufwickeln auf der anderen Walze Szene für Szene betrachten. Schliesslich realisierte man, dass die Reibung, die dadurch entstand, den Teppich früher oder später zerstören würde. Deshalb wurde er 1842 in einer langen Vitrine in der Bibliothek von Bayeux dem Publikum zugänglich gemacht. Der zweite Weltkrieg brachte erneut Gefährdung, er wurde an verschiedenen Orten versteckt und schliesslich von den Deutschen im Louvre aufgehängt. Am 21. August 1944 während der Befreiung von Paris kamen zwei SS-Leute zum General von Choltitz und verlangten von ihm den Zugang zum Louvre, sie hätten Auftrag, ihn nach Deutschland zu bringen. General von Chlotitz log die beiden an, der Louvre sei schon in den Händen der Befreier. Am 2. März 1945 wird er Teppich schliesslich wieder nach Bayeux gebracht, wo er heute Tag für Tag hunderte oder sogar tausende Interessierte anzieht.

Leave a comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *