Die Abtei Fontfroide


Die Abtei Fontfroide nahe Narbonne

Wie viele der Abteien des Mittelalters wurde die Abtei Fontfroide an einer Stelle gegründet, an der es frisches Wasser, Holz und Baumaterial gab. Oft ist dies an Talenden zu finden, sodass nicht überrascht, dass die Abtei Fontfroide abgelegen an einem Talende liegt. Die Abtei Fontfroide liegt trotzdem nur etwa 15 km südwestlich von Barbonne entfernt und ist leicht über eine Stichstrasse zu erreichen.

Die Waldenserkriege

Die Abtei Fontfroide hat eine wichtige Rolle in den Waldenserkriegen gespielt. Das Schicksal dieser auch als Albigenser oder Katharer bezeichneten “Sekte” im katholischen Sprachgebrauch hat mich schon immer interessiert und ich habe 2013 mich schon einmal auf die Spuren dieser Leute gemacht. Einen ausführlicheren Bericht über die Waldenser oder auch Katharer genannt, wird sich in Kürze hier befinden.

Fontfroide von oben

Fontfroide von oben

Man kommt auf einem langezogenen Parkplatz, denn die Abtei Fontefroide befindet sich am Ende eines langen Tals, das keinen breiten Parkplatz erlaubt. Man tut also gut daran, möglichst weit hinauf zu fahren, um Weg zu sparen. Denn zum Laufen hat man noch Gelegenheit genug.

Im Ticketladen gibt es eine grosse Auswahl an Büchern über alle möglichen Themen mönchischen Lebens. Ein einziges Buch habe ich gefunden über die Abtei selbst, aber die Geschichte der Abtei ist darin sehr stiefmütterlich beschrieben, der grösste Teil beschreibt, wie sich die Abtei heute präsentiert. Dies ist ein Stück weit verständlich, denn die Abtei de Fontfroide befindet sich seit 1908 in privater Hand und muss unterhalten werden. Es werden also eher die Veränderungen, die durch die jetzigen Besitzer vorgenommen wurden, beschrieben.

Gut erhalten, aber nicht original

Dies bedeutet, dass man in der Abtei nicht mehr die ursprüngliche Kargheit der Benediktiner vorfindet. Im Gegenteil, es werden mehrere Kunstwerke ausgestellt,

Kunstwerk Fontfroide

Kunstwerk Fontfroide

im Schlafsaal der Mönche wurden Fensterdurchbrüche angebracht, damit mehr Licht verfügbar ist,

Fontfroide Dormitorium

Fontfroide Dormitorium

die Kirchenfenster leuchten in prächtigen Farben. Sie wurden teilweise aus Stücken zerstörter Kirchen aus dem ersten Weltkrieg erstellt.

Fontfroide Kirchenfenster

Fontfroide Kirchenfenster

Man muss wissen, dass die Besitzer der Abtei, die Familie Fayet, aus er Künstlerszene stammt und dass einige der mit ihnen bekannten Künstler hier gewirkt haben.

Um die Abtei als wirklich zu begreifen, muss man sich gewisse Dinge, wie sie heute sind, wegdenken. Das heisst jedoch nicht, dass die Bemühungen der Familie Fayet nicht zu würdigen wären, im Gegenteil: man findet eine Anlage vor, die wiederhergestellt wurde und unterhalten wird. Man sieht also nicht einfallende Mauerreste, sondern eine Anlage, in der man sich vorstellen kann, wie die Mönche lebten. Der Kreuzgang z.B. ist wunderbar erhalten und zeigt die Reinheit des damaligen nüchternen Stils. Man muss auch bedenken, dass die Abtei über mehrere hundert Jahre entstanden ist, wie sie heute existiert.

Geschichte von Fontfroide

Die Abtei von Fontfroide wurde 1093 als Abtei des Benediktinerordens unter dem Namen Fons Frigidus (Kaler Brunnen) gegründet. Das mönchische Leben war damals teilweise bereits dekadent geworden und im 11. und 12. Jahrhundert erschienen als Reaktion darauf Gemeinschaften, die sich nach den strengen Regeln des heiligen Benedikts aus dem 6. Jahrhundert zurücksehnten. Eine dieser Gemeinschaften nannte sich Zisterzienser. 1145 besucht der Zisterzienser und Reformer Bernard de Clairvaux aus der Abtei Citeaux im Burgund, (die späer als Fontfroide, 1098 gegründet wurde) Fons Frigidus. Die Benediktiner sind so beeindruckt von den Reformideen der Zisterzienser, dass sie beschliessen, sich ihnen anzuschliessen.

In der Folge entwickelte sich die Abtei von Fontfroide prächtig. Viele Reiche vermachten ihr Erbe der Abtei, sanft von den Mönchen und Äbten gesteuert, die in Wahrheit nicht gerne arm waren (eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher in den Himmel kommt). Die mächtige Kirche wurde gebaut und wenn man sich die Schmuckstücke, die heute dort angebracht sind, wegdenkt, ist man beeindruckt von der ursprünglichen Schlichtheit der zisterziensischer Baukunst, die mit der Zeit dann aber eben auch nachliess. Schon nur nach kurzer Zeit war Fontfroide der Vorposten der Zisterzienser in Südfrankreich und wenig später wurde in Katalonien ein Tochterkloster errichtet. Es übertraf mit der Zeit sogar die Mutter, denn es wurde als das Pantheon für die Grafen und Könige von Aragon und Barcelona bestimmt.

Die Albigenser

Die Albigenser, eine christliche Gemeinschaft, deren Ursprung man auf dem Balkan mit Spuren nach Konstantinopel vermutet, lehnten die Autorität des Papstes ab. Sie hatten sich in etwa 200 Jahren von den Pyrenäen bis Valence verbreitet. Albi war das Zentrum, drum auch der Name Albigenser. Sie waren mit ihren modernen Ideen und ihrer hochstehenden Kultur vor allem für Aufgeklärte und Gebildete sehr attraktiv. Die Minnesänger z.B. und viele schöne Formen des höfischen Lebens haben ihre Ursprünge bei den Albigensern (Waldensern). Sie wurden eine echte Gefahr für das Papsttum. Der Papst erklärte diese “Sekte” als Ketzer. Die Abtei von Fontefroid wurde als Bollwerk gegen diese Häresie ausersehen und der damalige Abt von Fontefroid, Pierre de Castelnau, wurde 1199 von Papst Innozenz III als sein persönlicher Vertreter im Kampf gegen die Albigenser bestimmt. Als Pierre de Castelnau ermordet wurde, wurde dies ein willkommenes Argument für die Kriegserklärung an die Albigenser.

Der Krieg dauerte einige Jahre. Die Albigenser verschanzten sich auf Burgen und gleichgesinnten Städten, die eine nach der anderen eingenommen werden mussten. Es fanden Schauprozesse statt, gefolgt von öffentlichen Verbrennungen. Verbrennungen bedeuteten damals Reinigung der ketzerischen Seelen, also eine “sehr christliche” Tat, den Seelen der Albigenser den Weg in den Himmel zu ebnen. Mir dreht es den Magen um angesichts der verdrehten Argumente, mit denen die katholische Kirche ihre Macht zu erhalten strebte.

Das Ende von Fontfroide

1348 brach die Pest auch in der Abtei von Fontfroide aus, die mehr als 70% der Mönche dahinraffte. Von diesem Schlag erholte sie sich nicht mehr. Zusätzlich wurde ihr der angehäufte Reichtum, der kaum noch verteidigt werden konnte, zum Verhängnis.

Um die Mitte des 15. Jahrhunderts wurde vom Papsttum das Regime der “Kommende” eingeführt. Nicht mehr der Abt der Abtei bestimmte über die Finanzen, sondern ein sogenannter Kommendatarabt, der vom Papst eingesetzt wurde. Ein flagrantes System zur Enteignung der Klöster und Abteien und zur Bereicherung von Günstlingen des jeweiligen Papstes. An die Abtei floss nur noch so wenig des Ertrags aus den Ländereien, dass Armut ausbricht und die wenigen Mönche, die übrig blieben, noch weniger wurden. 1594 waren es noch sieben Mönche, die in der Abtei von Fontefroide ausharrten.

Mit der französischen Revolution, die sich nicht nur gegen die weltliche Macht, sondern auch die kirchliche gewandt hatte, erlosch das mönchische Leben in Fontefroide definitv. Vorher hatten sich schon drei Familien weltlich um die Abtei gekümmert, vielleicht ein Grund, warum die Abtei eine der besterhaltenen Südfrankreichs ist.

Leave a comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *