Flucht von Hymer in die Wärme


Von Ulm aus zu Hymer in Bad Waldsee

2016-11-09 Am 2. November war mein Termin bei Hymer, die auf Kulanz sämtliche Wasserschläuche ausgewechselt haben. Sie hatten offenbar bei einer bestimmten Serie Schläuche schlechter Qualität eingebaut, die dem Druck nicht standhielten, wenn man die Heizung einschaltete oder Warmwasser bereiten wollte. Das Resultat war dann erstens Verlust des ganzen Wassers und zweitens Wasser im Bereich der Wasserverteilung, über das sich das Holz im WOMO nicht sehr freute. Dass Hymer das letzte Mal angeboten hatte, sämtliche Schläuche in Kulanz auszutauschen, fand ich bemerkenswert. Die müssen ja das halbe Auto auseinandernehmen, um an alle Schläuche zu kommen.

Als ich ankam, befand sich bereits ein Hymer Eriba Jet 697 dort, ein sehr seltenes Bild, das ich natürlich für mein Album festhalten musste. Ob sie auch wegen platzenden Wasserschläuchen da seien? frage ich. Nein, bei ihnen wird ein Backofen eingebaut. Aha, Franzosen, bei denen ist das Kochen und Backen enorm wichtig.

Hymer Eriba Jet 697

Hymer Eriba Jet 697

Hymer hatte mich gebeten, zwei Tage zu bleiben, denn es könne sein, dass sie es in einem Tag nicht schaffen. Das hatte ich zugesagt, denn Bad Waldsee ist ein schönes Städtchen rund um einen See. Man kann da schön spazieren gehen und auch die Altstadt mit ihren schönen Häusern und Strassencafes ist ansprechend.

Bad Waldsee

Bad Waldsee

 

 

Hymer hat es in einem Tag geschafft

Aber gegen Feierabend wird mir mitgeteilt, dass die Arbeit fertigwerden würde, wenn ich könne soll ich aber noch eine Nacht dableiben und die Heizung laufen lassen. Sie hätten zwar alle Leitungen abgedrückt, aber es schade nicht, wenn man das Ganze nochmal unter richtigen Bedingungen beobachte. Ich blieb also noch die Nacht und es war gut, dass ich die Heizung an hatte, denn die Temperatur fiel auf den Nullpunkt. Das war für mich so schockierend, dass ich am nächsten Morgen die Flucht ergriff und mich aufmachte, um so schnell wie möglich nach Südfrankreich zu gelangen.

Eine spektakuläre Autobahn

Über Mühlhausen und Clermont-Ferrand kam ich auf die spektakuläre Autobahn, die ich auf dem Hinweg entdeckt hatte. Spektakulär, weil sie sich von Clermont-Ferrand auf ca. 250 m Höhe auf rund 1000 m auf das Massif Central hochwindet und dann durch die Cevennen weiter südlich immer zwischen ca. 1200 m und ca. 800 nach Süden führt. Das Spektakuläre sind die Steigungen und dann wieder die Abfahrten, die kilometerlang mit Steigungen oder Gefälle von 6 – 7% unglaubliche Ausblicke in die Landschaft bieten. Die Photos bringen die Tiefe und den Rundblick gar nicht richtig hin.

7 km mit 6% Gefälle, auf der anderen Seite gehts wieder genauso hoch.

7 km mit 6% Gefälle, auf der anderen Seite gehts wieder genauso hoch.

 

Sie ist gratis von Clermont-Ferrand bis nach Beziers mit Ausnahme der Brücke von Millau. Aber den kleinen Obulus sollte man zahlen, denn die Alternative ist ungefähr 350 m runter ins Tal quer durch das enge Millau und auf der anderen Seite in steilen Serpentinen wieder hoch. Wahrscheinlich kostet der zusätzlich verbrauchte Dieseltreibstoff mehr als der Brückenzoll. Ausserdem ist das Überqueren dieser einzigartigen Brücke ein Erlebnis.

Eine weitere Nach bei 3 – 4 Grad Celsius

Aber bevor ich nach Millau kam, brach die Nacht herein, dazu mit einem Nieselregen, der mich veranlasste, im nächsten zufälligen Ort, Saint Flour einen Übernachtungsplatz zu suchen. In der Nacht wieder nur noch 3 – 4 Grad Celsius, ich hatte nicht dran gedacht, dass ich auf 850 m Höhe bin. Aber am nächsten Morgen schaute ich mal Saint Flour näher an, denn gestern Abend habe ich nicht mehr viel gesehen.

St Flour Monts-de-Margerite

St Flour Monts-de-Margerite

Ich bin überrascht, das ist kein Dorf, das ist eine richtige Stadt. Die Häuser und die mächtige Kathedrale ist aus dem grauen Granit, der in dieser Gegend zur Verfügung steht, erbaut. Von was leben die Menschen hier im Nirgendwo in den Cevennen, hoch oben und dünn besiedelt, wo man nur Schafherden vermutet? Ich konnte keine Antwort finden, Industrie habe ich auf jeden Fall nicht gefunden. Nach einem sehr grossen Rundgang, bei dem ich sogar Mühe hatte, den Parkplatz wieder zu finden in dem Gassengewirr der Altstadt, zurück zur Autobahn, weiter nach Süden.

Der Pont Gustave Eiffel

Nach weniger einer Stunde sehe ich ein Hinweisschild an einem Rastplatz „Pont Gustave Eiffel“. Gustave Eiffel war ein pionierhafter Stahlbauer, er hat Dinge probiert, die man vorher nicht gewagt hatte. Zum Beispiel wurde der Lift in Lissabon von der Unter- in die Oberstadt von ihm gebaut, den Eiffelturm, der nach der Weltausstellung ja wieder abgebrochen werden sollte, kennt jeder, hier also eine Brücke: die muss ich sehen und biege auf den Rastplatz ab. Was ich sehe, ist wirklich grandios. Eine Eisenbahnbrücke, die eine weite Schlucht überquert. Übrigens existiert seine Firma offenbar immer noch, denn in Ulm an der Bahnhofbaustelle habe ich neben anderen Firmenschildern auch ein Schild gesehen „Gustave Eiffel Deutschland GmbH“.

Pont Gustave Eiffel

Pont Gustave Eiffel

In Beziers hört die Gratisautobahn auf, aber die normale Strase bis Perpignan ist sehr gut ausgebaut und es geht schnell voran. Dies ist eine der Hauptverkehrsaxen für die Wohnmobilüberwinterer nach Spanien oder Portugal. Jedes dritte oder vierte Fahrzeug, das mir entgegenkommt, ist ein Wohnmobil. Heimkehrer. Auf dem Hinweg sieht es ähnlich aus, die wollen in die Wärme. Ich komme am Sonntag Abend an, bestens, um meine anstehenden Behördengänge am Montag anzugehen.

Frankreich und seine Administration

Man kann in Frankreich ganz sicher sein, dass bei den Behörden nichts im ersten Anlauf klappt. Meinen auf Frankreich umgeschriebenen Führerschein bekomme ich tatsächlich, aber es ist der zweite Anlauf. Hingegen verlangt die Krankenversicherung weitere Dokumente, obwohl ich das letzte Mal alle Dokumente gemäss ihrer Checkliste beigebracht hatte. Warum brauche ich noch weitere Dokumente? Antwort, weil ich nicht Franzose bin. Hätte man mir das das letzte Mal nicht schon sagen können, z.B. mit einer Checkliste für Ausländer? Ah, vous savez, on est tous surchargés. Ich habe allerdings nicht diesen Eindruck, im Gegenteil, es wird recht gemütlich hinter den Schaltern gearbeitet. Naja, jetzt darf ich also noch weitere Rundgänge machen, die ich nicht geplant hatte. Und meine Kreuzfahrt nach Mumbai resp. wie ich nach Savona komme, muss ich ja auch organisieren.

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