Lange Rückreise nach Perpignan 2


Langer Aufenthalt am Flughafen Mumbai

Mein Flug mit Turkish Airlines, die einzige Fluggesellschaft, die ich fand, die um diese Zeit nach Barcelona fliegt, startet am 4.1.2017 ab Mumbai kurz nach 5.45 Uhr in der Frühe. Um 3.30 Uhr spätestens muss ich am Flughafen sein. Soll ich meine Gastgeber gegen 02.00 Uhr aufwecken, d.h. stören? Ich beschliesse, mich gegen ca. 19.00 Uhr von ihnen zu verabschieden und die Nacht am Flughafen zu verbringen. Denn sie haben noch eine Firma und ich habe das Gefühl, sie haben sie wegen mir etwas vernachlässigt.

Der Abschied von Prity und Surentra war herzlich, das Uber-Taxi fand nach einigen Irrwegen doch noch den Flughafen, an dem lange Schlangen vor allen Eingängen stehen. Der Grund wird mir erst klar, als ich in der Schlange bis nahe zum Eingangstor gelangt bin. Man kann nicht einfach rein wie bei uns, Polizisten wollen sehen, ob man ein Ticket hat. Nach einer halben Stunde anstehen werde abgewiesen. Warum, frage ich. Ich sei zu früh, ich würde höchstens 6 Stunden vor Abflug eingelassen. Das wäre also ca. 23.45 Uhr. Reklamieren nützt nichts, mein geplanter Schlaf auf einer bequemen Bank innerhalb des Flughafens ist dahin.

Auf der anderen Seite gibt es ein Restaurant, das sogar Bier ganz gross anpreist. Da sitzen schon eine Menge Leute mit ihren Koffern auf Flughafenwägelchen. Ich bin also nicht der Einzige, der unwillkommen ist auf dem Flughafen. Auf dem Fernseher laufen Sportnachrichten, mit der Zeit merke ich, dass sie sich alle ca. 20 Minuten wiederholen. Zu lesen habe ich auch nichts, bleibt nichts anderes als die Gedanken schweifen zu lassen.

Flughafentafel Mumbai

Flughafentafel Mumbai

Ab und zu wandle ich, mein Wägelchen schiebend, durch den freien Flughafenbereich und lese interessiert die Ankunftstafel. Wie viele exotische Orte es doch gibt, die ich noch nicht gesehen habe!

Der Flughafen, soweit ich ihn bis jetzt gesehen habe, ist ein Vorzeigestück und von imposanter Architektur. Und er ist pieksauber. Welch Gegensatz zur Stadt, in der die Leute einfach alles auf die Strasse werfen. Sind das hier andere Inder? Nein, stelle ich fest, hier werfen sie auch alles weg. Aber es gibt so viele Putzgeister, die hier herumlaufen, dass ein weggeworfenen Eispapier oder ein leergegessenes Erdnussbeutelchen keine Chance hat, länger als 2 – 3 Minuten am Boden zu liegen.

Flughafen Mumbai

Flughafen Mumbai

Einstein hat schon recht: Zeit ist relativ. Wenn man in Eile ist, sind ein paar Stunden im Nu in irgendeinem schwarzen Loch verschwunden. Sitzt man aber am Flughafen und wartet, kann man ihr direkt zusehen, wie sie im Schneckentempo verrinnt. Um 23.30 Uhr stelle ich mich wieder an und hurra, Erfolg, ich werde eingelassen. Nach dem Einchecken finde ich am Gate eine bequeme Liegegelegenheit und schlafe etwas. Nach 2 (gefühlten) Minuten stupft mich eine Flughafenangestellte: es sei Boarding, sie warten nur noch auf mich. Ich muss tief geschlafen haben.

Langer Flug über Kriegsgebiet

Von Mumbai gehts übers Arabische Meer nach Karachi, von dort über Persien, Irak und Türkei nach Istanbul. Hoffentlich spielen die Islamisten da unten nicht mit Boden – Luft Raketen wie die russischfreundlichen Ukrainer vor nicht allzu langer Zeit.

Flugkarte

Flugkarte

Aber wir landen bemerkenswert sanft in Istanbul. Vier Stunden bis zum Anschlussflug. Die werden auch gebraucht vor den unglaublich langen Schlangen vor den Röntgenapparaten. Ich kann ausziehen, was ich will, der Kontrollrahmen, durch den ich gehe, piepst noch immer. Dieser hier ist offenbar so empfindlich, dass er auf meine Eisenanker im Knie reagiert. Das akzeptiert dann schliesslich auch der ernst dreinblickende Kontrolleur in Uniform. Im Gatebereich befinden sich PC’s, die man gratis benutzen darf. Ich setze einige Emails an meine Familie und Freunde ab, so ist die Zeit gut genutzt.

Istanbul Barcelona dauert doch länger als gedacht

Der Hopser von Istanbul nach Barcelona ist dann doch etwas länger als ich dachte. Warum fliegt der nicht Luftlinie nach Barcelona? Er kurvt über die Poebene, dann über Südfrankeich etwas südlich von Gap und lässt Marseille links liegen. Also genau über die Gegend, in der ich in den letzten 30 Jahren viele verlängerte Wochenenden verbracht und später auch ein paar Jahre gelebt habe. Ich erkenne auch ganz klar bekannte Landstriche. Erst auf der Höhe von Montpellier biegt er dann ab nach links Richtung Barcelona. Ich bin aber zu müde, um den Ehrgeiz aufzubringen, Klarheit hier rein zu bringen.

Zurück in Europa

Der Flieger macht einen weiten Bogen raus aufs Meer und dann zurück auf den Flughafen El Prat. Sanfte Landung und dann an die Kofferausgabe. Wie ruhig es hier ist. Kein ohrenbetäubendes Gehupe. Kein Geschrei. Nur Ruhe. Fast hat es etwas bedrohliches. Ich muss mich wohl erst wieder daran gewöhnen.

Der Shuttlebus bringt mich zur Plaça de Catalunya. Nach nur wenigen Schritte, in der ersten Seitenstrasse von der Rambla weg, erreiche ich meine Pension, in der ich von zwei ukrainischen jungen Damen empfangen werde. Sie managen offenbar diese Pension. Das Klima sei hier so viel angenehmer als in der Ukraine. Ich bin hundemüde und schlafe sofort ein.

Am nächsten Morgen bleiben einige Minuten bis zur Abfahrt des Busses nach Perpignan, die ich zu einem Rundgang durch das Barrio Gotico nutze.

Barrio Gotico

Barrio Gotico

Blumenfrau in Barcelona

Blumenfrau in Barcelona

 

Ein wenig schlendern durch die schöne Altstadt, das Rathaus mit seinem tollen Platz davor und einer Wanderausstellung über modernes Wohnen. Die grossartige Kathedrale und die überall hängenden katalanischen Fahnen, die den Unabhängigkeitsdrang der Katalanen von Spanien demonstriert. Die Ruhe und Gelassenheit hier tut gut, ich bin wieder zu Hause. Das bekannteste Bild aus dem Barrico Gotico direkt neben der Kathedrale nehme ich natürlich auch auf. Und freue mich über eine Blumenfrau einer ganz besonderen Art.

 

Auf nach Perpignan

Busbahnhof

Busbahnhof

Von dort dann zum Busbahnhof, zu dem ich fast zu spät komme, gemäss meiner Uhr. Kein Bus da, ist der schon weg? Offenbar nicht, ein Alsa-Busfahrer sagt mir, er fährt in etwa 2 Stunden von Bucht 14. Irgendetwas stimmt nicht. Uhrenvergleich. Das ist es: ich hatte meine Uhr von Zeitzone zu Zeitzone vorgestellt, aber irgendwo muss ich einen Fehler gemacht haben der jetzt korrigiert wird. Jetzt bin ich also wirklich angekommen, auch weil ich auf der Busfahrt nach Perpignan den berühmten Autan-Wind spüre, der den Bus gehörig durchschüttelt und dem Busfahrer erhöhte Konzentration abfordert.

Böse Überraschung

Am nächsten Morgen auf zum Womo-Händler, bei dem ich am Tag vor meiner Abreise nach Savona noch etwas überstürzt den Kaufvertrag für ein anderes Womo unterzeichnet hatte.

Neues Womo

Neues Womo

Es ist einen ganzen Meter kürzer als mein jetziges, hat aber eine Riesengarage, weil es auf das Kingsizebett verzichtet, dafür hinten nur ein quer eingebautes Doppelbett hat. Ein Meter kürzer ist ein Riesenargument in den engen europäischen Strassen. Ausserdem hat er eine Zuladung von mehr als 1000 kg verglichen mit den 320 kg des jetzigen. Das hatte dazu geführt, dass ich ständig mit Übergewicht unterwegs war.

Der Verkäufer hatte mir gesagt, es sei gar kein Problem, meinen Führerschein auf die 4.250 kg umschreiben zu lassen, denn ich erfülle alle Voraussetzungen. Einige Behördengänge brachten dann immer mehr die Gewissheit, dass dem nicht so ist. Was tun? Kaufvertrag annullieren? Nein, ich will dieses Auto, ich habe mich so darauf gefreut. Es bleibt nichts andres übrig, ich muss den Führerschein für 17-Tönner machen. Und darf in Zukunft auf Autobahnen nicht schneller als 90 km/h fahren, weil ich jetzt einen Lastwagen fahre.

Ich entschliesse mich, die Reise nach Panama und Costa Rica zu annullieren. Das Ticket nach Panama ist ein “non-refundable”, ich bekomme nur den Steueranteil zurück. Mit Roberto habe ich abgemacht, dass wir unseren Segel- und Hochseefischtörn zu den Islas de las Perlas nächsten Winter nachholen. Das Hotel muss ich teilweise zahlen, ich komme also mit überschaubaren Kosten aus dieser abgesagten Reise heraus.

Kleiner Ausschnitt

Kleiner Ausschnitt

Der Verkäufer sieht seinen Fehler ein, ich handle gewisse Dinge mit ihm aus, um den Schaden wieder gut zu machen. Zudem akzeptiert er, dass ich solange in seinem Hof stehen bleibe, Wasser, Strom und WiFi nutze, bis ich die Prüfung bestanden habe. So stehe ich also hier unter ca 50 Wohnmobilen und büffle Theorie. Und das, nachdem ich meinen Führerschein vor mehr als 50 Jahren gemacht habe. Bin gespannt, was es Neues gibt.

Bis ich den Lastwagenführerschein in der Tasche habe, werdet ihr also vorläufig nichts mehr von mir hören. Ich will diese Prüfung nicht ein paar Mal wiederholen müssen.

 

 

 

 

 

 


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