Theorieprüfung bestanden


Theorieprüfung bestanden

2017-02-14 Die Theorieprüfung (in Frankreich heisst diese Prüfung “le code”) habe ich hinter mir. Man wird mit etwa 20 anderen Prüflingen in einen Saal geführt, in dem auf jedem Platz ein Tablet steht. Man streift sich einen Kopfhörer über und und meldet sich mit einem Passwort, das man vorher schriftlich mitgeteilt bekam, an. Es gibt etwa 200 verschiedene Situations-Sets mit je 40 Situationen aus dem Strassenverkehr, aus denen jedem Prüfling ein unterschiedliches Set abgespielt wird. Spicken beim Nachbar ist also sinnlos. Die Fragen bestehen teilweise aus Videos, die abgespielt werden oder aus Bildern. Darunter eine oder zwei Fragen zu diesem Video, die man via Multiple Choice beantworten muss. Um eine Frage zu beantworten, hat man 30 Sekunden Zeit, danach kommt das nächste Video. Mehr als 5 Antworten falsch und man hat die Theorieprüfung nicht bestanden. 

Fragen zur Theorieprüfung

Fragen zur Theorieprüfung

Auf diese Fragen kann man sich im Internet vorbereiten. Es gibt verschiedene Anbieter, die diese Prüfungsumgebung nachgebildet haben. Allerdings sind die Videos und Photos dieser Umgebungen nicht identisch mit denen, die in der Prüfung gezeigt werden.

Beim Üben mit diesen Prüfungsaufgaben ist mir aufgefallen, dass es in Frankreich zwar die gleichen Verkehrsregeln gibt wie bei uns, aber sie werden einerseits sehr stark zugunsten der Fussgänger und Radfahrer interpretiert (les plus vulnérables – die am meisten Verletzlichen), andrerseits wird defensives Fahren sehr stark in den Vordergrund gestellt. Wenn z.B. jemand anderes ein Manöver ausführt, das nicht den Verkehrsregeln entspricht und mich damit behindert, soll ich anhalten und warten, bis er sein Manöver beendet hat. Wenn jemand von rechts oder links kommt, aber ohne Vorfahrtsrecht, soll ich ihn im Zweifelsfalle passieren lassen, auch wenn ich im Recht wäre.

Diese Philosophie spricht mich zwar sehr an, aber sie macht die Theorieprüfung recht schwer, denn sie lässt sehr viel Interpretationsspielraum zu. In einer Situation, in der ich z.B. sagen würde, hier kann ich es noch wagen, weiterzufahren, ist unter Umständen der Prüfer der Meinung: nein, hier hätte ich den anderen, der zwar im Unrecht ist, vorfahren lassen sollen.

Da die Meinung des Prüfers gilt, ist dann meine Antwort falsch.

Sobald man die Theorieprüfung bestanden hat, wird man zum Fahrertraining zugelassen. Dieses findet auf einer Piste statt, auf der man vorwärts und rückwärts, mit und ohne Anhänger, eine Piste durchfahren muss, die durch die bekannten rot-weissen Pylonen abgesteckt werden kann.

Lastwagenfahrschule

Lastwagenfahrschule

Es geht aber nicht nur ums Fahren, das ist der kleinste Teil. Der grössere Teil ist wieder Theorie und diesmal um Lastwagen. Druckluftbremsen statt hydraulischen, Verriegeln der Kabine, richtige Lastverteilung und Lastsicherung usw. usw. Die Prüfung wird etwa 2 Stunden dauern, davon ist Fahren auf einer identischen Piste nur etwa 15 Minuten.

Beim ersten Besuch auf dem Übungsplatz kommt der Instruktor auf mich zu und meint, er hätte eine gute Nachricht für mich. Im Zuge der europäischen Harmonisierung der Strassenverkehrsregeln gäbe es neuerdings die Regelung, dass ich für ein Wohnmobil mit über 3,5 Tonnen nicht den Führerschein für 17 Tonnen machen müsse, sondern nur denjenigen für 7,5 Tonnen. Da ich überdies keinen Anhänger fahren wolle, könne ich das Anhängerfahren auch vergessen. Wenn das keine gute Nachricht ist! Meine erste Fahrerprüfung findet am 23. Februar statt, die zweite, in der eine Stunde lang im normalen Verkehr gefahren wird, am 2. März. Hier haben Sie die Therorieunterlagen, die Sie bis zur ersten Prüfung beherrschen müssen. Sie haben nicht viel Zeit, also los. Sobald Sie glauben, die Theorie zu beherrschen, kommen Sie wieder und ich frage Sie ab. Dann fangen wir mit dem Fahrertraining an, das Sie bis zum 23.2.beherrschen müssen.

So, da sitze ich jetzt in meinem Wohnmobil, immer noch auf dem Gelände des Wohnmobilhändlers, der mich so hineingeritten und mein Nomadenleben unterbrochen hat und büffle. Mein altes Eriba-Wohnmobil hat er in der Zwischenzeit schon verkauft. Die Mitarbeiter der Firma zeigen mir viel Mitgefühl und fiebern mit mir, sie sind mit der Verkaufstaktik ihres Chefs insgeheim überhaupt nicht einverstanden und helfen mir heimlich beim Einrichten respektive der Individualisierung des WOMOs. Ich büffle zwar, aber ab und zu muss auch mal eine Pause sein und dann wird gebastelt.

Sobald ich die erste Prüfung bestanden habe, melde ich mich wieder.

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