Ohne Führerschein los


2017.03.17 Gestern bin ich in Juromenha in Portugal angekommen. Letzten Donnerstag bin ich noch zur Versicherungsgesellschaft, um den “Lastwagen” zu versichern und diesmal wurde ich nicht mehr abgewiesen dank meines provisorischen Führerscheins. Und jetzt muss ich tatsächlich noch drei bis vier Wochen warten, bis ich den definitiven Führerschein bekomme? Das schmerzt richtig.

Erste Fahrt mit dem neuen WoMo, aber nur mit provisorischem Führerschein

Ich fuhr das erste Mal mit dem neuen WoMo ans Meer nach Canet Plage und blieb dort zwei Tage. Neben mir stand plötzlich genau das gleiche Hymer-Modell. Ein Franzose hatte mich gesehen und sich neben mich gestellt. Er wollte Erfahrungsaustausch. Er sei nicht so zufrieden, er habe das 3,5 to Model und er könne nur etwa 350 kg zuladen, das hätte er erst nach dem Kauf realisiert. Mit seinem Roller im Kofferraum wiege er 3,9 Tonnen. Als er begriff, dass ich das 4,25 to Modell fahre, wurde ihm klar, dass ich dieses Problem nicht (mehr) habe und gemeinsames Jammern nicht möglich sei.

Ein schneller Entschluss

Über das Wochenende reifte dann in mir der Entschluss, die Einschränkung, dass ich mit dem provisorischen LKW-Führerscheins nur in Frankreich fahren dürfe, einfach zu ignorieren. Am Montag früh ging ich fest entschlossen auf die Préfecture von Perpignan und gab den alten Führerschein ab. Ich ginge jetzt ins Ausland und würde dann den neuen Führerschein abholen, wenn ich wieder zurück bin. Das wurde anstandslos akzeptiert und gelogen hatte ich auch nicht. Gegen 13’00 Uhr war ich schon in La Jonquera auf spanischem Boden.

Jetzt so schnell wie möglich an die Algarve. Richtung Süden die Ostküste Spaniens runter oder nach Südwesten, quer durch die Iberische Halbinsel? Ich entschied mich für Südwesten, denn ich wollte die Gegend um den Stausee Barragem Alqueva an der Ostgrenze Portugals erkunden, die ich noch nicht kenne. Dann den Guadiana runterfahren bis nach Vila Real. Von Vila Real bin ich den Guadiana ja schon vorletztes Jahr ein kleines Stück hochgefahren. Die Gegend hatte mich fasziniert.

Also los, Richtung Zaragoza, Madrid, Badajoz. Kurz vor Zaragoza werde ich müde, ich zweige von der Hauptstrasse ab und übernachte in einem kleinen, ruhigen Dörfchen mit einem schiefen Glockenturm, Vilagrasa.

Üplatz Vilagrasa

Üplatz Vilagrasa

Am nächsten Tag mache ich Strecke, das Land ist dünn besiedelt, mit Wintersaat, frisches grün mit hohem Gelbanteil, im Gegensatz dazu die spärlichen immergrünen Bäume mit einem eher schmutzigen Grün. Darunter weiden ab und zu Kühe oder Schafe.

Zwischendrin dann grosse Flächen von Obstbäumen in frischer rosafarberner Blüte, eine schöne Unterbrechung der immer gleichen Umgebung. Ich vermute, Pfirsichbäume. Der Schnitt der Bäumchen in Becherform, nicht wie bei uns um den Hauptstamm geschnitten. Die Bäumchen sind nur so hoch, dass man die Früchte ohne Leiter pflücken kann. Der Wind fegt über die Hochebene, er findet kaum Widerstand. Die Gegend gleicht Wildwestfilmen, in denen in weitem Nichts eine Farm liegt, in der die Handlung abläuft. Hier sind es die Tankstellen, die in weitem Nichts auftauchen. Und die Wildwesthelden sind die Lastwagen.

Schneewarnung? Auf 1100 m wahrscheinlich schon möglich im Winter

Kurz vor Madrid taucht plötzlich ein Strassenschild mit einer Schneeflocke auf. Wie bitte? Hier Schneewarnung? Ich schaue auf den Höhenmesser, er zeigt 1150 Meter über Meer. Im Winter kann es vermutlich hier oben schon schneien, aber um diese Jahreszeit wohl kaum. Und dann geht es runter auf 670 Meter nach Madrid. Es ist später Nachmittag. Weiter direkt nach Badajoz oder doch jetzt Feierabend machen? Ich entscheide mich, auf meinen alten Schlafplatz in Toledo zu fahren. Es gibt jede Menge Platz, einige WoMoS sind auch da.

Toledo Schlafplatz

Toledo Schlafplatz

Toledo Doppeladler

Toledo Doppeladler

Am nächsten Morgen gibt es richtig Rummel, der Platz füllt sich mit Autos. Ich hatte mich groszügig über vier Plätze gestellt, jetzt mache ich soviel Platz, wie es mir möglich ist. Dann einen kleinen Rundgang in der Hauptstadt der Westgoten. Am Osteingangstor prangt der österreichische Doppeladler und hinter dem Tor steht immer noch stramm Carlos V aus der österreichischen Linie.

Badajoz Guadiana

Badajoz Guadiana

Gegen Mittag breche ich auf Richtung Badajoz. Dort finde ich am rechten Ufer des Guadiana einen schönen und ruhigen Übernachtungsplatz im Grünen. Ich bin am Guadiana angekommen. Er entspringt übrigens in den Bergen von Toledo, fliesst in Windungen westwärts, um bei Badajoz an der portugiesischen Grenze nach Süden abzubiegen.

Er fliesst nun auf portugiesischem Gebiet in einer flachgewellten Hochebene, wo bei Moura eine Staumauer errichtet wurde. Der grösste Stausee Portugals entstand, der im oberen Teil gleichzeitig die Grenze zu Spanien bildet.

Entlang dieser Grenze befinden sich in regelmässigen Abständen Festungen aus der Zeit, als die Spanier die Abtrennung Portugals rückgängig machen wollten. Einige sind zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt worden, wie z.B. Elvas, das ich gestern abend durchquerte. Etwas weiter südlich, im Dörfchen Juromenha, steht eine weitere Festung, an deren Fuss ich übernachte.

Juromenha Festung

Juromenha Festung

Diese Festung, die an wundeschöner Lage etwas erhöht über dem Stausee liegt, wird im Gegensatz zu Elvas nicht gepflegt, sie ist dem Verfall preisgegeben. Trotzdem sind noch Spuren früherer Pracht sichtbar, in einem Gebäude besteht die Treppe in den ersten Stock aus wunderschönem weissem Marmor. Sie führt in einen grossen Raum mit einem wuchtigen Kamin. Das Betreten dieses Raumes allerdings ist nicht empfehlenswert, denn in der Mitte ist der Boden eingebrochen.

2017-03-14 Weiter Richtung Süden. Ziel ist Monsaraz, eine weitere Festung auf einem Felskegel mit einem phantastischen Ausblick auf den Stausee. Es sind nur ungefähr 60 km dorthin und man fährt auf der “Rota dos Sabores”, aber auf den ganzen 60 km sieht man nichts vom Stausee. Es gibt keine direkte Strasse den Stausee entlang, nur Stichstrassen zu ihm hin. Erst fast am Ziel angekommen erblickt man auf einer Anhöhe ein Dorf mit einer Festung, aber immer noch kein Wasser.

Festung Monsaraz

Festung Monsaraz

Aussicht auf See

Aussicht auf See

WoMo-Platz Monsaraz

WoMo-Platz Monsaraz

 

 

Man muss um den ganzen Hügel herumfahren, um die Strasse zur Festung hochzuklimmen. Ich finde grosszügige Parkplätze, sogar ein WoMo-Platz ist ausgeschildert, der recht bevölkert ist. Engländer, Holländer, ein Schwede, Franzosen stehen da auf einer tollen Plattform und geniessen die Sonne und die Aussicht auf den Stausee, der von dieser Seite her nun in seiner ganzen Pracht zu Füssen liegt.

Aussicht aus Wohnzimmer

Aussicht aus Wohnzimmer

Wer hat das einmal gesagt, wir Nomaden leben mit unserer Freiheit in einem ungeheuren Luxus. Wer will das bestreiten bei dieser Aussicht aus meinem Wohnzimmer-Fenster?

Der Guadiana wurde in einer recht flachen, aber strukturierten Hochebene aufgestaut, wodurch sich ein weitverzweigter See bildete mit vielen Seitenarmen und Inselchen. Die Uferlinien dürften mehrere hundert Kilometer lang sein und bieten dadurch zahlreiche einsame Standflächen, um einige Zeit am See zu verweilen.

 

 

 

Der Stausee

Der Stausee

Der Hügel, auf dem Monsaraz liegt, besteht aus plattenartigem Gestein, ähnlich wie Schiefer. Man braucht nur die Platten zu lösen und hat fast fertig behauenes Baumaterial. Entsprechend besteht der ganze Ort aus diesen Platten. Sogar die Strassen, Plätze und Wege bestehen aus diesen Platten. Man braucht sie nur, Seitenkante nach oben, aneinander zu reihen und hat ein eine aussergewöhnlich stabile Grundlage. Ist dieser Parkplatz nicht eine ästhetische Augenweide?

Parkplatz Monsaraz

Parkplatz Monsaraz

Plattenhaus Monsaraz

Plattenhaus Monsaraz

Fussweg Monsaraz

Fussweg Monsaraz

Hier bleibe ich noch ein paar Tage. Es ist so ruhig und schön. Ich kann mir vorstellen, dass in der Hochsaison hier Touristenrummel herrscht. Solange es so ruhig ist, muss man es geniessen.

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