Spektakuläre Küstenpfade an der Algarve


Die spektakulären Küstenpfade der Algarve

Ich bin schon einige Küstenpfade gewandert, sie haben alle ihren Reiz, obwohl sie völlig unterschiedlich sind. Die Küstenpfade der Nordsee bestechen durch ihre weite Sicht nicht nur auf die See, das Wattenmeer und die Inseln, sondern auch auf das weite, flache Binnenland. Die Vielzahl der Vögel, die dort entweder durchwandern oder beheimatet sind, die Spuren und Zeichen der Landgewinnung, das Licht, die frische Luft machen den Reiz dieser Küstenpfade aus. Diese Küstenpfade folgen meist den Deichen und bedeuten weniger eine Wanderung als einen Spaziergang. Es gibt keine spektakulären Höhepunkte, man wandert einfach von Küstendorf zu Küstendorf, die oft Touristenorte sind. Dazwischen bewundert man unterwegs die Schleusen, die bei Ebbe geöffnet werden, um das Land zu entwässern.

Ganz anders z.B. der Küstenpfad an der Südküste Englands. Er folgt der Küste hoch oben auf den Klippen, Deiche sind hier nicht nötig. Dieser Küstenpfad führt meist durch Kuhweiden, ist also grasbestanden und man öffnet und schliesst ständig Viehgatter. Die Gegend ist hügelig und es geht auch mal geröllhaldige Stiege hinauf oder hinunter. Mit einfachem Schuhwerk wie Sandalen oder gar FlipFlops dort zu wandern wie auf den Deichen der Nordsee ist weniger angesagt. Er heisst Küstenpfad (Coastal path), weil man von ihm aus immer Sicht aufs Meer hat, aber ins weitere Landesinnere eher selten. Denn das Land ist hügelig und baumbestanden. Man wandert eigentlich weite Strecken durch Weideland um den nächsten Höhepunkt, eine Sicht auf spektakuläre Klippen zu erhaschen. Zu diesen Höhepunkten, die durch den Küstenpfad miteinander verbunden sind, führen auch meist Stichstrassen mit grossen Parkplätzen. Dort ist also immer Betrieb und die wenigsten der dortigen Besucher sind die Küstenpfad Wanderer.

Der spektakulärste Küstenpfad, den ich aber bisher erwandert habe, ist der Küstenpfad an der Algarve von Marinha nach Vale Centioes.

Küstenpfad Marinha nach Vale Centioes

Küstenpfad Marinha nach Vale Centioes

Ein kurzer Küstenpfad

Er ist nur 5,7 km lang, aber planen Sie ruhig den ganzen Vormittag, nur um ihn hin zu laufen und den Nachmittag, um wieder zurück zu kommen. Es ist eben kein Küstenpfad, sondern ein, ich würde es nennen, Küstenkletterpfad. Dazu kommt, dass man ihn nicht nur mehr oder weniger geradeaus bewandert. Es geht rauf und runter und es gibt überall kleine Seitenpfade, die zu immer noch spektakuläreren Sichten führen.

Klippen Marinha

Klippen Marinha

Kilppen Marinha

Kilppen Marinha

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Manchmal schlagen die Wellen in Aushöhlungen mit solcher Kraft, dass es klingt wie fernes Donnergrollen.

Küstenpfad über Kalkstein

Die Klippen hier sind Kalkstein. Kalkstein ist sehr wasserdurchlässig. Wenn es regnet, bleibt nicht viel an der Oberfläche. Entsprechend hart ist die Vegetation, die hier das Überleben schafft. Es sind meist mannshohe Büsche mit kleinen, ledrigen Blättern, mit ätherischen Ölen überzogen, um die Verdunstung nochmals zu reduzieren. Wenn es dann doch zu wenig Wasser gibt, entscheidet sich der Busch, einen Teil seines Geästs absterben zu lassen, um den anderen Teil zu retten. Dieses abgestorbene Geäst hat die gleiche Farbe wie der Kalksteinboden, aber es brennt wie Zunder. So kommt es, dass manchmal eine völlig grün scheinende Gegend lichterloh brennt.

Das Regenwasser, das so schnell im Kalk verschwindet, hat noch eine weitere Eigenschaft: es ist leicht sauer und löst den Kalkstein auf. Das geht über tausende oder Millionen Jahre, aber was sind schon ein paar Millionen Jahre in der Erdgeschichte. Es bilden sich unterirdische Wasserläufe, die zu echten Flüssen anschwellen können und Höhlen bilden. Die werden grösser und grösser und eines Tages wird die Decke der Höhle so dünn, dass sie einstürzt. Es gibt viele solcher “Sinkholes” an der Felsenküste der Algarve. Sie sind aus Sicherheitsgründen weiträumig umzäunt, damit niemand hineinfällt.

Sinkhole

Sinkhole

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Spannende daran ist, dass man meist den Grund des Loches nicht sehen kann, aber in vielen hört man das Rauschen der Meereswellen, obwohl das Loch hunderte von Metern von der Klippenkante entfernt ist. Bei einem Sinkhole nahe des Klippenrandes kann man gut sehen, was da drin los ist.

Der Strand von Marinha

Ich kam am 10. April 2017 am Strand von Marinha an. Der Praia de Marinha präsentiert sich ähnlich wie der Praia do Pero. Es ist ein buschbestandenes weitläufiges Gelände mit verzweigten Wegchen und Plätzchen zwischen den Büschen, wo jeder Wohnmobilist sein Plätzchen finden kann, entweder etwas versteckt im Gebüsch oder mit grossartiger Aussicht direkt am Klippenrand.

Plätzchen versteckt

Plätzchen versteckt

Grossartige Aussicht

Grossartige Aussicht

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Riesenunterschied besteht allerdings: während Praia de Pera auf Meereshöhe liegt, liegt Marinha oben auf der Klippe. Und bevor der Badestrand erreicht werden kann, muss man erst einmal einen steilen Pfad die Klippe hinunter überwinden.

Am Tag davor hatte es heftig gewindet und die See aufgewühlt. Am 10. April war es schon wesentlich ruhiger und ich wollte den Küstenpfad zu einem geeigneten Ort laufen, um von dort eine Bootsfahrt in die Grotten zu machen. Von den Kalkklippen stürzen immer mal wieder Teile ins Meer und legen so Grotten frei. Die sind in der Regel nur von See aus zugänglich. Mit Sandalen, wie ich das so von den anderen Küstenpfaden her gewöhnt war, denn es war sehr warm. Nach nur etwa 500 Metern kehrte ich um, um meine Wanderstiefel anzuziehen. Der Küstenpfad ist recht steinig und anspruchsvoll.

Die richtigen Schuhe

Die richtigen Schuhe

für Küstenpfade wie diesen

für Küstenpfade wie diesen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In Benagil angekommen, fand ich einen unbemannten Ticketverkaufsstand mit einem Plakat: “Wetterbedingt finden heute keine Höhlenfahrten statt”. Na gut, wieder zurück. Der Weg alleine war die Wanderung schon wert.

Es kann sein, dass Sie bei ruhiger See hier ankommen. Die spektakulären Klippen sehen Sie dann nach wie vor, nur der Kampf zwischen Wasser und Klippen ist dann vielleicht etwas zahmer oder findet überhaupt nicht statt.

Bootsfahrt in die Karsthöhlen

Zwei Tage später hatte sich die See soweit beruhigt, dass von Marinha aus wieder Ausflugsboote zu sehen waren. Ich zog also wieder meine Wanderstiefel an und machte mich erneut auf den Weg. Und was man dann von der Seeseite auf einer der Bootstouren zu sehen bekommt, ist atemberaubend. Die tollste Grotte ist die Kathedrale von Benagil. Sie hat zwei Einfahrten und ist innen hell, denn sie ist nichts anderes als ein Sinkhole. Mit anderen Worten, die Decke ist schon eingestürzt.

Kathedrale Benagil

Kathedrale Benagil

Jetzt kann ich mir vorstellen, was vor ein paar Jahren in Florida passierte, als eine Kreuzung mitsamt Autos im Boden verschwand. Ausgerechnet unter der Kreuzung lag seit Jahrtausenden eine solche Kavität, die Erosion ging unbemerkt weiter und eines Tages war die Decke dann zu schwach und stürzte ein.

Diese Kathedrale kann man spielend schwimmend erreichen, denn sie befindet sich gerade hinter der ersten Klippe des Strands von Benagil Richtung Marinha. Es sind keine 500 Meter zu schwimmen.

Daneben gibt es in der anderen Richtung, nämlich Richtung Carvoreio zahllose Höhlen, einige haben einen so niedrigen Eingang, dass man die Köpfe einziehen muss.

Kleiner Höhleneingang

Kleiner Höhleneingang

Höhle mit Deckenloch

Höhle mit Deckenloch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dahinter öffnen sich dann riesige, nur vom Eingang her erhellte Räume. Bei anderen sieht man am Ende der Grotte Lichtschein durch Löcher, also auch durch eingebrochene Deckenstücke.

Formenvielfalt

Teilweise formen die Felsen Figuren, die dann den Höhlen ihren Namen geben. So gibt es die Krokodilhöhle und den Elephantenfelsen. Zwischen den Klippen gibt es kleine Strandabschnitte, die entweder nur per Boot oder auf noch abenteuerliche Art zu erreichen sind. Der Strand von Corvalho z.B. ist nur durch einen Klippenspalt, der mit der Zeit zu einer veritablen unterirdischen Treppe ausgemeisselt wurde. Man kommt dann durch eine Tür auf Strandhöhe aus dem Felsen heraus.

Strand Carvalho

Strand Carvalho

Strand Carvalho Eingang

Strand Carvalho Eingang

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei den meisten Schnitten durch Gestein, wie bei diesen Absturzstellen oder auch bei Strassenbauten auffällt, sind die angehobenen Schichten, gebogen, schräg, so wie sich das Gelände durch Vulkanismus mit der Zeit gehoben oder gesenkt hat. Bei diesen Absturzstellen hier ist die absolut waagrechte Sedimentablagerung auffallend. Dass hier alles waagrecht geblieben ist bedeutet, dass die Erde über Jahrmillionen ruhig war. Dies obwohl es vor nur etwa 300 Jahren das Riesenerdbeben gab, das Lissabon der Erde gleich machte. Dabei ist Lissabon weniger als 300 Kilometer Luftlinie von hier entfernt.

Noch ein Küstenpfad

Ein weiterer Küstenpfad, der mich immer wieder anzieht, verläuft von Albufeira nach Vilamoura.

Dieser Küstenpfad ist viel zahmer im Charakter, da der Untergrund kein harter Kalkstein ist, sondern recht weicher Sandstein mit viel eingebettetem Geröll. Es gibt einen schönen Stellplatz fast in der Mitte der beiden Städte mit direktem Zugang zum Meer. Von ihm aus lässt sich barfuss am Strand an einem Morgen die Strecke vom Stellplatz nach Vilamoura (dieser Strandabschnitt heisst Roca Baixinha) und zurück und am Nachmittag, so man noch mag, die Strecke nach Albufeira (dieser Strandabschnitt heisst Praia da Falesia Alfamar) und zurück laufen.

Roca Baixinha

Roca Baixinha

Praia da Falesia Alfamar

Praia da Falesia Alfamar

Dabei sieht man phantastische Erosionsgebilde, richtige Mondlandschaften. Und künstliche Stege, um die Klippen für Badegäste der weiter weg liegenden Hotels überwindbar zu machen.

Erosion mit Wurzel

Erosion mit Wurzel

Roca Baixinha Steig

Roca Baixinha Steig

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Gleiche kann man dann nochmal tun, aber diesmal oben auf dem Küstenpfad. Dort wird sieht man die Erosion aus einem anderen Blickwinkel. Ungeheure Mengen an Sedimenten werden da hinunter gespült. Die Wurzel ist noch da, der Boden ist weg. Man sieht, wie jeder Wolkenbruch neue Gräben formt und die Sedimente ins Meer spült. Armes Portugal, es verliert jedes Jahr ca. einen Meter Land.

Küstenpfad Albufeira - Vilamoura

Küstenpfad Albufeira – Vilamoura

Weicher Sandstein ist das Paradies für Bienenfresser. Das erste Mal, dass ich Bienenfresser in freier Natur beobachtet habe. Sie bauen sich ihre Bruthöhlen in diesen weichen Sandstein. Ich habe sie erkannt an ihrem intensiv grünen Bauch. Sie fliegen fast wie Schwalben, nur etwas plumper und ihre Flügel sind auch nicht so elegant geformt wie Schwalbenflügel.

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