Das Kloster La Rabida


2017-04-25

Nächstes Ziel: Das Kloster La Rabida

Von dem schönen Stellplatz an der Roca Baixinha verabschiede ich mich, den mein Termin in Perpignan rückt näher und auf die Kapverden will ich ja auch noch für einen kurzen Abstecher. Das nächste grössere Ziel ist das Kloster La Rabida. Roca Baixinha hier ist wirklich schön, direkt hinter der Düne zum Atlantik gelegen. Und wenn man auswärts essen gehen will: ein Spaziergang barfuss den Strand entlang zum nächsten Strandrestaurant ist so was von angenehm.

Roca Baixinha hinter der Düne

Roca Baixinha hinter der Düne

Roca Baixinha Strand Richtung Vilamoura

Roca Baixinha Strand Richtung Vilamoura

Ich habe dort zwei deutsche Paare Permanenturlauber getroffen, sie waren schon seit Ende November dort. Sie erzählten mir, dass Anfang Dezember der Platz von der Polizei geräumt wurde, da irgendein Streit zwischen einzelnen Wohnmobilisten ausgebrochen und das bis zur Polizei durchgedrungen war. Herausfinden, um was der Streit sich dreht, war der Polizei zu mühsam, sie räumten einfach den Platz. Die zwei deutschen Paare konnten sich im Durcheinander der Kontrollen unbemerkt davon schleichen und kamen drei Tage später wieder zurück. Seither stehen sie dort unbehelligt.

Die Zusammensetzung der Wohnmobilisten ändert

Mir fällt auch auf, dass im Gegensatz zum Winter, wenn viele Deutsche und Franzosen hier im Süden unterwegs sind, man jetzt die Spanier und die Portugiesen die Stellplätze bevölkern. Und jetzt über Ostern war es besonders intensiv.

Das Kloster La Rabida muss noch warten

Mein allgemeines nächstes Ziel ist das Kloster la Rabida in der Nähe von Huelva. Dort hat Kolumbus nach vielen Absagen den Durchbruch errungen, seine Entdeckungsreise durchführen zu können und ich will mehr darüber erfahren. Aber ich nehme es gemütlich und schalte einen ganzen Tag auf der Ilha de Tavira ein. Ausgangspunkt ist ein grosser Parkplatz in Tavira, auf dem ich immer, wenn ich vorbeifuhr, Wohnmobile über Nacht stehen sah, obwohl er gemäss Strassenschild für Wohnmobile gesperrt ist. Dass ein trostloser Parkplatz auch gemütlich sein kann, wenn man sich die richtige Ecke aussucht, zeigt dieses Stilleben.

Abendesssen in Tavira

Abendesssen in Tavira

Vor meiner Haustüre in Tavira

Vor meiner Haustüre in Tavira

 

Ein Tag auf der Ilha de Tavira

Am nächsten Morgen auf zur Fahrt nach Ilha de Tavira. Ilha heisst Insel, eine kleine Fähre von Tavira aus bringt die Besucher dort hin. An der Anlegestelle ist die Insel dicht bebaut mit mietbaren Ferienhäuschen, Strandrestaurants und Verkaufsbuden für alles, was ein Strandurlauber so brauchen könnte. Entfernt man sich dann etwas, wird die Menschenmenge dünner, sehr viel dünner, man ist alleine auf weiter Flur und kann laufen bis zum Horizont. Der Horizont allerdings bleibt immer gleich weit von einem weg, egal, wie lange man läuft.

Ilha de Tavira, endloser Strand

Ilha de Tavira, endloser Strand

Mit dem Eindruck, dass Europa doch nicht so übervölkert ist und einem leichten Sonnenbrand reicher geht dieser wunderschöne Tag zu Ende und am nächsten Morgen mache ich mich auf zu meinem nächsten Lieblingsstellplatz, der Mole weit draussen in Vila Real.

Die Mole in den Atlantik in Vila Real

Ich bin schon gegen Mittag dort. Nach Osten sieht man über den Guadiana auf das spanische Ayamonte, im Süden rauscht der Atlantik mit vom Wind aufgepeitschten Wellen. Wenig Leute am Strand, der Wind ist sehr stark und das Sandstrahlgebläse ist eingeschaltet. Nach einer halben Stunde habe auch ich genug und kehre um. Am Abend ziehe ich mich in die windgeschütztere Stadt zurück, aus Angst, der Wind könnte meine Satelittenschüssel abbrechen. Denn auf den Fernsehabend will ich nicht verzichten. Am nächsten Morgen ist es nur ein Katzensprung über die Brücke über den Guadiana und ich bin in Spanien.

Sicht auf Ayamonte

Sicht auf Ayamonte

Grenze Portugal-Spanien

Grenze Portugal-Spanien

In Ayamonte noch schnell die inzwischen fast leeren Gasflaschen auffüllen mit dem dort sehr preiswerten Gas und gegen Mittag bin ich in Huelva.

Die Rua Glasgow in Huelva

Gemäss dem Hachette Guide sollte man sich dort unter anderem die Rua Glasgow anschauen. Dort habe die Minengesellschaft Rio Tinto für die Bergkumpels eine ganze Wohnsiedlung nach englischem Vorbild angelegt. Wenn ich das aber mit dem englischen Vorbild vergleiche, hat Rio Tinto eine Luxussiedlung erstellt. Eine breite Strasse, die Rua Glasgow, davon abgehend auf beide Seiten etwa 15 Sackgassen nach rechts und links alle gespickt mit zwar engstehenden, aber nicht, wie in England, zusammengebauten Häusern. Die Häuser selbst lassen sich auch nicht im entferntesten mit den tristen englischen Arbeiterhäusern vergleichen.

Rua Glasgow in Huelva

Rua Glasgow in Huelva

Ankunft beim Kloster La Rabida

Gegen frühen Nachmittag bin ich am Parkplatz des Klosters la Rabida in der Nähe des Örtchens Palos de la Frontera. Mit mir kommt auch ein schweizerisches Wohnmobil an. Wir stehen am verschlossenen Eingang und lesen, dass das Kloster la Rabida von 10.00 Uhr bis 13.00 Uhr geöffnet ist. Die Schweizer geben auf und verschwinden wieder, ich beschliesse, über Nacht zu bleiben und suche mir ein schattiges Übernachtungsplätzchen in dem hübschen Pinienwäldchen, das als Parkplatz für das Kloster dient. Dann schaue ich mir die Säule näher an, die zum 400. Jahrestag der Entdeckung Amerikas errichtet wurde. Weiter weg eine Prachtstrasse mit Huelva im Hintergrund, sie wurde zum 500. Jahrestag der Entdeckung Amerikas erstellt.

Schattiges Plätzchen beim Kloster La Rabida

Schattiges Plätzchen beim Kloster La Rabida

Schattiges Plätzchen beim Kloster La Rabida

Schattiges Plätzchen beim Kloster La Rabida

Kurz vor 16.00 Uhr kommt ein Volvo mit spanischen Kennzeichen angebraust und fragt mich, wo das Kloster sei. Ich zeige nach drüben und füge hinzu, es sei erst morgen ab 10.00 Uhr geöffnet. No, no, ab 4.00 pm (die Engländer haben immer noch nicht gelernt, 16:00 Uhr zu sagen, LOL) sei eine Führung. Ich wechsle schnell meine Campingklamotten in anständige Kleider und stapfe Richtung Kloster.

Kloster La Rabida

Kloster La Rabida

Tatsächlich, es öffnet sich die Türe eines Kassenhäuschens und ich bekomme für ganze €2.00 eine Eintrittskarte und einen elektronischen Führer quer durchs Kloster ausgehändigt. Das Kloster ist recht klein, es ist ein Franziskanerkloster, dementsprechend wird man als erstes von Franz von Assisi begrüsst. Dann gelangt man in einen Innenhof, das war offenbar der Innenhof, der für alle Besucher des Klosters zugänglich war. Erst zwei Türen weiter gibt es einen zweiten Innenhof im Mudejar-Stil, der nur den zwölf Mönchen zugänglich war.

Franz von Assisi

Franz von Assisi

Kreuzgang 1 Kloster La Rabida

Kreuzgang 1 Kloster La Rabida

Kreuzgang 1 Kloster La Rabida

Kreuzgang 1 Kloster La Rabida

Das Kloster nahm Leute, die an seine Türe und um Herberge baten, auf jeden Fall auf. Aber warum kam Kolumbus hierher? Kolumbus war vermutlich ein Genueser (ja, genau weiss man es nicht, naja, gemäss der spanischen Darstellung. Ich vermute, in Genua klingt das ganz anders, LOL) und war auf seinen Reisen bis nach Madeira gekommen. Er hatte eine Portugiesin geheiratet und muss auf Madeira viel mit Seeleuten zusammen gekommen sein. Die waren auf ihren Fischzügen nicht nur weit gegen Osten in mehr oder weniger bekanntem Gebiet unterwegs, sondern auch weit nach Westen. Es kann sogar sein, dass einzelne bis nach Amerika vorgestossen waren, denn es wurde von Land im Westen gemunkelt. Die Seeleute führten wie heute Logbücher und zeichneten ihre Beobachtungen über Windrichtungen und Strömungen auf. Wenn sie in Geldnot waren, versetzten sie ihre Aufzeichnungen und Kolumbus kaufte sich viele solche Unterlagen, die nicht mehr ausgelöst wurden. Er muss auch Geograph gewesen sein und astromische Kenntnisse gehabt haben. Auf jeden Fall wuchs in ihm die Überzeugung, dass er auch nach Indien gelangen würde, wenn er nach Westen statt nach Osten aufbräche.

Kolumbus’ Misserfolge

Er machte sich auf und unterbreitete seine Idee dem portugiesischen König. Der jedoch liess sich nicht überzeugen, das Geld für eine solche ungewisse Expedition frei zu machen. Niedergedrückt versuchte er anschliessend, den spanischen König von seiner Idee zu überzeugen, nur um erneut eine Absage zu bekommen. In diesem Stadium der Niedergeschlagenheit klopfte er an die Pforten des Klosters de la Rabida. Aber nicht nur, um Zuflucht zu suchen, sondern auch, weil er gehört hatte, dass in diesem Kloster ein bekannter Mathematiker und Geograph als Mönch zu Hause war.

Zufall oder Gottes Fügung??

Der Zufall wollte es ausserdem, dass der Prior des Klosters früher der Schatzmeister der Reyos Catholicos war und also ihre Denkweise sehr gut kannte. Kolumbus konnte den Geograph und dieser den Prior von seinen Ideen überzeugen und gemeinsam erarbeiteten sie eine Art “Business Plan”, den der Prior, nicht Kolumbus, den Reyos Catholicos vortrug. Das Budget wurde genehmigt.

Die ganzen Gespräche fanden in diesem Sitzungssaal des Klosters statt und oft vermutlich auch während des Essens im Speisesaal. Es ist ein eigentümliches Gefühl, die genau gleichen Räume zu betreten, in denen die Mönche, der Prior und Kolumbus zusammen sassen und ihre Gespräche führten. Geschichte wird ergreifend lebendig und greifbar.

Sitzungssaal Kloster La Rabida

Sitzungssaal Kloster La Rabida

Speisesaal Kloster La Rabida

Speisesaal Kloster La Rabida

 

 

 

 

 

 

 

 

Es folgten Verhandlungen mit den Reyes Catolicos über die Organisation. Kolumbus verlangte den Status eines Admirals mit peinlich genauer Beschreibung seiner Kompetenzen. Er verlangte, gleichgestellt zu werden mit dem inzwischen verstorbenen Lord Admiral von Kastilien, Don Alfonso Enriquez, d.h. die Gerichtsbarkeit und weitere herrschaftliche Rechte in den zu entdeckenden Gebieten sollten voll bei ihm liegen. Dazu würden ihm 10% aller Reichtümer, die er entdecken würde (und dann wurde peinlich genau aufgeführt, um welche Reichtümer es sich handeln könnte wie Perlen, Gold, Edelsteine, Gewürze) gehören, der Rest ginge an den spanischen König. Kopien dieser Originalverträge hängen im Kloster gerahmt and der Wand mit den Unterschriften und den Siegeln der beteiligten Personen.

Palos de la Frontera ist der Starthafen

Anschliessend ging es an die Vorbereitung der Reise. Die Schiffe wurden unter der Leitung von zwei Kapitänen, die beide aus dem Nachbardorf Palos de la Frontera stammten und dort auch verewigt sind, für den speziellen Zweck umgerüstet und vorbereitet. Die Santa Maria war ein schweres und bauchiges, schlecht manövrierbares Schiff. Dafür war sie seetauglicher als die beiden Karavellen Niña und Pinta, die kleiner und schlanker, aber wesentlich manövrierbarer waren.

Von Palos de la Frontera ging also die Reise los, zuerst mal nach Madeira, wo der Proviant aufgefrischt wurde. Die Schiffe waren Nussschalen, unter Deck war der Proviant gestapelt, auf Deck wurden Ziege und Schafe mitgeführt. Die Matrosen schliefen nachts irgendwo an Deck unter offenem Himmel, Kolumbus und die zwei Kapitäne hatten unter dem vorderen, offenen Deck, in dem Tauwerk und ähnliches Werkzeug gestapelt war, eine in die Bordwand eingelassene, offene Schlafnische.

Santa Maria 1

Santa Maria 1

Santa Maria

Santa Maria

Tolle seemännische Leistung

Man segelte mit dem Passat und segelte und segelte und es kam kein Land in Sicht. Die Verpflegung wurde rationiert, die Ziegen und Schafe waren längst aufgegessen. Das Wasser wurde schlecht, obwohl es mit dem alten römischen Trick, mit Silbermünzen, behandelt worden war. Die Stimmung wurde unter den Matrosen immer schlechter. Man erzählt, dass sie nur noch nachts assen, damit sie die Maden im Fleisch und in den Hartwürsten nicht sahen. Grünzeug und Gemüse war längst ausgegangen, das einzige Vitamin C war in dem wenigen Knoblauch in den Hartwürsten enthalten. Es kam zu einer Meuterei. Die beiden Kapitäne rieten Kolumbus, ein Exempel zu statuieren, indem er zwei Männer hinrichten liesse. Kolumbus beliess es bei einem Aufruf, an die grosse Sache und die Reichtümer zu glauben, die sie vorfinden würden und hatte Erfolg. Und eines Tages kam aus dem Krähennest der lang ersehnte Ruf “Land in Sicht”. Den Rest kennen wir. Ausser, dass die Santa Maria dank ihrer schlechten Manövrierbarkeit auf Klippen zerschellte und als Baumaterial für die erste Siedlung diente. Mit der Pinta und der Niña kehrten schliesslich alle wohlbehalten wieder zurück.

Warum Kolumbus im deutschen Sprachgebrauch Kolumbus heisst, habe ich nicht herausgefunden. Die Frage drängt sich auf, weil er in den spanischen Dokumenten immer “Colon” heisst.

 

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