Der riesige Nationalpark Doñana östlich von Huelva


Der Doñana Nationalpark ist einer der grössten in Europa

2017-04-22 Mein nächstes Ziel ist einer der grössten Nationalparks Europas, der Doñana, der von etwa 30 km östlich von Huelva ein Riesengebiet von fast 51 Hektaren bis nach Sanlucar de Barrameda umfasst. Der Doñana umfasst ein Gebiet aus Strand und Wanderdünen längs der Küste, weiter innen gegen den Guadalquivir Süsswasser-Marschland und gegen das Landesinnere bewaldete Flächen. Von dieser Vielfalt her ist der Doñana ein ideales Gebiet für eine breitgefächerte Fauna, der neben vielen Vogelarten auch Schwarz- und Rotwild als auch ganze Herden Damhirsche umfasst.

Das Wetter ändert sich. Der ununterbrochene Sonnenschein seit Portugal macht jetzt einem grauen Himmel Platz. Er hellt sich zwar nachmittags auf und lässt etwas Sonne durch. Auch die Temperatur ist auf ca. 20° Celsius gefallen. Auf dem Weg vom Kloster La Rabida weg Richtung Matalascañas (von wo man dann zum Doñana Nationalparkeingang abzweigt) ziehen sich erst endlose Erdbeer-Plantagen unter Plastik der Strasse entlang.

Erdbeerplantagen

Erdbeerplantagen

 

 

Man fährt kilometerlang am Doñana entlang

Dann wechselt die Landschaft in Pinienwälder entlang der endlos geradeauslaufenden Küstenstrasse. Hier müssten doch die schönsten Stellplätze sein, wo man ein paar ruhige Tage Strand und Pinienwald geniessen könnte? Aber wo es eine der seltenen Einfahrten gibt, stehen Parkwächter und wollen Tickets verkaufen. Näher Richtung Matalascañas gibt es dann keine Einfahrten mehr, rechts und links der Strasse läuft ein kilometerlanger Drahtzaun. Vermutlich ist das schon der Nationalpark. Und dann stehe ich davor.

Nationalparkschild

Nationalparkschild

Besucherzentrum Doñana

Besucherzentrum Doñana

Es gibt zwei mit Holzbohlen belegte Fusspfade von etwa 5 km Länge mit in regelmässigen Abständen aufgebauten Beobachtungshütten.

Pfade mit Beobachtungshütten

Pfade mit Beobachtungshütten

Entlang den Hütten verlaufen Sichtzäune, damit die Tiere die nahenden Besucher nicht sehen. Die Pfade darf man nicht verlassen. In den Hütten darf man nur flüstern. In den Wänden in Richtung Park sind Sehschlitze eingebaut, davor Sitzgelegenheiten. Ich sehe viele Leute mit auffallend langen Brennweiten an ihren Photoapparaten oder Fernrohren, alle mit Stativen ausgerüstet.

Pfad durch den Park Doñana

Pfad durch den Park Doñana

Beobachtungshütte

Beobachtungshütte

Es werden auch ca. 4-stündige Rundfahrten auf einer genau vorgeschriebenen Strecke angeboten. Das Wild gewöhnt sich daran, wenn auf der immer gleichen Strecke Fahrzeug auftauchen. Ich will eine solche Fahrt für morgen früh buchen. Aussichtslos. Die wenigen Spezial-Fahrzeuge (es sind Unimogs) sind ausgebucht. Man sollte drei bis vier Tage vorher telefonisch buchen. Aber am Montag Morgen sei noch ein Platz frei. Gut, dann werde ich hier zweimal übernachten und inzwischen die zwei Fusspfade bewandern.

Im Doñana darf man nicht übernachten

Aber am Abend kann ich nicht auf dem schönen Parkplatz bleiben, wird mir beschieden. Schade, denn er ist wirklich schön mit weiter Picknickfläche, auf der Urlaubsstimmung herrscht.

 

Aber nachts wird der Park geschlossen und niemand darf sich darin aufhalten. Direkt vor dem Tor darf ich übernachten.

Auf den Pfaden wird zusätzlich zu den Tierbeobachtungshütten noch etwas Geschichte erklärt. Man sieht eine Maschine zum Entkernen von Pinienkernen und einen Destillationsapparat für Eukalyptusöl. Der Park wurde erst 1969 errichtet, vorher war er Jagdgebiet und wurde auch dünn bewohnt. Ackerbau oder Viehzucht ermöglichte der Boden nicht, so waren die wirtschaftlichen Tätigkeiten Sammeln von Pinienkernen, Holzköhlerei, Fischerei, Honigproduktion und Ähnliches.

Pinienentkernmaschine

Pinienentkernmaschine

Destillation Eukalyptus

Destillation Eukalyptus

Das letzte Dorf im Doñana

Ein Stück weiter stehen ein paar Hütten, daneben noch Holzstösse, aus denen Holzkohle werden sollte. Dieses Dorf wurde 1986 verlassen. Nur ein Fischer harrt noch aus. Am Strand steht seine Hütte mit eigenem Solarstrom und stolzer spanischer Flagge. Sie steht nur etwa 300 m weg vom Meer, aber sie hat einen Brunnen, der reines Süsswasser liefert. Der Süsswasserdruck von Land ist grösser als der Druck des Meerwassers.

Dorf verlassen 1986

Dorf verlassen 1986

Fischerhütte mit Süsswasserbrunnen

Fischerhütte mit Süsswasserbrunnen

Es geht los zu einer Schüttelfahrt

Am Montag früh um 08.00 muss man sich zur Rundfahrt einfinden, es gibt eine Verhaltensinstruktion, eine kurze Erklärung der Geschichte des Nationalparks und dann wird der Unimog-Bus bestiegen. Es geht raus aus dem Park auf die normale Strasse Richtung Küste und dann runter an den Strand. Diesem Strand wird 34 Kilometer gefolgt bis fast an die Mündung des Guadalquivir. Dabei fährt der Fahrer immer nahe am Wasser, denn dort ist der Sand hart und eben.

Besteigen des Fahrzeugs

Besteigen des Fahrzeugs

34 km Strand entlang

34 km Strand entlang

Dann geht es Richtung Norden auf einer Sandpiste, immer dem Guadalquivir entlang, auf der anderen Seite des Flusses Sanlucar de Barrameda, von wo aus Kolumbus seine dritte Amerikareise antrat.

Sandpiste

Sandpiste

Sanlucar de Barrameda

Sanlucar de Barrameda

Wenn man glaubt, man sieht reihenweise Tiere wie in einem Tierpark, dann ist man enttäuscht. Die Tiere leben in freier Wildbahn und sind scheu. Man sieht manchmal einen Schatten sich im Gebüsch verstecken, das ein Rothirsch gewesen sein könnte. Aus dem fahrenden Auto heraus auf diese Distanz Bilder zu schiessen, ist fast unmöglich. Und doch gelang es mir einmal mit der stärksten Teleobjektiveinstellung ein Wildschwein zu erwischen, bevor es im Gebüsch verschwand.

Wildschwein

Wildschwein

Die Vögel sind da viel zutraulicher, obwohl auch sie nur mit starkem Tele einigermassen gut sichtbar werden. Der Naturpark umfasst ein riesiges Süsswassermarschland, das Rastplatz für viele Vögel ist, die von Norden nach Süden und dann wieder zurück fliegen. Dieses Marschland ist nur zu den Vogelwanderungen mit Regenwasser überflutet, im Sommer trocknet es völlig aus. Ganz am Horizont auf dem folgenden Bild sah man mit einem starken Fernglas riesige Mengen Flamingos. Offenbar gibt es trotz Süsswasser auch hier Krebstiere.

Süsswasser, im Sommer ausgetrocknet

Süsswasser, im Sommer ausgetrocknet

Der Führer zeigte uns kleine Strandläufer von vielleicht grad mal 12 Gramm Gewicht, die auf jeder Strecke 4000 km fliegen. Er behauptete, dass sie im Flug mit einer Gehirnhälfte schlafen können. Heute ist es fast windstill, was Bilder wie die folgenden ermöglichte:

Doñana Marschbewohner

Doñana Marschbewohner

Marschbewohner

Marschbewohner

Marschbewohner

Marschbewohner

Die Doñana Wanderdünen bedecken alles

Der Park umfasst auch Wanderdünen, die sich mit etwa 1,6 Metern pro Jahr vorwärts bewegen und fast alles verschlingen, das sich ihnen in den Weg stellt. Ganze Pinienwälder sind den Tode geweiht. Auf der Luvseite steigt die Düne sanft an, auf der Leeseite rieselt der Sand nach unten, dehalb ist die Leeseite sehr steil. Das folgende Bild ist von der Leeseite der Düne aufgenommen.

Wanderdüne, Wald zum Tode verurteilt

Wanderdüne, Wald zum Tode verurteilt

Eine Ausnahme ist der Juniperus. Der Juniperus ist in der Lage zu wandern, indem er neue Wurzeln auf der Seite austreibt, die ihn zudeckt. Man sieht effektiv auf den obersten Stellen der Wanderdünen einzelne Juniperussträucher.

Der Unimog hatte recht grosse Schwierigkeiten, die Düne hochzukommen, der Sand rutschte immer wieder weg. Der Fahrer rollte dann wieder rückwärts die Düne runter und nahm erneut Anlauf. Nach vier Versuchen waren wir oben, stapften auf den Scheitelpunkt der Düne und hatten einen unglaublichen Rundblick.

Der Weg zurück führte wieder zum Strand und auf diesem Strand dann die 34 Strand-Kilometer zurück zur Hauptstrasse.

Leave a comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *