Jerez, seine Bodegas und der “Sherry”


Weil die Engländer Jerez nicht aussprechen können, sagen sie “Sherry”

Nächstes Ziel ist Jerez, ich will mir mal die Sherry-Bodegas anschauen, dieser üppige Wein, der durch die Engländer bekannt wurde. Jerez liegt fast auf der anderen Seite des Doñana, Luftlinie wären das nur etwa 45 Kilometer. Aber durch das Naturschutzgebiet gibt es keine Strasse. Man muss nach Norden bis nach Sevilla und dann zurück nach Südosten bis fast an die Küste. Jerez liegt dann ca. 30 Kilometer vor Cadiz. Es ist Ende April und der Oleander blüht schon an der Autobahn nach Jerez.

Oleander blüht schon

Oleander blüht schon

An Sevilla fahre ich vorbei, das habe ich ja schon mehrmals beschrieben, das letzte Mal besuchte ich die Feria de Abril, dieses wunderschöne Spektakel, bei dem die Damen eine Woche lang ihre spanischen Kleider im Damensitz auf den Pferden hinter einem Caballero präsentieren. Nur die imposante Brücke über den Guadalquivir, durch den auch Hochseeschiffe problemlos fahren, nehme ich während des Fahrens auf.

Brücke über Guadalquivir

Brücke über Guadalquivir

Und dann bin ich in Jerez. Ich dachte es gibt vier oder fünf dieser Weinkeller (Bodegas) wie Tio Pepe, Fundador, Osborne usw. Aber fast an jeder grösseren Strassenkreuzung stehen Wegweiser zu immer mehr Bodegas, deren Namen ich noch nie gehört habe. Im Navi habe ich eine der bekannten eingestellt, aber die liegt offensichtlich mitten in der alten maurischen Stadt mit so engen Gässchen, dass ich mit meinem Gefährt aufgeben muss. Und irgendwo in der Nähe einen Parkplatz finden und zu Fuss ist aussichtslos.

Bodega Tradicion

Bodega Tradicion

Jerez Altstadt

Jerez Altstadt

Schliesslich erfahre ich, dass eine der ganz grossen, die Gonzalez-Byass als junge Bodega sich seinerzeit auf dem freien Feld vor Jerez etablierte. Inzwischen ist die Bodega zwar von der expandierenden Stadt umschlossen ist, aber die Strassen sind doch breiter und es gibt dort noch Parkmöglichkeiten.

Der Besuch eines “Weinkellers” in Jerez ist ein immenser Touristenanlass. Man kann nicht einfach reingehen, man muss eine der vielen Führungen abwarten in der gewünschten Sprache. Und gratis ist die Führung auch nicht, es werden zwischen €18.00 und €35.00 verlangt, je nach Bodega und je nachdem, wieviele Sorten Jerez man verkosten möchte.

Zuerst wird man mal in ein Bähnchen verfrachtet, mit dem man durch den grosszügigen exotischen Garten mit pompösem Springbrunnen und anschliessend in einen Riesensaal geführt wird, wie eine Muschel. Dort ist je Land, in das exportiert wird, je ein Fass aufgestapelt mit der entsprechenden Landesflagge markiert.

Bähnchen durch Gelände

Bähnchen durch Gelände

Prachtmuschel

Prachtmuschel

Es folgt eine kurze Geschichte der Firma und die stolze Bemerkung, dass diese Halle von Gustave Eiffel konstruiert wurde. Dann werden die Besucher gefragt, woher sie kommen und dann erneut mit Stolz jeweils das Fass gezeigt mit der Flagge des entsprechenden Landes.

Jerez darf sich nur Wein nennen, der in der Gegend zwischen Sanlucar de Barrameda und dem Rio Guadalete in den Gebieten Carrascal, Macharnudo und Burujena angebaut wird. Es sind ausschliesslich weisse Trauben.

Die Jerez Weingebiete

Die Jerez Weingebiete

Aus ihnen werden im Wesentlichen fünf verschiedene Weine erstellt, einen extrem trockenen Weisswein mit etwa 6% Alkoholgehalt. Den anderen vier Weinen werden in unterschiedlichen Stadien der Gärung Alkohol zugesetzt und damit die Gärung unterbrochen. Dies erklärt den hohen Alkoholgehalt und trotzdem viel Süsse, die so weit geht, dass einer der Weine sich trinkt wie ein Likör mit 18% Alkoholgehalt. Vor allem die Engländer lieben dies. Anytime is Sherry-Time, ist ja dort ein geflügeltes Wort, während es bei Whiskey heisst: never before six o’clock.

Die Fässer lagern nicht in Kellern, darum habe ich oben den Weinkeller in Anführungszeichen gesetzt. Sie lagern in grossen Hallen ebenerdig in vier Lagen. Die Hallen sind so gebaut, dass die Temperatur sich zwar der Aussentemperatur anpasst, aber sehr gedämpft und langsam. Ausserdem ist der Boden mit dem gleichen, viel Flüssigkeit aufnehmenden Sand wie in den Stierkampfarenen gefüllt, der zweimal täglich gewässert wird. Das erhöht die Luftfeuchtigkeit, dämpft Temperaturextreme und schafft ein excellentes Mikroklima, wie der Führer erklärt.

Der Weinkeller

Der Weinkeller

Es wurde uns nur ein ganz kleiner Teil der Weinkeller gezeigt, der pittoreske, antike Teil der Bodega. In einem Film aus dem Vortrag blitzte ganz kurz eine Szene auf, in der riesige Edelstahltanks zu sehen waren. Und auf dem Gelände sah man Hallen, die die Hallen, durch die wir geführt wurden, um ein Vielfaches an Grösse und Höhe übertrafen. Vermutlich würde eine Führung durch die Hallen, in der die echte Produktion stattfindet, die Romantik zerstören.

Übrigens ist Croft eine Weinsorte, die ausschliesslich nach England geliefert wird. Die anderen Fässer enthalten Gonzalez-Byass, die Grundlage aller Weinsorten. Eine weitere erstaunliche Technik wird erklärt: die Fässer enthalten je Lage unterschiedliche Jahrgänge. Es wird aus dem untersten Fass Wein eine geringe Menge entnommen und in das oberste Fass gefüllt. Das wiederholt sich von Lage zu Lage. Höchst interessant zu sehen, wie hier Techniken praktiziert werden, die einem deutschen Kellermeister vermutlich physische Schmerzen bereiten würden.

Es gibt einen Prunkweinkeller, in dem Fässer gestapelt sind, die von Honoratioren der ganzen Welt signiert sind. Der Herzog von Edinborough, Liz Taylor und weitere Namen der Haute Voleé ziehen sich in endloser Reihe durch den “Weinkeller”.

Zierfässer mit Prominentenunterschriften

Zierfässer mit Prominentenunterschriften

Die Fässer werden übrigens aus amerikanischer Eiche hergestellt und dann etwa 20 bis 40 Jahre benutzt. Es gibt fünf Küfereien in Jerez, die für die vershiedenen Bodegas arbeiten. Ein neues Fass kostet ca. €400.–. Nach 20 bis 40 Jahren wird es dann an schottische Whikeyfirmen verkauft zum Preis von ca. €700.00. Neben dem Jerez ein gutes Geschäft.

Die Produktion des Jerez scheint ein äusserst lukratives Geschäft zu sein. Man sieht es überall, es wird investiert und es herrscht Luxus und die Leute strahlen Zuversicht und Selbstvertrauen aus.

Die Führung dauert etwa drei Stunden und endet vorläufig in der Degustationsstube, in der man den Wein vorgesetzt bekommt, den man mit dem Eintrittsticket gewählt hat. Anschliessend geht es wie in Autobahnrestaurants noch durch den Verkaufsraum, in dem man sich mit Wein oder Destillat eindecken kann.

Anschliessend verbringe ich noch zwei Stunden im Alcazar von Jerez. Es ist einer der besterhaltenen in Spanien. Nicht so spektakulär wie die Alhambra, dafür sieht man hier viel besser hinter die Kulissen. Die Wasserversorgung sowie das Abwasserwesen hat mir sehr imponiert. Eine Zisterne und eine Wasserhebeeinrichtung für die Versorgung der Bäder ist fast vollständig erhalten.

Alcazar Zisterne

Alcazar Zisterne

Alcazar Jerez Wasserrad

Alcazar Jerez Wasserrad

Die arabischen Bäder, die Hammams, folgen der Tradition der Römer. Es gibt ein Frigidarium, ein Tepidarium und ein Caldarium. Allerdings wurden die Riten etwas verändert, es ging nicht nur um Hygiene und geselliges Beisammensein, sondern es kamen rituelle Waschungen hinzu. Die Araber waren uns zu dieser Zeit in Bezug auf Wissenschaft, Gelehrsamkeit und Lebenskunst weit voraus. Das merkten die Christen, als sie im Zuge der Reconquista Toledo eroberten und staunend feststellten, welch ungeheures Wissen dort in Bibliotheken vorhanden war. Glücklicherweise waren damals keine indoktrinierten Fanatiker am Werk, sondern Leute, die den Schatz erkannten und sofort dafür sorgten, dass diese Werke in Latein übersetzt und den damals aufblühenden Universitäten zugeführt wurden.

Es ist erschütternd zu sehen, wie die heutigen Imane (mangels Wissens oder aus Machtgier?) heute jede Wissenschaft als westliches Teufelswerk verdammen angesichts der Tatsache, dass genau diese Leute dem christlichen Europa um 1100 einen Quantenschub an Weiterentwicklung schenkten. Die Araber dagegen fielen weit hinter das Mittelalter zurück.

Ich habe in Jerez kurz entschlossen einen Flug ab Malaga nach Capo Verde gebucht. Ich muss ungefähr eine Woche noch in meinen Zeitplan reinzwängen, deshalb verzichte ich auf einen Besuch der spanischen Reitschule und mache mich auf Richtung Malaga. Aber nicht den kürzesten Weg, ich fahre über Cadiz und bewundere die noch atemberaubendere Brücke vor Cadiz über den Guadalete.

Cadiz Brücke über den Guadalete

Cadiz Brücke über den Guadalete

Cadiz Brücke über den Guadalete

Cadiz Brücke über den Guadalete

Ich mache eine kleine Stadtrundfahrt und fahre dann der Strandpromenade entlang in Richtung Osten. Das Navi will nicht so, wie ich will, aber schliesslich fügt es sich und führt mich auf holprigen Nebensträsschen immer der Küste entlang. Entschädigt werde ich durch Bilder, die mich entzücken.

Ist das Lavendel?

Ist das Lavendel?

Bei Cabo Roche, es ist Zeit, einen Platz für die Nacht zu finden, werde ich fündig, es biegt ein Feldweg rechts Richtung Meer ein und das ist es. Ein toller Platz auf einer erhobenen Plattform über dem Felsen. Nur zwei andere, weit verstreut stehende Wohnmobilisten haben sich auf diesem Platz bisher eingefunden.

Cabo Roche Stellplatz

Cabo Roche Stellplatz

Cabo Roche zum Strand

Cabo Roche zum Strand

Es wird eine ruhige Nacht. Morgen will ich weiter Richtung Tarifa und Algeciras.

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