Die Armut auf den Kapverden


Kurzausflug auf die Kapverden

2017-05-09 Ich bin auf den Kapverden auf dem Flughafen von Praia auf der Insel Santiago für meinen Flug zurück nach Lissabon, dann Malaga. Ich nutze die Wartezeit und das Flughafen WiFi, um diesen Bericht abzusetzen. Für den letzten Bericht hatte ich ja auch das WiFi des Lissabonner Flughafens benutzt, auf dem ich drei Stunden Wartezeit hatte.

Vor einer Woche kam ich also auf den Kapverden an, portugiesisch Cabo Verde. Als die Portugiesen diesen Archipel vor etwa 700 Jahren entdeckten, haben sie vermutlich zuerst Santiago gesehen, eine üppig grüne Insel. Sonst hätten sie den Archipel nicht “Grünes Kap” genannt. Denn was man heute beim Anflug auf die Kapverden sieht, sind 15 Vulkaninseln, davon nur 9 bewohnt und auf allen ausser Santiago ist es überwiegend gelb, nicht grün.

Der Sand stammt nicht nur von der Erosion der Kapverden, sondern auch aus der Sahara. Er wird tonnenweise mit Höhenwinden hierher gebracht wird. Dakar ist nur 450 km entfernt! Die Kapverden sind vulkanischen Ursprungs. Die Erde lebt immer noch. 1995 erfolgte der letzte Ausbruch des Vulkans auf Fogo und verursachte grosse Schäden.

Die Armut auf den Kapverden ist enorm.

Mindelo auf den Kapverden

Mindelo auf den Kapverden

Das sieht man nicht auf den ersten Blick in den zwei grossen Städten Praia und Mindelo, in denen fast die Hälfte der Kapverder leben. Wenn man aber etwas abseits geht, springt einen die Armut direkt an. Trotzdem sind die Leute nicht etwa verbittert, sie sind sehr kontaktfreudig und gastfreundlich.

Schulpflicht, aber nicht alle Kinder gehen zur Schule

Aber es gibt Familien, die ihre Kinder aus Geldmangel nicht einmal in die Schule schicken können. Nicht etwa, weil die Schule kostet. Es gilt generelle Schulpflicht und die Schule ist gratis. Aber der Schulweg und die Ausrüstung (Kleider, Bücher, Schreibutensilien) kostet. Und wenn das auch nur wenige Euros sind: wenn die nicht da sind, hilft alles nichts. Luxus wie Hartz IV oder Ähnliches gibt es nicht. Naja, gabs in Deutschland vor 50 Jahren auch nicht. Ein Kugelschreiber und ein Schreibheft als Geschenk löst immense Dankbarkeit bei solchen Leuten aus. Viele Leute sind so arm, dass sie nicht einmal ein Bankkonto haben, geschweige denn wissen, für was man das benutzt und wie man damit umgeht.

Etwas Geld versuchen die Leute, zu verdienen. Aber mangels Industrie und Ausbildung bleibt nur, Selbstangebautes feil zu bieten. Viel ergibt das nicht. Die Kunden haben eben auch nicht viel Geld. Auch ist die Konkurrenz so gross.

Schülerinnen

Schülerinnen

Markt

Markt

 

Die Nachkommen der Sklaven sind braun

Dabei sind die Menschen bemerkenswert hübsch. Die Kapverden waren ein grosser Umschlagsplatz des Sklavenhandels. Bei den Afrikanern ist Polygamie etwas ganz Selbstverständliches. Mehrere Frauen zu haben bedeutet sogar Reichtum. Den portugiesischen weissen Herren gefiel die Vielweiberei auch ganz gut und so kommt es, dass die Kapverder braun und nicht schwarz sind.

Hübsches Gesicht

Hübsches Gesicht

Brauner Mann

Brauner Mann

Ältere Frau

Ältere Frau

Es soll sogar braunhäutige Menschen mit blondem Haar und blauen Augen geben, obwohl das nach der Mendelschen Vererbungslehre gar nicht möglich ist.

Bruder und Schwester aus guter Ehe

Bruder und Schwester aus guter Ehe

Die Vielweiberei hat auch eine tragische Seite: wenn es dem Mann nicht mehr gefällt, verschwindet er einfach und lässt seine Frau mit den Kindern alleine. Meist geschieht dies unter dem Deckmantel der Emigration, um in der Ferne Geld zu verdienen. Aber oft kommt kein Geld und der Mann auch nicht mehr. Das ist nicht etwa die Ausnahme, sondern auf den Kapverden fast die Regel. Nun, das ist etwas übertrieben, es gibt Ehen, die halten und Vorbildfunktion haben. Aber genauso gibt es viele Frauen, die in bitterer Armut versuchen, ihre Kinder alleine gross zu ziehen. Ist dies der Grund, warum auf den Kapverden die Kinder den Namen der Mutter und nicht den des Vaters bekommen?

Wenn man solche Bilder extremer Armut sieht, schämt man sich als Europäer. Auch der Ärmste unter uns lebt immer noch in einem grandiosen Luxus verglichen mit dem Leben, das diese Leute führen.

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