Der Caminito del Rey nahe Malaga


Vorbildlicher Service am Flughafen Malaga

Der Service in Malaga ist vorbildlich. Ich hatte mein Auto einem der vielen hier tätigen Parkdienste überlassen, der es auf einem bewachten Platz abstellte. Die Leute kommen tatsächlich beim Abflug zum Malaga-Flughafen und holen es ab. Man muss ihnen angeben, welcher Rückflug nach Malaga geplant ist. Sie überwachen dann, ob der Flug pünktlich ankommt oder ob er Verspätung hat und bringen das Auto präzise bei der Landung wieder an den Flughafen. Komfortabler gehts nicht. Und die Kosten sind verglichen z.B. mit Frankfurt minimal.

Die Landung in Malaga erfolgte am späten Nachmittag, gross unternehmen will ich heute nichts mehr. Der Angestellte, der mir mein WoMo brachte, rät mir, am Stadtrand von Malaga, am Ende der Avenida de Simon Bolivar in einer der Seitenstrassen zu suchen, dort finde man immer einen Parkplatz. Einfach zum Übernachten. Und so war es auch, sogar grün auf der einen Seite, alles perfekt. Ich bin am nächsten Tag noch zur Hauptpost in der Stadtmitte gelaufen, um ein Paket abzuholen, das ich “Poste Restante Malaga” senden liess. Ich brauchte nur etwa 35 Minuten zu Fuss.

Malaga habe ich schon oft und ausgiebig besucht, ich will Neues sehen.

Der Caminito del Rey, dieser spektakuläre Weg in einer atemberaubenden Schlucht ist also mein nächstes Ziel. Die Wände der Schlucht sind bis zu 180 m hoch und haben an mehreren Stellen nicht mehr als 10 m Abstand. Auf der anderen Seite des Bergzugs liegt auf höherer Ebene eine grosse, fruchtbare Ebene. Sie wird durch diese Schlucht entwässert und speist die drei Flüsse, die durch Malaga fliessen: der Guadalhorce, der Guadalteba und der Turón. Bei heftigen Regenfällen wurden die Hochebene hinter dem Bergzug regelmässig mit grossen Schäden überschwemmt. Und zudem stürmte aus der Schlucht auf der anderen Seite des Berzugs eine enorme Wassermenge, die auch die Ebene vor Malaga regelmässig überschwemmte.

Grosse Bauarbeiten im 19. Jahrhundert

Staudämme auf beiden Seiten haben dieses Problem unter Kontrolle gebracht. Im letzten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts wurde die Eisenbahntrasse Cordoba – Malaga gebaut. Die Trasse musste genau diesen Bergzug bezwingen, durch den auch das Wasser vor Jahrmillionen seinen Weg gefunden hatte. Normale Schienenfahrzeuge können keine beliebigen Steigungen bezwingen. So war man gezwungen, sich mitten durch den Bergzug zu kämpfen, mit abenteuerlichen Viadukten und anschliessenden Tunneln. Auf dem Weg zum Caminito del Rey sieht man mehrere dieser Kunstbauten.

Staudamm El Chorro

Staudamm El Chorro

Bahn el Chorro

Bahn el Chorro

Aber auch die Eisenbahntrasse war nicht, wie man meinen könnte, der Anlass, den Caminito del Rey zu bauen, sondern die Nutzung der Kraft des Wassers, das durch die diese Schlucht stömte. Die Wasserkraftgesellschaft El Chorro, die das gesamte Gelände erworben hatte, zwang das Wasser in einen Kanal oder eine Röhre und benötigte Zugang zu den Installationen weit hinten in der Schlucht, um Material hinzuschaffen und auch die notwendige Wartung der dortigen Anlagen vorzunehmen.

1901 wurde mit dem Bau dieses Steges begonnen. Er wurde buchstäblich an die Felswand geheftet. 1905 war der Steg beendet und die Bauarbeiten des eigentlichen Kraftwerks konnten beginnen. 1921 wurde es offiziell von König Alfonso XIII eröffnet. Er musste zu diesem Zweck diesen schmalen Steg zwischen Himmel und Erde bis zum Hautpwerk ca. drei Kilometer gehen. Seither heisst dieser Steg Caminito del Rey.

Der Verfall und die Wiedergeburt des Stegs

Moderne Einrichtungen machten es unnötig, zur Wartung zum Hauptwerk zu gelangen. Der Pfad wurde vernachlässigt und verfiel. Das zog viele Abenteurer an und es gab zahlreiche tödliche Unfälle. Daraufhin wurde der Pfad ganz gesperrt und der erste Teil sogar gesprengt, sodass er nicht mehr zugänglich war. Jetzt war er für die Bergsteiger noch attraktiver. Sie seilten sich weiter hinten ab, um auf den Steg zu gelangen. Es gab erneut tödliche Unfälle.

Das bewegte die Malaga Regierung, den Pfad instand zu stellen und als Touristenattraktion zu propagieren. Seither reist der Touristenstrom nicht mehr ab.

Es gibt einen kleinen Parkplatz bei El Chorro, dem Ausgangspunkt für den Caminito del Rey. Der ist aber meist überfüllt. Am besten stellt man sein Auto vorher entlang der Hauptstrasse ab und läuft zu Fuss. Beim überfüllten Parkplatz befindet sich auch ein Touristeninformationsbüro und nebendran eine Ausgabestelle für Schutzhelme. Verlangen Sie auf jeden Fall einen der Helme, denn nach ca. 3 km Fussweg, kurz vor dem Aufstieg auf den Pfad steht ein Wachposten, der niemand durchlässt, der ohne Schutzhelm die Schlucht begehen will.

Schutzhelme Caminito del Rey

Schutzhelme Caminito del Rey

Caminito del Rey

Caminito del Rey

Alora, fast so abenteuerlich wie der Steg

Es ist wirklich abenteuerlich, wie sich der Pfad die Felswand entlang schlängelt. Ungefähr 100 m unter sich ist nichts und nochmal fast 100 m über sich steiler Fels. Steinschlag ist nicht ausgeschlossen. Trotzdem pilgern Scharen von Touristen, die grosse Mehrzahl Spanier, die 3 Kilometer durch die Schlucht. Ein Besuch ist unbedingt zu empfehlen. Davor muss man aber das Dorf Alora überwinden oder besser noch vermeiden. Die Strassen in Alora übertreffen an Steilheit sogar noch die steilsten Strassen, die ich in Teneriffa angetroffen habe.

Alora

Alora

Alora sehr steil 28%

Alora sehr steil 28%

Das gezeigte Strasse hat 28% Steigung, auf dem Bild kommt die Steilheit gar nicht so zum Ausdruck wie in Wirklichkeit. Sie ist aber immerhin noch so breit, dass man problemlos kreuzen kann, denn es ist der Dorfeingang. Weiter innen fast nur noch Einbahnstrassen und rechts und links geparkte Autos. Ich kam an eine Kreuzung, an der die eine Strasse steil nach oben und die Strasse, auf die ich abbiegen sollte im rechten Winkel steil nach unten führte. Das Fahrzeug neigte sich so sehr, dass man es mit der Angst bekommt, es könnte kippen. Mit einem Personenwagen mag das ja gehen, aber mit einem Wohnmobil, dass auch in den oberen Staufächern geladen ist, sieht das ganz anders aus.

Kommt dazu, dass gewisse Kurven so eng sind, dass Millimeterarbeit notwendig ist. Vergessen Sie zu versuchen, an einer engen Kurve die Flucht rückwärts anzutreten. Der Rückwärtsgang des Fiat Ducato ist höher übersetzt als der 1. Gang. Es geht nicht. Die Kupplung fängt an zu stinken und verabschiedet sich ins Nirvana, wenn man es erzwingen will. Wenn es wirklich nicht um die Ecke ginge, müsste man das Fahrzeug mit einer Seilwinde rückwärts wieder den Berg hochziehen.

Vielleicht habe ich auch einen schlechten Zeitpunkt erwischt, denn es waren viele Bauarbeiten in der Dorfmitte im Gang und der gute Mann, der die Umliutung ausgeschildert hatte, dachte wohl nicht an Wohnmobile.

Glanz und Gloria waren einmal

Wenn Sie schon in El Chorro sind, bietet sich ein kleiner Abstecher nach Carratraca ganz in der Nähe an. Carratraca war Ende 19. Jahrhundert ein Schwefelbad für die europäische Haute Volée. Glanz und Gloria ist längst vorbei, aber die Schwefelquellen sprudeln noch immer mit 700 Litern pro Minute und die Thermalbäder sind in Betrieb. Allerdings heute zu normalen Preisen für Leute wie Du und ich und gut geeignet, den Stress aus Alora abzubauen.

Gemäss Karte und Navi muss ich wieder zurück über Alora. Ich will aber nicht mehr und finde heraus, dass es eine neue Strasse gibt, die am Stausee weiterführt über den Bergzug und auf der anderen Seite hinab in die schon erwähnte fruchtbare Ebene. Diese Strasse ist hochinteressant, denn man sieht sehr aufschlussreiche Schnitte in die Felsen.

Strasse nach Antequera

Strasse nach Antequera

Strasse nach Antequera

Strasse nach Antequera

Geologische Leckerbissen

Auf dem Photo links ist die weisse Schicht gerade an der Strasse reiner Sand, als Sandstein gepresst. Darüber folgt dann eine dicke Decke Gneis resp. Granit. Welch gewaltiger Vulkanausbruch liess hier seine Lava in ein Meer gefüllt mit Sand fliessen und überdeckte alles. Auf dem Photo links sieht man ähnliche Verwitterungsformen wie in Nordsardinien (z.B. der berühmte Bär), geformt durch ein weiches Innere, das später mit einer härteren Decke überschüttet wurde. Die Decke bleibt, das Innere erodiert.

Tolle Stellplätze

Dann geht es wieder abwärts in das erwähnte fruchtbare Tal mit seinen Stauseen. An seinen Ufern sehe ich weit verstreut mehrere Wohnmobile stehen.

Stausee

Stausee

Stausee

Stausee

Ich geselle mich dazu mit einem Abstand von ca. 500 Metern zum Nachbarn. Es würden normalerweise mehrere Tage werden hier, aber mein TÜV-Termin in Perpignan rückt näher. Es ist doch zum Verrücktwerden: da ist man endlich raus aus der Tretmühle, aber Termine hat man nach wie vor.

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