Die Costa Tropical, eine Laune der Natur


Die Costa Tropical, ein ganz kurzes, eng begrenztes Stück Küste

2017-05-20 Kurz nach Nerja fängt die Costa Tropical an und reicht bis kurz vor Motril. Sie heisst Costa Tropical, weil sie ein Mikroklima aufweist, das die Anpflanzung von Früchten und Pflanzen erlaubt, die sonst nur in den Tropen wachsen. Dazu gehören Avocados, Papayas, Mangos, Bananen, Zuckerrohr usw. Sogar Zimtäpfel, die sonst in Europa nirgends wachsen, weder in Sizilien noch in Griechenland, an der Costa Tropical wachsen sie.

Die Ursache für dieses Phänomen ist die Sierra Nevada, die sich hier steil nach Süden ins Meer stürzt und dadurch die Sonne in einem optimalen Winkel empfängt. Zudem wird diese eng begrenzte Region von der über 3000 m hohen Sierra Nevada gegen die kalten Nordwinde geschützt.

Viele merken gar nichts von der Costa Tropical

Man kann die Costa Tropical hoch oben auf der Autovia schnell durchfahren, ohne viel von dieser Laune der Natur zu spüren. Ich habe mich für die Strecke Almuñecar, Salobrena bis nach Motril entschieden, unten am Meer entlang.

Unten am Meer entlang ist sehr abstrakt zu verstehen, denn die Küste ist steil und zusätzlich von vielen Barrancos durchzogen. Die Strasse ist keine Meerespromenade, sie führt etwa auf halber Höhe zwischen dem Meer und der neuen Autovia den Berg entlang. Dazu muss sie oft auf der einen Flanke eines Barancos tief in die Schlucht hinein und auf der anderen Seite der Schlucht wieder zurück. So bewegt sie sich in ständigen Kurven und dann noch rauf und runter. Dafür sieht man kleine Dörfer und eine üppige Vegetation. Die Barrancos erinnern sehr an die Kanaren, dort ist man auch nach einem Weg tief in die Schlucht hinein und wieder zurück per Luftlinie nur ein paar hundert Meter weiter gekommen.

Zier-Bananenstauden unter Palmen an der Costa Tropical

Zier-Bananenstauden unter Palmen

Almuñecar, der Hauptort der Costa Tropical

In Almuñecar habe ich auf dem mit schönen und schattenspendenden Bäumen bepflanzten Marktplatz übernachtet. Geht allerdings nur, wenn am nächsten Morgen nicht Markt ist. So hat mich am frühen Morgen ein freundlicher Marktfahrer aus meinen Träumen gerissen und mir zum Trost einen seiner Äpfel spendiert. Glücklicherweise hatte ich am Vortag schon einen kleinen Stadtbummel gemacht. Almuñecar ist auch als ein enges Dorf rund um eine maurische Burg auf einem Hügel entstanden. Wie überall jedoch erstrecken sich die Neubaugebiete weit ins Land hinein mit grosszügigen Strassen und üppiger Vegetation, eben Costa Tropical. Ein freundlicher Herr, der auf einer Parkbank sass und gegen ein Gespräch nicht abgeneigt war, erklärte mir, dass die Costa Tropical vor Temperaturextremen gut geschützt ist. Es wird im Sommer nicht so heiss wie in anderen, kargen Gegenden Spaniens und im Winter auch nie richtig kalt. Nach Plakaten in Schaufenstern und im Oficina de Tourismo scheint auch das kulturelle Leben in Almuñecar recht ausgeprägt zu sein.

Salobreña ist auch von dem tropischen Klima verwöhnt

In der nächsten grösseren Ortschaft der Costa Tropical, Salobreña, mit einer maurischen Burg auf einem mächtigen Felsenhügel, wiederholt sich diese Beschreibung. Aber hier ist die Geschichte etwas spektakulärer verlaufen: gut geschützt in einer Bucht hinter dem mächtigen Felsenhügel befand sich bis ins Mittelalter ein natürlicher Hafen, den schon die Phönizier benutzten. Dann kamen die Römer, dann die Mauren und dann die Castilier. Die Castilier bauten Zuckerrohr in grossem Stil an. Um den gepressten Sirup zu kochen, holten sie das Holz von der Sierra Nevada. Solange, bis es keines mehr gab. Dafür begann jetzt die Erosion. Der Guadelfeo, der in dieser Bucht in einem mäandernden Delta mündete, schwemmte das Erosionsmaterial mit und füllte langsam den Hafen. Aber er hörte dort nicht auf. Er füllte das Meer weit über den Hafen auf zu einer in heutiger Zeit weiten Ebene. Heute ist der Guadalfeo ein riessender Fluss, wenn es regnet und ausgetrocknet, wenn die Sonne scheint. Die Erde der Sierra Nevada kann das Wasser nicht mehr aufsaugen. Statt Zuckerrohr werden in der entstandenen Ebene jetzt die erwähnten tropischen Früchte und auch Reis angebaut. Aber die Sierra Nevada ist kahl.

Salobreña Maurenburg

Salobreña Maurenburg

Salobreña früherer Hafen

Salobreña früherer Hafen

Warum fangen fast alle Flüsse in Andalusien mit Guadal… an?

Übrigens habe ich hier in der Tourist Info herausgefunden, warum so viele andalusische Flüsse mit Guadal anfangen: Guadalquivir, Guadalete, hier der Guadelfo. Die Namen der Flüsse wurden von den Castiliern von den Mauren übernommen. Gua ist ein verballhorntes arabisches Wort für Fluss, dal heisst “von” oder “des” und dann kommt der Name des Flusses. In Salobreña “feo” heisst Hafen.

Salobreña weisst also dank der Erosion nicht nur steile Hügel mit Sicht aufs Meer auf, sondern auch eine Strandpromenade und einen sechs Kilometer langen Strand mit Promenade.

Salobreña Strand

Salobreña Strand

Salobreña von Strandpromenade

Salobreña von Strandpromenade

Das Ende der Costa Tropical

Der mäandernde Guadelfeo hat auch die Ebene zwischen Salobreña und Motril aufgeführt. Je näher man sich Motril nähert, um so mehr hässliches Plastik sieht man.

Eine sehr gut ausgebaute Autovia führt von Motril nach Granada, nur ca. 50 km weit. Aber etwa 30 km vor Granada kann man auf einer gemäss Karte als sehr schön bezeichnete Strasse abzweigen in Richtung Lanjaron bis in das höchstgelegene Dorf Spaniens, Trevélez. Die Strasse ist extrem kurvenreich und anstrengend. Es gibt wenige Plätze zum Anhalten, aber die Aussichten in die immer wechselnden Bergtäler, oft mit Stauseen, auf denen gesurft wird, sind die Mühe wert.

Sierra Nevada

Sierra Nevada

Sierra Nevada

Sierra Nevada

In Trevèlez soll der beste Schinken Spaniens hergestellt werden. Auf jeden Fall sieht man ihn in jedem Schaufenster. Ich habe es mir verbissen, einen solchen Riesenschinken mitzunehmen. Ich würde ja ewig daran essen.

Auf Bergstrecken ist es schwierig, einen Schlafplatz zu finden. Plätze sind seltener als in der Ebene und oft sind die seltenen Plätze dann so schräg, dass man riskiert, aus dem Bett zu kugeln. Ich beschliesse deshalb, über Berja wieder auf die A7 zu gelangen und Almerimar anzusteuern. Dort scheint es einen Yachthafen zu geben und wo ein Yachthafen ist, ist auch Wasser. Denn mein Tank ist fast leer.

Plastikbedeckte Landschaft

Unten angekommen sehe ich eine ausgesprochen “spanische Landschaft”. Kein Grün, alles salzgrau. Aber es sind keine Salinen, es ist Plastikfolie! Kahle, abgeholzte Landschaft, bedeckt mit Plastikfolie. Das Ganze ist nicht sehr erbaulich.

Plastik vor Almeria

Plastik vor Almeria

Das will ich mir näher ansehen und fahre runter von der Autobahn in diese Plastikwelt hinein, Richtung Balanegra, Balerma. Wenn es in Almuñecar und Salobreña eine gute Idee war, von der Autobahn runter zu fahren, war hier eine sehr schlechte. Man fährt kilometerweit auf schlechten Strassen, teilweise sogar Schotter, geflankt von Plastik rechts und links. Sonst sieht man nichts, denn man sieht nicht darüber hinaus.

Fahren zwischen Plastik

Fahren zwischen Plastik

Fahren zwischen Plastik

Fahren zwischen Plastik

Ich frage mich, was mit all diesem Plastik passiert, wenn es einmal durch UV-Einstrahlung entsorgt werden muss. Die Auswirkungen des Mikroplastik im Meer, das wir über Fische wieder essen, sind noch völlig unbekannt. Ich denke an den Witz der zwei Planeten, die sich begegnen. Der eine sagt dem anderen: Du siehst aber gar nicht gut aus. Ja, sagt der andere, mir geht es sehr schlecht, ich habe Homo Sapiens erwischt. Antwortet der andere: das ist nicht schlimm, hab ich auch gehabt, das geht recht schnell vorüber.

Navi führt mich ins Abenteuer

Das Navi will mich durch eine kleine, verwilderte und zugemüllte Siedlung zwischen all dem Plastik führen, aber ein paar Spanier gestikulieren mir auf dem Weg dahin wild zu. Es sei eine gefährliche Gegend. Zigeuner und Schwarze siedeln dort ohne Genehmigung, bauen sogar niedrige Häuser aus Stein, versteckt im Plastik. Die Polizei traut sich dort nicht hin. Ernüchtert kehre ich reumütig auf die Autovia zurück Richtung Almeria.

Diese Gegend ist für Wohnmobilisten nicht sehr attraktiv

Die Gegend wird immer kahler. Die Hoffnung, ein lauschiges, abgeschirmtes und schattiges Plätzchen im Grünen zu finden, schwindet langsam. Diese Gegend mag für andere Touristenarten attraktiv sein. Für WoMo-Nomaden, die lieber alleine irgendwo ungestört und ungesehen stehen statt auf einem überfüllten Campingplatz, auf dem man dem Nachbarn in die Küche sieht, ist sie sicher nichts.

Kahle Gegend Almeria

Kahle Gegend Almeria

Kahle Gegend Almeria

Kahle Gegend Almeria

Almeria selbst ist hübsch angelegt und gepflegt. Und gemäss Reiseführer sollte man die Alcazaba und die Kathedrale anschauen sowie das Quartier La Canca, in dem Zigeuner und Fischer in Höhlen mit modernem Inneren leben. Mir läuft aber die Zeit davon, die Tage in Cabo Verde fehlen mir jetzt. Ich will es noch bis Cabo de Gata schaffen, wo ich mir eine freundlichere Gegend erhoffe.

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