Cabo de Gata, Naturschutzgebiet und trockenste Region Spaniens 2


Cabo de Gata, Regen ist selten in diesem Naturschutzgebiet

2017-05-23 Auf  Weg nach Cabo de Gata wird die bereits bei Almeria kahle Gegend noch kahler. Die einzigen höheren Gewächse sind die vertrockneten Samenstände von Agaven. Fast Wälder, aber trocken. Nach einigen Kilometern in einer Art Halbwüste treffe ich in Cabo de Gato ein auf einem grossen Parkplatz. Es stehen einige WoMo’s dort. Und sogar eine Wasserstelle gibt es.

Agavenwald Cabo de Gata

Agavenwald Cabo de Gata

Torreon San Miguel Cabo de Gata

Torreon San Miguel Cabo de Gata

Ein Strand für Fakire

Es gibt mehrere Cabo de Gatas: der Ort, in dem ich gerade bin, der Naturschutzpark um Cabo de Gato herum und das Kap, auf dem der Leuchtturm steht. Der Naturschutzpark Cabo de Gata ist die trockenste Gegend Europas, 1987 wurde sie als Naturschutzgebiet erklärt. Das Dorf, das dem Park den Namen gab, ist hübsch angelegt, die Häuser haben alle Flachdächer, es regnet ja kaum hier. Die gepflegte Strandpromenade zieht viele Badegäste an. Aber es ist eher ein Sandstrand für Fakire: heiss und spitzig. Heiss, weil der “Sand”, es sind eher feine, basaltfarbene Steinchen, die Sonnenhitze dank der dunklen Farbe sehr stark absorbiert. Es gibt Leute, die als Mutprobe über ein Kohlebett laufen. Hier geht es ganz ohne Kohle. Spitzig, weil die Füsse nicht wie an einem schönen Sandstrand schön massiert und geschmirgelt werden, sondern eher “perforiert”. Plastiksandalen sind hier unbedingt angesagt. Aber das Wasser ist herrlich zum Baden.

Bin ich in Mexiko?

Die Landschaft ist wirklich wüstenähnlich und wenn man noch die folgenden zwei Kirchen betrachtet, man könnte sich in Mexiko wähnen.

Kirche Cabo de Gata

Kirche Cabo de Gata

Mexiko in Cabo de Gata

Mexiko in Cabo de Gata

Tatsächlich wurden hier auch schon Westernfilme wie Indiana Jones von Steven Spielberg mit Harrison Ford und Sean Connery oder Lawrence von Arabien mit Peter O’Toole und Alec Guiness oder der Cid oder die Abenteuer des Barons von Münchhausen und weitere gedreht.

Wer hier schon alles war!!

Es gibt ein Informationszentrum über dieses Naturschutzgebiet, in dem dem Besucher anhand von Schautafeln und Photos der Park näher gebracht wird. Wie überall im Mittelmeerraum finden sich auch hier Spuren aus neolithischer Zeit, dann von den Phöniziern und den Römern. Die Römer pökelten hier Fisch in grossen Becken und verschifften die Ware nach Rom. Ausserdem bauten sie Gold ab, bei Agua Amarga findet man Spuren des alten Hafens, in dem das Gold verladen wurde. In Rodalquillar können stillgelegte Goldminen besichtigt werden. Die Muslime haben vor allem Bewässerungskanäle hinterlassen, die heute noch in Betrieb sind. Salzgewinnung sowie Viehzucht, vor allem Ziegen, war und ist nach wie vor ein wichtiger Erwerbszweig in dieser Gegend.

Salzgewinnung Cabo de Gata

Salzgewinnung Cabo de Gata

Auch das Klima wird erklärt. Der Regen ist spärlich und unregelmässig. Es kann sein, dass an einem einzigen Tag der Regen eines ganzen Jahres fällt. Die Gegend wird als wüstenähnlich bezeichnet. Wenn nicht das Meer in der Nähe wäre, dessen Verdunstung nachts für feuchte Luft mit entsprechendem Morgentau sorgt, wäre die Gegend eine echte Wüste.

Eines der grössten Naturschutgebiete Spaniens

Cabo de Gata ist nach Doñana eines der grössten Naturschutzgebiete Spaniens. Aber im Gegensatz zu Doñana, das nur etwa zwölf Seemeilen See umfasst, reicht der Schutz im Cabo de Gata fünfzig Kilometer weit ins Meer hinaus. Eine wichtige Massnahme, um vor allem der Meeresfauna ein Rückzugs- und Erholungsgebiet anzubieten.

Naturreservat Cabo de Gata

Naturreservat Cabo de Gata

An der südlichsten Spitze befinden sich gefährliche Felsspitzen teils über, teils unter Wasser. Sie heissen bezeichnenderweise “Las Sirenas” aus der griechischen Sagenwelt. Hier sind viele Schiffe dem Gesang der Sirenen zum Opfer gefallen. Bis man Ende 1800 den Leuchtturm gebaut hat.

Las Sirenas Cabo de Gata

Las Sirenas Cabo de Gata

Leuchtturm Cabo de Gata

Leuchtturm Cabo de Gata

Die Klippen sind vulkanischem Ursprungs. Dieses Exemplar war klar ein Mittelschlot eines Vulkans. Alles um ihn herum ist der Erosion anheim gefallen, nur der mittlere, harte Teil hat bisher überlebt.

Vulkanschlot Cabo de Gata

Vulkanschlot Cabo de Gata

 

Autentische Häuser gibt es noch

Auf dem Weg vom Dorf Capo de Gato bis zum Leuchtturm auf der südlichsten Spitze Spaniens durchquert man einige kleinere Ansiedlungen moderner Aufmachung. Eine Ansiedlung allerdings ist mir aufgefallen, weil sie mir autentisch wie aus früheren Zeiten schien. Die Häuser müssen früher alle aus Holz gewesen sein. Sie werden offenbar gleitend in Steinhäuser umgebaut, der mittlere Teil aus Holz steht noch und wird vermutlich demnächst auch saniert.

Wüstendorf Cabo de Gata

Wüstendorf Cabo de Gata

Ab jetzt geht es nicht mehr nach Osten, sondern nach Norden

Ab jetzt dreht sich meine Richtung gegen Norden, Richtung Perpignan. Es ist früher Nachmittag und ich muss noch Strecke machen, um rechtzeitig in Perpignan anzukommen. Auf der Autovia geht es flott vorwärts.

Autovia nach Aguilas

Autovia nach Aguilas

Die Suche nach einem Schlafplatz

Allerdings ist die Gegend immer noch abweisend, insbesondere gegen Nomaden, die einen Schlafplatz suchen. Gemäss Karte gibt es nach Aguilas eine Landzunge “Punta Cerra de la Cruz” mit einem Regionalpark Capo Cope. Da müsste ich doch fündig werden. Die Strassen werden immer bescheidener und ich überlege schon umzudrehen, als sich plötzlich eine buschbestandene Ebene am Strand öffnet. Ich wähne mich in Marinha, vegationsmässig sehr vergleichbar, mit vielen Gässchen und Plätzchen zwischen dem Gebüsch. Nur ist das Ganze auf Meereshöhe und nicht wie in Marinha oben auf der Klippe. Ein paar WoMo-Dächer, die über die mannshohen Büsche herausragen, mache ich auch aus. Ich bin angekommen. Ein Nachbar sagt mir, dass der relativ schmutzige Strand letztes Jahr sehr sauber war. So schlimm ist es aber nicht, eine Gruppe von Engländern hat sich mit Sonnenschirmen und Campingstühlen um ein Lagerfeuer nur zwei Meter vom Meer eingerichtet.

Erntehelfer in der Ferne

Ich mache noch einen kleinen Erkundungsrundgang und sehe in der Ferne Ernteaktivitäten. Was wird denn hier geerntet?

Playa de Rafal

Playa de Rafal

Melonenernte

Melonenernte

Es sind Zuckermelonen. Kilometerweit. Sie kommen in grosse Plastikbehälter, die ein Traktor mit einer Hubstaplereinrichtung aufeinanderstapelt und dann abtranportiert.

Melonenenrte 400 Melonenfeld 400

Melonenfeld1 Melonenabransport

Die Leute freuen sich, als ich immer näher komme. Ingles? No, Aleman. Ich heisse Christian, ruft mir ein Junge mit spanischem Akzent zu, stolz, dass er Deutsch kann. Und dann drücken Sie mir eine Melone in die Hand. Lecker. Und frischer gehts nicht. Es wird eine ruhige Nacht. Übrigens nur etwa 30 Kilometer südlich von Bolnuevo, einem der Überwinterungsorte der Solisten.

Zuckersüsse Melone

Zuckersüsse Melone


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2 thoughts on “Cabo de Gata, Naturschutzgebiet und trockenste Region Spaniens

  • Paul AC

    Hallo Rolf,

    komme heute mal endlich dazu mich auf deinen informativen Seiten umzusehen. Ich muß dir ein Riesenkompliment machen, so illustriert und plastisch beschrieben das man deine Zeilen wie einen Film sieht. Es sind auch so einige Ecken in Spanien die du beschreibst die mir nicht fremd sind, die ich aber nie aus deiner Perspektive sah. Du bist ein Freund zu dem ich mit viel Respekt aufschaue und wünsche dir weiterhin wunderschöne Touren und ganz viel Gesundheit. Vielleicht ergibt es sich ja einmal ein Stück des Weges gemeinsam zu fahren.
    Danke für die tollen Berichte, und ganz liebe Grüße

    Paul AC/ Soiron

    • Rolf Post author

      Hallo Paul,
      ich habe mich sehr gefreut über Deinen Kommentar. Ja, wir werden uns sicher irgendwo irgendwann wieder treffen oder gemeinsam ein Stück Weg zurücklegen. Ab September gehts nach Griechenland, vorher möchte ich mal wieder Leeuwarden kurz besuchen, um Erinnerungen aufzufrischen. Und dann auch noch vorher ein Abstecher nach Meckpomm und Polen schwebt mir auch noch vor. Wenn nur das aktuelle Wetter nicht so bescheiden wäre, denn die schattigen Plätzchen bei strahlender Sonne und toller Wärme sind zur Zeit etwas rar.
      Auch von mir liebe Grüsse aus dem trüben Wilhelmshaven
      Rolf