Gas aus der Tauschflasche oder aus der Tankgasflasche?


Tauschflaschen oder Tankgasflaschen?

Es sind vier Dinge, die ein Wohnmobilist regelmässig nachfüllen muss:

  • Treibstoff, meist Diesel
  • Strom
  • Wasser
  • Gas

Hier geht es ums Gas. Da Strom nicht unbegrenzt gespeichert werden kann, übernimmt Gas im Wohnmobil viele Funktionen, die im normalen Haushalt mit Strom erledigt werden. Mit Gas wird gekocht, das Warmwasser für die Dusche aufbereitet und, wenn es draussen kalt wird, sorgt Gas auch dafür, dass es innen kuschelig warm ist. Ausserdem sind sehr viele Wohnmobile statt mit Kompressor- mit Absorberkühl- und Gefrierschränken ausgerüstet, auch sie werden mit Gas betrieben. Nicht zu reden von den Gasbacköfen, die immer mehr auch in Wohnmobilen Einzug halten.

Wenn das Gas ausgeht gibts Arbeit

Wo kommt das Gas her? Meist stehen in einem von aussen zugänglichen Fach zwei Gasflaschen aus Stahl. Wenn beim Kochen plötzlich die Flamme ausgeht oder es nachts in kaltem Klima plötzlich auch innen kalt wird, klettert der Wohnmobilist ins Freie und schraubt den Gasschlauch von der leeren Flasche an die hoffentlich volle zweite Flasche. Es ist eben eine nicht sehr angenehme Überraschung, wenn mitten in der Zubereitung des Abendmenus der Gasbrenner streikt. Der Koch oder die Köchin sind not amused.

Es geht auch einfacher, denn man kann sich einen intelligenten Verteiler installieren lassen, der automatisch von der leeren auf die volle Flasche umschaltet. Wenn die zweite Flasche dann auch leer ist, ist definitiv der Weg zum nächsten Gasflaschenladen angesagt. Den Gasvorrat überwachen, um nicht plötzlich ohne Energie dazustehen, ist also trotzdem notwendig.

Gasflaschenwechsel ist mühsam

Der vorsorgliche Wohnmobilist ist also gut beraten, immer dafür zu sorgen, dass zeitnah die leere Flasche durch eine volle ausgetauscht wird. Zu diesem Zweck fährt er ein geeignetes Flaschendepot an. Dort fieselt er seine leere Flasche aus dem Flaschenkasten, indem er die Gurte löst und die Flasche hinaushievt. Nach dem Bezahlen der vollen Flasche hievt er diese mit Wucht dank schwererem Gewicht wieder in den Flaschenkasten und befestigt sie mit den Zuggurten.

Scheint ein wenig kompliziert zu sein. Ist es auch. Und für zarte alleinfahrende Wohnmobilistinnen, deren es mehr gibt als man glaubt, artet das ganze in einen Kraftakt aus. Es gibt ein weiteres Problem: die Flaschen sind nach Land unterschiedlich. An einer z.B. französischen Station wird man keine deutsche Flasche tauschen können.

Die Lösung: Gas aus der Gastankflasche.

Tankgasflasche fest eingebaut

Tankgasflasche fest eingebaut

Es geht viel einfacher. Mit einer Gastankflasche. Sie sieht genau gleich aus wie eine normale Tauschflasche, nur ist sie fest installiert. Es gehen zwei Schläuche von ihr weg. Der übliche zu den Verbrauchern und der zweite zur Aussenwand, damit man dort eine Gaspistole zum Nachfüllen ankoppeln kann.

Standard noch kaum verbreitet

In dieses schraubt man je nach Region, in der man sich gerade befindet, den entsprechenden Adapter ein. Mit einer Gastankflasche werden standardmässig vier Adapter mitgeliefert. In Südeuropa wird meist der Adapter links oben verwendet, in Deutschland, Holland, Belgien habe ich oft den rechts oben angetroffen. Bei dem muss geschraubt werden. In England habe ich den dritten benötigt, links unten im Bild, der vierte ist der Euroadapter. Den habe ich kürzlich an einer Repsoltankstelle gebraucht. Repsol scheint seine Tankstellen nun alle auf den Euroadapter umzurüsten. Es tut sich also etwas. Und irgendwo habe ich gelesen, dass die U.S.A. ebenfalls den Euroadapter übernehmen.

Südeuropa, Frankreich

Südeuropa, Frankreich

Deutschland, Belgien, Holland

Deutschland, Belgien, Holland

England

England

Europa

Europa

 

 

Gastankflaschen sind mit einer Füllstandsanzeige ausgestattet

Ein grosser Vorteil einer Gastankflasche ist, dass sie mit einem Füllstandsanzeiger ausgerüstet ist. Man kann also ab und zu nachschauen, ob man demnächst mal wieder eine Tankstelle anfahren sollte. Man muss den Gaskasten öffnen, um die Füllstandsanzeige an der Flasche abzulesen.

 

Flaschenfach

Flaschenfach

Füllstandsanzeige

Füllstandsanzeige

 

Wem das zu umständlich ist, kann sich sogar eine Füllstandsanzeige ins Armaturenbrett integrieren lassen. Ein weiterer Vorteil ist, dass man nicht warten muss, bis die Flasche leer ist, man kann jederzeit nachfüllen, auch wenn nur 13 oder 15 Liter verbraucht wurden.

Es gibt mehrere Anbieter für solche Gastankflaschen. Die meisten Flaschen, vor allem in Frankreich und England, sind aus Stahl, wie die ganz normalen Tauschflaschen. In Deutschland gibt es eine Tankflasche aus Aluminium, ein Gewichtsvorteil, aber auch etwas teurer. Ich habe mich für die Aluminiumflasche entschieden.

Eine oder zwei Gastankflaschen?

Sollte man, wenn schon, denn schon, gerade zwei Tankflaschen einbauen lassen? Jein. Der Vorteil wäre, dass man weniger oft eine Tankstelle anfahren muss. Das kann ein Vorteil sein, wenn man sich in kalten Gegenden aufhält und oft heizt. Ich halte mich vorwiegend in warmen Gegenden auf. Ohne zu heizen müsste ich ungefähr alle vier Wochen nachfüllen, dann ist sie noch zu 25% voll. Das nutze ich zwar nie aus. Wenn die Flasche etwa halb leer ist, mache ich mir eine mentale Notiz, an der nächsten Tankstelle, die auftaucht, nachzufüllen. Das funktioniert hervorragend mit nur einer Flasche. Meine zweite Flasche ist eine ganz normale Stahl-Tauschflasche. Der Gedanke dahinter ist, dass ich auch in Gegenden, in denen die Gasversorgung an Tankstellen noch in den Kinderschuhen steckt, wie Marokko, Türkei usw. eine lokale Variante der Gasversorgung habe.

Einwände gegen Autogas.

Ich höre oft den Einwand: ja, aber ich habe gehört, dass das Autogas nicht so sauber ist und deshalb die Brenner des Kühlschranks und der Heizung öfters gereinigt werden müssen. Ich habe meine Gastankflasche jetzt seit mehr als vier Jahren und habe noch nicht bemerkt, dass ich etwas reinigen müsste.

Der nächste Einwand ist, dass der Einbau einer Gastankflasche ja recht teuer sei. Ja, das stimmt, so €500,00 bis €700,00 fertig eingebaut muss man rechnen. Aber wie sieht es längerfristig aus? Gas von der Tankstelle ist billiger als Gas aus der Tauschflasche. Jetzt kommt es nur noch auf die Menge an, die man in einer Zeiteinheit verbraucht, um die Rechnung anzustellen, ab wann man billiger heizt, kocht, kühlt. Für mich, der ich relativ wenig Gas pro Zeiteinheit brauche, da ich wenig heize, habe ich etwa vier Jahre errechnet. Für mich hat sich der Einbau also jetzt gerade selbst bezahlt und ab jetzt spare ich bei jedem Nachfüllvorgang. Wenn man sich in kühleren Gegend aufhält und oft heizen muss, verringert sich diese Zeit, bis sich der Spareffekt einstellt, wesentlich.

Kosten sparen

Es gibt noch einen Trick, den ich angewendet habe. Ich habe die Aluminium-Tankflasche mit allem notwendigen Material in Deutschland gekauft und leer in den Tankkasten gestellt. Anschliessend habe ich meinen Urlaub in Portugal angetreten und die Flasche bei einem Wohnmobilbetrieb einbauen lassen inklusive Gasprüfung. Die Einbaukosten sind dort in etwa die Hälfte günstiger.

Was denkst Du über das Thema? Ich würde mich freuen, Kommentare oder Fragen von Dir zu hören.

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