Die spanischen Melonen kommen von hier


Über La Manga bis Cullera

Von dem schönen Stellplatz Playa de Rafal, in dessen Nähe übrigens ein Campingplatz ist, wo man willkommen ist für V/E, muss ich mich leider aus Zeitgründen verabschieden, ich wäre gerne länger geblieben. Gestern hatte ich die Melonenernte beobachtet und eine Melone gegessen, heute komme ich an einer Riesenfläche vorbei, die offenbar für eine neue Melonensaat vorbereitet ist.

Mit fallen die vielen Reste von Kunststoffrohren auf, die herumliegen. Die Melonen werden künstlich bewässert. Das ganze Feld ist von Kunststoffröhren durchzogen. Wenn ein Feld neu durchgezackert wird, werden die Rohre offenbar nicht vorher gerettet, es werden einfach neue eingelegt.

Vorbereitetes Melonenfeld

Vorbereitetes Melonenfeld

 

In regelmässigen Abständen zwischen den Melonenfeldern sehe ich Rohrbogen von etwa 15 cm Durchmesser aus dem Boden herausragen, daran ein Schieber. Die Felder sind, fast hätte ich geschrieben verkabelt. Sie sind verrohrt. Und offenbar sind die Bereiche in Sektoren eingeteilt, um die Melonen durch Öffnen einzelner Schieber gezielt bewässern zu können. Als ich dann noch an einer riesigen Entsalzungsanlage vorbeifahre, wird mir klar, dass Regen hier selten sein muss. Es ist ja die Ostseite Spaniens, der Hauptregen kommt im Westen in Portugal runter, dann kommt die spanische Hochfläche und hier im Osten ist nichts mehr übrig ausser Morgentau. Ich komme noch an weiteren vier Entsalzungsanlagen, immer in der Nähevon Melonenfeldern, vorbei. Dann wird es hügelig und die Strasse windet sich in steilen Windungen einen Berg hinauf, von dessen Passhöhe man einen phantastischen Blick zurück hat.

Bergstrecke nach Mazarron

Bergstrecke nach Mazarron

Sicht auf Playa de Rafal

Sicht auf Playa de Rafal

Man sieht etwa 45 km weit bis zum nächsten Bergvoraprung ins Meer. Die Ebene dazwischen besteht mehrheitlich aus Melonenfeldern. Mit dem Feldstecher finde ich sogar den Stellplatz Playa de Rafal, von dem ich vor ca. einer Stunde losgefahren bin. Warum führt die Strasse mühsam den Berg hinauf und auf der anderen Seite wieder runter? Dieser Bergzug fällt so steil ins Meer, dass es offenbar einfacher war, die Strasse quer über den Berg zu ziehen.

Wasser ist hier rar

Von oben sehe ich auch mehrere Wasserreservoirs, meist auf einer Bergkuppe, die abgetragen wurde. Sie sehen aus wie bei uns Feuerwehrteiche, nur etwa hundertmal grösser. Meist sind sie umzäunt und oft hängt ein Firmenschild am Zaun. Es handelt sich also offenbar nicht um kommunale, sondern um private Reservoirs.

Das Navi will mich weiträumig um Mazarron führen, ich will aber der Küste entlang. Das Navi weigert sich beharrlich, also mache ich es auf eigene Faust. Das Navi hat Recht. Mazarron liegt um einen Bergrücken herum, der auch so steil ins Meer fällt, dass es keine Strasse dem Meer entlang gibt. Also reumütig wieder zurück und dem Navi weiträumig um den Berg folgen.

Die Gegend wird aus Mohnmobilistenaugen gesehen immer trostloser. Wann immer ich versuche, ein ruhiges Plätzchen zu finden, werde ich enttäuscht. Cartagena liegt vor mir, es ist eine Grossstadt. Hier sind zu viele Menschen, alles ist verbaut. Nach Cartagena befindet sich das Mar Menor, eine Art Lagune, durch eine lange, schmale Landzunge vom Mittelmeer abgeschnitten. O schreck, das sieht ja aus wie Miami.

Nach Cabo de Palos Mar Menor

Nach Cabo de Palos Mar Menor

Ich entschliesse mich, die Landzunge zu erkunden und lenke mein Haus in diese Richtung. Ich tauche ein in eine Häuserschlucht, alles neue Häuser. Es scheinen mehrheitlich Ferienwohnungen zu sein. Dass es den Spaniern so schlecht gehe, wie man immer in den deutschen Nachrichten hört,  scheint eine Fake-News zu sein.

La Manga

La Manga

La Manga

La Manga

Je weiter ich auf dieser Landzunge vordringe, umso dünner wird die Bebauung, aber dünn wird sie nicht wirklich. Wenn es auf der Karte so aussieht, als ob man auf der Landzunge das ganze Mar Menor umfahren könnte, so ist das ein Trugschluss. Die Landzunge ist bei ca. Kilometer 19 unterbrochen. Keine Brücke, keine Fähre auf die andere Seite. Auf den ganzen 19 Kilometern finde ich zwei Plätze, auf denen man notfalls stehen könnte. Ich wähle einen Parkplatz vor einer Hütte, die gemäss Anschrift im Juli und August gegrillte Fische und Mariscos anbietet. Im Moment ist sie verrammelt, nur Kameras mit einem Schild darunter, dass eine Bewachungsgesellschaft sie bewacht. Entweder ist dies auch Fake oder die Bewachungsgesellschaft hat mich als ungefährlich eingeschätzt.

Stellplatz auf La Manga

Stellplatz auf La Manga

La Manga Mar Menor

La Manga Mar Menor

Das Mar Menor liegt direkt vor meiner Haustüre mit Blick nach Westen. Es lädt zum Baden ein, ein extrem flacher Strand, man hat fast auf einen Kilometer Grund unter den Füssen. Es ist der grösste Salzsee Europas, sein Wasser ist bis zu 5°C wärmer als das Mittelmeer ein paar Meter weiter auf der anderen Seite. Ausserdem soll es heilende Eigenschaften haben, denn es ist reich an Mineralsalzen.

Um vorwärts zu kommen, muss ich zurück, über La Unión um den ganzen See herum, immer Ausschau haltend nach möglichen Stellplätzen, denn ich notiere mir die für spätere Reisen. Aber ich komme von Los Alcazares bis Torrevieja fast 40 km lang durch viele Dörfer, aber sie sind zusammengewachsen. Eine einzige 40 km lange Strandpromenade, zugeparkt, keine Chance, irgendwo ein Parkplätzchen zu finden um zum dichtbevölkerten Strand zu gelangen. Erst bei Torrevieja lockert es sich etwas auf und ich entdecke eine Art flachen Felsvorsprung, der, oh Wunder, nicht bebaut ist. Und da stehen Wohnmobile.

Felsplatte zwischen Torrevieja und Lomas del Mar

Felsplatte zwischen Torrevieja und Lomas del Mar

Felsplatte bei Torrevieja

Felsplatte bei Torrevieja

Die Gegend wird immer bevölkerter, der Verkehr nimmt zu, wird hektischer. Ich habe in diesem Trubel keine Lust, hier weiter Erkundungen zu machen. Mit einem Termin im Nacken ist die Psyche auch nicht auf Entspannung ausgelegt. Vorwärts in ruhigere Gegenden. Bei Santa Pola registriere ich die riesigen Salzsalinen und eine Werbebotschaft: 300 Sonnentage pro Jahr. Also kommt tatsächlich kaum Regen hier an. Und es wird immer schlimmer: Benidorm mit fast Wolkenkratzern wie in den USA, abschreckend. Ich lese im Reiseführer, dass Benidorm vor allem bei englischen Jugendlichen in ist wegen der vielen Pubs und Bars, in denen sie sich mit Bier vollaufen lassen. Sowas wie der Ballermann für die Deutschen?

Benidorm fürchterlich

Benidorm fürchterlich

Es ist jetzt schon abends, aber ich zwinge mich jetzt weiter zu einem Stellplatz bei Cullera. Den kenne ich von vor zwei Jahren. Gegen 21.30 Uhr komme ich an, nachdem ich sonst mein Schlaflager so gegen 17.00 aufsuche. Es ist ein wunderschöner Platz gerade hinter der Düne. Vor der Düne ein kilometerlanger Strand, etwa 300 Meter tief und nur dünn bevölkert. Ich stelle mein Haus so, dass ich Blick aufs Meer habe aus dem Wohnzimmer.

Stellplatz Cullera

Stellplatz Cullera

Blick aus Wohnzimmer-Fenster in Cullera

Blick aus Wohnzimmer-Fenster in Cullera

Am nächsten Tag ist Strecke machen angesagt über das Ebro-Delta, von dort immer dem Ebro entlang nach Lleida. Von dort führt eine Autovia Richtung Manresa, Vic, Girona über Dalis Figueres nach Perpignan. Ich komme am Abend an und erscheine am nächsten Morgen auf dem Strassen- verkehrsamt. Es hat geschlossen mit einem Anschlag, dass aufgrund ausserordentlicher Umstände erst am Montag wieder geöffnet ist. Ich habe mich ganz umsonst so beeilt. Naja, also auf nach St. Cyprien, ein paar Kilometer von Perpignan entfernt. Dort werde ich das Wochenende verbringen in Gesellschaft anderer Nomaden, die genau so im Luxus leben wie wir WoMo-Fahrer. Nur sind wir viel beweglicher, die können nur von Hafen zu Hafen schippern, ha ha.

Yachthafen in St. Cyprien

Yachthafen in St. Cyprien

Luxusleben mal nicht im WoMo

Luxusleben mal nicht im WoMo

Save

Save

Save

Leave a comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *