Auf dem Weg nach Welgesheim 2


Ohne Führerschein an das Solistentreffen in Welgesheim

In Perpignan konnte ich alle meine Termine erledigen, nur auf dem Strassenverkehrsamt finden sie meinen LKW-Führerschein nicht. Ich mache Rabatz, Schlamperei der französichen Administration habe ich schon viel

Anforderung Führerschein

Anforderung Führerschein

erlebt, ich könnte ein Buch darüber schreiben. Aber es nützt nichts. Ich muss ein neues Photo bringen, sie werden einen neuen Führerschein ausstellen.

Diesmal schnappe ich dem Beamten das interne Formular aus der Hand und photographiere es, um besser für die zukünftige Diskussion gewappnet zu sein, falls der Führerschein erneut verschwunden sein sollte.

Was mache ich jetzt? Ich fahre einen LKW, habe aber nur eine temporäre Bescheinigung, dass ich die Prüfung bestanden habe. Die wurde mir jetzt wenigstens verlängert. Aber sie ist nur in Frankreich gültig. Ich fahre einfach ohne Führerschein los. Wenn ich erwischt werde, habe ich gute Argumente und eine Wut im Bauch.



Eine spektakuläre Strecke

Von Perpignan möglichst rasch nach Welgesheim zum Solistentreffen benütze ich die Gratis-Autobahn ab Beziers bis zur Michelin-Stadt Clermont-Ferrand. Nur die spektakuläre Brücke bei Millau ist kostenpflichtig. Aber es lohnt sich, denn der Weg um die Brücke herum führt kurvenreich tief ins Tal nach Millau und auf der anderen Seite ebenso kurvenreich und steil wieder nach oben.

 

Nicht nur die Brücke, auch die gesamte Autobahn ist spektakulär. Sie führt durch die einsamen Cevennen in mehreren Tälern kilometerlang schnurgerade tief nach unten und auf der anderen Talseite wieder ebensolang nach oben, immer auf ungefähr 900 bis 1200 Metern Höhe. Diese Autobahn zusammen mit Clermont-Ferrand habe ich ja schon einmal beschrieben.

 

Ab Clermont-Ferrand geht es über normale Strassen bis nach Chalon-sur-Saône, wo ich gegen Abend keine 500 Meter vom Stadtzentrum beim Yachthafen einen ruhigen Übernachtungsplatz im Grünen unter schönen Bäumen finde. (N46°46’40,5″ O4°51’39,1″).

 

Chalon-sur-Saône Übernachtungsplatz

Chalon-sur-Saône Übernachtungsplatz

 

 

Hier ist nicht mehr Südfrankreich

Am nächsten Morgen folgt ein kurzer Rundgang durch das hübsche Städtchen, das einen aufgeräumten Eindruck macht. So früh am Morgen ist noch nicht viel los, nur auf dem Marktplatz tummeln sich schon Leute.

Chalon-sur-Saône

Chalon-sur-Saône

Chalon-sur-Saône

Chalon-sur-Saône

Man merkt, dass man nicht mehr in Südfrankreich ist. Das Wetter ist trübe und die allgegenwärtige Baguette liegt eher gleichberechtigt neben dunklem Brot, wie wir es kennen. Der Bäcker und sein Backofen auf einem alten Anhänger sind sehenswert. Das Brot ist garantiert frisch und den verlockenden Quiches kann ich nicht widerstehen.

Bäcker Chalon-sur-Saône

Bäcker Chalon-sur-Saône

Quiches

Quiches

In Chalon-sur-Saône gibt es ein Museum Nicéphore Niépce, in dem die Geschichte der Photographie erzählt wird. In diesem Museum wird mir klar, dass die Photographie nicht auf einen Schlag und von einem Mann erfunden wurde. Vielmehr war das ein Zusammenspiel vieler Forscher aus ganz Europa. Zuerst musste einmal entdeckt werden, dass Papier, mit unterschiedlichsten Substanzen bestrichen, in der Lage war, einen Schatten eines Objekts zu reproduzieren. Nur verblasste er. Wie konnte er fixiert werden? Welche Materialien eigneten sich am besten, um ein Bild zu produzieren?

Es war ein jahrelanges Suchen. Dass man über eine Linse ein Bild projizieren konnte, hatten die Maler schon viel früher entdeckt, um perspektivisch zu malen. Einem Mann, Nicéphore Niépce aus Chalon-sur-Saône, gelang es schliesslich, die Puzzlesteinchen auf der chemischen Seite zusammenzufügen. Dann suchte er Kontakt zu einem Optikspezialisten, Daguerre, um die Bilder besser auf die Oberfläche zu projizieren. Kurze Zeit später starb Nicéphore Niépce und Daguerre führte die Arbeiten alleine weiter. Daguerre blieb im kollektiven Gedächtnis als Erfinder der Photographie, alle anderen gerieten in Vergessenheit.

 

Mein Weg zu meinem Ziel führt mich weiter nach Norden Richtung Burgund und ich spüre die römische Vergangenheit. Denn mehrere Strassen in dieser Gegend führen kilometerweit schnurgerade aus, egal ob es tief runter oder hoch nach oben geht. So haben die Römer ihre Strassen geführt. Die Landschaft ist recht hügelig und so kann man das Auto abwärts Fahrt aufnehmen lassen, um den Schwung am nächsten Hügel auszunützen. Pech nur, wenn in der Talsohle ein Dorf liegt und man auf 50 km/h runterbremsen muss.

Nuits-Saint-Georges, einer der Weinorte des Burgund

In Nuits-Saint-Georges, einem der berühmten Weindörfer des Burgund mache ich Pause, um zu Mittag zu essen und freue mich auf ein Glas vollmundigen Rotweins. Das Wetter ist nach wie vor trübe, aber die Temperatur erlaubt es, draussen zu sitzen.

Nuits-Saint-Georges

Nuits-Saint-Georges

Nuits-Saint-Georges

Nuits-Saint-Georges

Das Essen ist sehr gut, Burgund und Elsass sind bekannt für die gute Küche. Vom Wein allerdings, man versicherte mir, es sei wirklich ein Nuits-Saint-Georges, war ich bitter enttäuscht. Ich hatte früher einmal von einem Weinbauern gehört, dass sie die guten Sorten den Grosseinkäufern, die jährlich zuverlässig einkaufen, überlassen und was übrig bleibt, wird den Touristen verkauft. Na ja.

Langres, eine Entdeckung

In Langres mache ich Station, denn diese Stadt ist reich an geschichtlichen Zeugnissen. Sie liegt auf einem Plateau, aus dem die Seine, die Marne, die Aube und weitere kleinere Flüsse entspringen.

Schon in vorchristlicher Zeit hatten die Kelten im heutigen Langres eine Festung, dann kamen die Römer und hinterliessen reiche Funde, die im Museum aufbewahrt werden. Die Römer christianisierten sich und schon im 4. Jahrhundert wurde Langres zu einem Bischofssitz. Im elften Jahrhundert wurde Langres wie die gesamte Champagne dem französichen Königreich eingegliedert. Die Festungsanlagen wurden erweitert um eine Festung im Vauban-Stil. Vauban war der Festungsbaumeister Ludwigs XIV, dem man in Frankreich auf Schritt und Tritt begegnet.

 

Die grosse Zeit für Langres war die Renaissance. Es entstanden beeindruckende Gebäude, die Jesuiten liessen sich ebenfalls hier nieder. Selbst so profane Gebäude wie ein normales Postoffice, in Langres wurde ein Palast daraus.

 

Langres Jesuitenkolleg

Langres Jesuitenkolleg

Langres Post

Langres Post

Langres Diderot

Langres Diderot

Der berühmteste Sohn von Langres ist Denis Diderot, Schriftsteller und Philosoph. Er hatte zusammen mit seinen Mitstreitern mit seinen modernen Ansichten wesentlichen Anteil an der europäischen Aufklärung. Obwohl er Abbé war, verfasste er nicht nur Dramen und Romane, sondern übte auch heftig Kritik an der Auslegung der Religion.

Von der Bergpredigt war zu seiner Zeit nicht mehr viel übrig geblieben, die Kirchenfürsten hatten das Christentum schleichend so ausgelegt, wie es ihnen besser passte. Er wandte sich vor allem gegen die alleinige Deutungshoheit der Kirche über die Welt  und trug damit zur Befreiung der Wissenschaften aus dem Würgegriff der Kirche bei. Ausserdem war er einer der treibenden Kräfte für die Erstellung der französischen Encyclopédie, die auch heute noch nachgeführt wird. Ihm zu Ehren wurde im Zentrum der Stadt ein Denkmal erstellt.

 

Die Gegend um Langres, das schon erwähnte Plateau, merke ich mir vor für weitere Besuche. Denn in dieser wasserreichen Region gibt es eine Reihe von wunderschönen und gepflegten Wanderwegen zu Seen wie den Lac de Charmes, den Lac de la Mouche und weitere, die mit dem Fahrrad und dem Boot erkundet werden können.

 

Wenn es weiter im Süden zu heiss wird, muss es hier auf der Höhe sehr angenehm sein.


Gemäss Auskunft des Office du Tourisme findet man als Wohnmobilist unzählige schöne Plätze zum Freistehen und als Ausgangspunkt, um das Land zu erkunden. Und tatsächlich, ich finde ein lauschiges Plätzchen, um in der Gegend zu übernachten.

Jetzt Strecke machen nach Welgesheim

Gemäss Programm wird in Welgesheim am Freitag Abend erstmals etwas passieren, nämlich gemeinsames Nachtessen. Wenn ich also Freitag am frühen Nachmittag ankomme, werde ich wohl einer der ersten sein. Weit gefehlt, wie man noch sehen wird.

Es geht weiter die Mosel hinunter über Nancy, Metz ohne mich aus Zeitmangel weiter umzuschauen, obwohl ich die Gegend wenig kenne. Über Billigwasser, um günstig Diesel bei Wolters zu tanken und dann über Trier Richtung Bad Kreuznach. Hier fängt die rheinpfälzische Toskana an mit wunderschönen Bildern. Und alles so grün nach dem eher gelbstichigen Süden.

 

Pfälzische Toskana

Pfälzische Toskana

Pfälzische Toskana

Pfälzische Toskana

 

Bald ist es geschafft, Welgesheim liegt vor mir. Ich biege durch ein paar schmale Welgesheimer Gässchen, immer dem Navi nach und bin erschlagen: ich treffe nicht als Erster auf eine leere Wiese, hier wimmelt es von Wohnmobilen. Was ist denn da los? Später erfahre ich, dass die Ersten schon am Mittwoch da waren. Als Neuling dachte ich, ich wäre einer der ersten. Effektiv war ich, glaube ich,  der Letzte.

 

Welgesheim Solistentreffen

Welgesheim Solistentreffen

Welgesheim Solistentreffen

Welgesheim Solistentreffen

Begrüssung alter Bekannter, aber noch mehr neue Gesichter, mehrere Gruppen zwischen den Wohnmobilen, die sich angeregt unterhielten, es herrschte eine aufgeräumte Atmosphäre und der Wettergott war offensichtlich von den Organisatoren bestochen worden. Das Abendessen fand deshalb nicht nur im Zelt statt.

Welgesheim Abendessen

Welgesheim Abendessen

Welgesheim Abendessen

Welgesheim Abendessen

Der nächste Morgen war ruhig, aber man sah einige Frühaufsteher bemüht, ihre Möbel oder ihr Fahrzeug auf Hochglanz zu bringen.

 

Überall wird geputzt

Überall wird geputzt

Überall wird geputzt

Überall wird geputzt

Überall wird geputzt

Überall wird geputzt

 

Und dann plötzlich ein allgemeiner Aufbruch einem Wegweiser nach, das Frühstück winkte.

 

Frühstück 1

Frühstück 1

Frühstück

Frühstück

Frühstück

Frühstück

Ganz Unermüdliche machten sich anschliesssend auf, um die aufgenommenen Kalorien wieder loszuwerden, andere nahmens eher gemütlich und trafen sich zu einem Schwätzchen und ganz ernsthafte folgten einem Internetkurs eines bekannten Internet-Professors.

Fahrradtour

Fahrradtour

Grüppchen

Grüppchen

Internet-Kurs

Internet-Kurs

Die grösste Gruppe aber scharte sich um ein Wohnmobil am äussersten Ende der Wiese, da war richtig Action.

Abendkonzert

Abendkonzert

Abendkonzert

Abendkonzert

 

 


Am Montag traf sich dann noch eine spezielle Truppe, einige der hartgesottenen, die dort zu Hause sind, wo ihr Wohnmobil gerade steht. Dazu einige Interessierte, die wissen wollten, wie man sich so fühlt als Nomade. Die übereinstimmende Auskunft, die sie bekamen: “ich kann mir ein sesshaftes Leben nicht mehr vorstellen” oder “ich bereue, dass ich nicht schon früher damit angefangen habe”.

 

Die Nomaden

Die Nomaden

Die Nomaden

Die Nomaden

Insgesamt ein harmonisches und sehr gelungenes Treffen. Danke und Glückwunsch an die Organisatoren.

Save

Save

Save

Save

Save

Save

Save

Save

Save

Save


Leave a comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *

2 thoughts on “Auf dem Weg nach Welgesheim