Von Aachen nach Ostfriesland


Auf dem Weg nach Ostfriesland

Venlo ist nicht weit von Aachen und mich interessieren die neuen Funde, die man beim Bau des Maasboulevards überraschend entdeckt hat. Danach ist Venlo nicht eine Gründung des Mittelalters, sondern hier befand sich ein römisches Logistikzentrum. Venlo ist auch noch aus einem anderen Grund interessant: es liegt an der Grenze, die durch das seinerzeitige Vereinigte Königreich der Niederlande gezogen wurde, um den katholischen Süden vom protestantischen Norden abzutrennen. Der katholische Süden wurde dadurch ca. 1830 zum heutigen Belgien.

Venlo ist eine gemütliche Stadt. Man schlendert die Hauptstrasse mit vielen anderen Fussgängern entlang und landet auf dem Marktplatz, wo man bei einem Bier gemütlich dem Treiben zuschauen kann.

Venlo Maasboulevard

Venlo Maasboulevard

Venlo Marktplatz

Venlo Marktplatz

Ein Stück weiter vermute ich beim Betrachten der Strassenkarte am Rhein bei Wesel weitverzweigte Rheinauen, die sich als der nächste einsame und ruhige Übernachtungsplatz eignen würden. Das entpuppte sich als Irrtum, denn die Gegend ist als Naherholungsgebiet sehr stark ausgebaut und frequentiert. Es ist Sonntag und die Spaziergänger bevölkern in Massen die Rheinpromenaden. Auch jedes Seitensträsschen Richtung Rhein ein wenig weiter weg von Wesel ist entweder Sackgasse oder für Wohnmobile verboten. Also ziehe ich meine Kreise weiter und folge dem Rhein nordwärts.

50’000 Bläss-, Saat- und Weisswangengänse

Es wird einsamer und hurra, da ist ein Plätzchen hoch oben auf einem Deich der Rheinaue Bislich-Vanum. Unter mir weiden Scharen von Wildgänsen. 50’000 aus Sibirien sollen hier jedes Jahr überwintern, nachdem sie 5’000 Kilometer zurückgelegt haben. Jetzt ist Ende Juni, aber viele sind immer noch da. Sie scheinen ein Wirtschaftsfaktor zu sein, denn sie locken viele sogenannte “Gänsetouristen” an. Es wird dunkler und mit einem Mal sind alle Gänse weg. Die Wiese ist leer und es gibt kein Gänsegeschnatter mehr. Wohin sind sie alle so schnell verschwunden? Es gibt ein kleines Wäldchen entlang dem Ufer, aber es ist kaum möglich, dass soviele Gänse sich darin verstecken können. Es bleibt ein Rätsel.

Die Nacht ist sehr ruhig und am nächsten Morgen erlebe ich einen wunderschönen Sonnenaufgang.

Wildgänse Rheinaue

Wildgänse Rheinaue

Sonnenaufgang Rheinaue Bislich

Sonnenaufgang Rheinaue Bislich

Xanten, Nibelungenlied und Siegfried

Xanten, die alte römische Garnisonstadt, aus der auch Siegfried stammt, liegt nicht weit von hier. Um nach Xanten zu gelangen, muss man zurück über Wesel. Wesel selbst bietet nicht viel, es wurde im zweiten Weltkrieg zu 97% zerstört. Imposant fand ich jedoch die Brücke über den Rhein. Die alte zerbombte existiert noch in Teilstücken.

Rheinbrücke Wesel

Rheinbrücke Wesel

Die Nibelungensage stammt etwa aus dem 12. Jahrhundert. Es wird darin verarbeitet, wie die Burgunder, die in der Völkerwanderung um 450 n.Chr. von der Ostsee in die Gegend um Worms gezogen waren, von den Hunnen praktisch vernichtet wurden. Der klägliche Rest, der mit dem Leben davon gekommen war, zog weiter nach Süden und gründete schliesslich das Königreich Burgund, das zeitweise mächtiger war als das damals kleine Frankreich.

Wie komme ich auf die Niebelungensage? Naja, Siegfried, der gemäss Nibelungensage für all das Unheil, das den Burgundern widerfuhr, verantwortlich ist, soll aus Xanten stammen. Und so trifft man in Xanten halt auch auf Siegfried und Kriemhild. Siegfriedspiele gibt es jedes Jahr, eine Siegfriedstrasse und einen Varusring findet man in Xanten und auch eine Kriemhildmühle ist in Aktion.

Dagegen geht die grösste Kirche in Xanten, der St. Viktordom, auf das 2. Jahrhundert zurück, denn Viktor war ein römischer Legionär christlichen Glaubens und starb mit einigen Gefährten als Märtyrer, weil er seinem Glauben nicht abschwören wollte. Kaiser Konstantin der Grosse, der als erster römischer Kaiser zum Christentum übertrat, wurde etwas zu spät geboren, um Viktor zu schützen. Dafür ist der Dom, der ab dem 13. Jahrhundert 300 Jahre lang über seinem Grab gebaut wurde, umso prachtvoller.

Xanten Dom

Xanten Dom

Xanten Dom

Xanten Dom

Xanten Dom

Xanten Dom

Xanten Dom

 

Das Eindrucksvollste in Xanten ist jedoch der Archäologische Park. Er wurde dort angelegt, wo sich die römische Stadt Colonia Ulpia Traiana befand. Ganze Gebäude wurden wieder aufgebaut möglichst nahe am Original. Es gibt eine Taverne an der Ecke, Schmiede, Handwerksstätten, Schiffbau und Wohnräume, die anschaulich zeigen, wie die Römer lebten.

Xanten Wohnraum

Xanten Wohnraum

Xanten Wohnraum

Xanten Wohnraum

Cicero und Wohnmobilisten

In einem grösseren Raum wird auf einer langen Zeitreihe die Folge der Kaiser von 30 v. Chr. bis 400 n.Chr. Dargestellt.Viele sind in Büsten auch nachgebildet. Dass moderne Nomaden, die dort zuhause sind wo ihr Wohnmobil steht, gar nicht so modern sind, stellte ich in einer Wandelhalle fest. Vor 2000 Jahren schon drückte Cicero das Gleiche aus. Und er war sicher nicht der Erste.

Xanten Kaiserfolge

Xanten Kaiserfolge

Xanten Cicero

Xanten Cicero

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