Aufbruch zu einer Friesland-Reise


Nach ein paar Tagen bei Wilhelmshaven, die hauptsächlich dazu dienten, Klarschiff zu machen, wird aufgebrochen zu einer Friesland Reise. Die Friesen siedelten von der Zuidersee die Nordseeküste entlang bis ungefähr Wilhelmshaven. Tacitus beschrieb sie in seinem Buch “Germania” als ein Volk, das auf Flächen siedelt, das von Wasser umgeben ist. Die Römer konnten die Friesen nie unterwerfen.

Mit der Zeit legten diese Friesen Deiche an, um den regelmässigen Überflutungen die Stirn zu bieten und begannen sogar, Land dem Meer abzutrotzen.

Nach vielen politischen Wirren, das Gebiet der heutigen Niederlande gehörte zum Heiligen Römischen Reich deutscher Nation, war dann mal Teil des Königreichs Burgund, dann wurde es über die Habsburger von Spanien beherrscht, Napoleon leibte es Frankreich ein, entstand in neuerer eine Grenze mitten durch Friesland, gezogen ungefähr auf der Höhe von Emden nach Süden. Seit dann wurde der Teil Frieslands, der in den Niederlanden lag,  Friesland (Frilân) genannt und der deutsche Teil Ostfriesland.

Friesisch ist neben dem Holländischen eine anerkannte Sprache in Holland und die holländischen Friesen sowie die deutschen Friesen, die noch Friesisch sprechen, verstehen sich untereinander.

Ostfriesland wird schnell durchquert. Man fährt auf ebenen, baumgesäumten Strassen. Es gibt keine Hügel oder Erhebungen ausser künstlich angeschüttete Warften, auf denen die Kirche steht und auf die man sich bei Überflutungen gerettet hat. Man passiert kellerlose Häuser mit gepflegten Gärten.

Ostfriesenhaus

Ostfriesenhaus

Ostfriesenhaus

Ostfriesenhaus

Denn das Grundwasser steht so hoch, dass es über zahlose Kanäle über Siele abgeführt werden muss. Die Siele werden bei Ebbe geöffnet und bei Flut geschlossen. Dort, wo dies nicht ausreicht, sind grosse Pumpwerke am Arbeiten, um das Land zu entwässern.

Das Land ist flach, kaum ein Baum versperrt die Sicht bis zum Horizont. Nur dort, wo sich Bauernhöfe befinden, findet man Bäume rund um das Gehöft, um vom Wind geschützt zu sein. Es ist neu gewonnenes Land, das, geschützt durch einen Deich, oft unter dem Meeresspiegel liegt. Bäume lieben keine nassen Füsse. Um die Bauernhöfe herum schaffen sie es aber, zu wachsen, weil die auf künstlich aufgeschütteten Erhebungen gebaut werden.

Flaches Land

Flaches Land

Landwirtschaftsbetrieb

Landwirtschaftsbetrieb

Eine besonders attraktive Methode, Land zu gewinnen, ist das Abtrennen einer Meeresbucht durch einen Deich. Das bekannteste Beispiel ist der “Afsluitdijk” (Abschlussdeich), der von Zurich nach Den Oever gebaut wurde und die ehemalige Zuiderzee zu einem Binnensee, dem Ijsselmeer veränderte. Im Südosten des Ijsselmeers wurde soviel Land gewonnen, dass die Region einen neuen Namen erhielt, Flevoland mit einer neuen Hauptstadt, Lelystadt. Lely war der Wasserbau-Ingenieur, der die Pläne für die Errichtung des “Afsluitdijk” erstellt hatte.

Ein weniger bekanntes Beispiel ist der Deich, der nordwestlich von Groningen das Lauwersmeer von der Nordsee abtrennt. Das ist das erste Ziel dieser Reise, das als Ausgangspunkt für das Erkunden Frilâns dienen soll.

Beim Deichkopf hat sich ein Dorf gebildet, Leuwersoog, das hauptsächlich von dem neuen Segelrevier lebt. Ausserdem gibt es direkt beim Deichkopf eine Ländte für den Fährverkehr zur gegenüberliegenden Insel Schermonnigkoog. In dem dazugehörenden Restaurant mit Blick auf Nordsee, Deich und Schleusenanlagen wird ein typisch holländisches Fischgericht verzehrt, Kippelinge. Kippelinge sind frittierte Kabeljaustückchen, die mit einer oder mehreren Saucen, Pommes Frites und etwas Gemüse serviert werden. Man findet sie überall, auch an Strassenständen. Dort werden sie in einfachen Papptellern serviert.

Schleuse bei Lauwersoog

Schleuse bei Lauwersoog

Parkplatz Lauwersoog

Parkplatz Lauwersoog

Die Übernachtung auf dem grossen Parkplatz war friedlich und einigermassen windgeschützt hinter dem Deich. Die Fahrt am nächsten Morgen über den Deich ist wenig spektakulär, denn man sieht zwar die abgetrennte “Lagune”, das Meer hingegen nicht. Es ist abgeschirmt durch einen hohen Deich, auf dessen Leeseite die Strasse entlangführt. Das setzt sich dann nach diesem Abschlussdeich fort bis nach Harlingen. Man fährt nie auf dem Deich, sondern hinter ihm. Die einzige Möglichkeit, einmal einen Blick auf das Meer zu erhaschen, ist anhalten und auf den Deich hochklettern.

Lauwersoogdeich

Lauwersoogdeich

Deich

Deich

Und das, obwohl ich immer versuche, möglichst nah am Meer entlang zu fahren, manchmal auf abenteuerlich schmalen Strässchen. Dabei komme ich an etwas vorbei, das Bienenstöcke sein könnten und ich wundere mich. Fast im Schilf versteckt finde ich ein kleines Schildchen, das erklärt, dass es sich um ein Kunstwerk eines Künstlers Roger Rigorth handelt. Das wirft ein interessantes Licht auf ein Volk, das ein Kunstwerk an einem Strässchen oder besser einem Landwirtschaftsweg aufstellt, auf dem vielleicht fünf Autos oder Trecker  pro Tag, aber auf jeden Fall keine Fussgänger  vorbeikommen.

Kunstwerk am Deich

Kunstwerk am Deich

Erklärung am Deich

Erklärung am Deich

Ich komme schliesslich in Harlingen an und finde, dass diese Art, am Meer entlang zu reisen, wenig attraktiv ist. Linker Hand flaches Land soweit das Auge reicht, rechter Hand der Deich, der immer gleich aussieht, wenn man mal von der unterschiedlichen Schafpopulation absieht. Ich werde von Harlingen aus ins Landesinnere vorstossen in der Hoffnung, die Szenerie ändert sich.

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