Stavoren, eine ehemals reiche Hansestadt


Stavoren, die älteste Stadt Frieslands

Das nächste Ziel meiner Friesland-Entdeckungsreise ist Stavoren, nicht mehr als 30 Kilometer weiter. Stavoren ist die älteste Stadt Frieslands und war einst die grösste und reichste Stadt dieses nördlichsten Gebiets Hollands. In ihr residierten auch die friesischen Herrscher, als das Gebiet noch Teil der Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation war. Die Stadt lag an der Zuiderzee und war durch Überseehandel und Fischerei reich geworden. Sie gehörte der Hanse an und spielte in ihr eine wichtige Rolle. Die Einwohner Stavorens waren exzellente Seeleute. Sie waren ähnlich wie die Hindeloopener mehr dem Meer und damit der Welt zugewandt als dem Hinterland.

Sturmfluten und Niedergang

Nach dem 13. Jahrhundert setzte der Niedergang ein, denn in Sturmfluten versanken ganze Landstriche um die Stadt herum. Stavoren selbst verlor mehr als die Hälfte seines Stadtgebiets, inklusive dem sehr reichen und weitherum bekannten Pilger-Kloster St. Odulf.

Heute liegt Stavoren nicht mehr an der Zuiderzee, sondern am Ijsselmeer. Die Idee, die Bucht, an der Stavoren liegt, durch einen “Afsluitdijk”, einen Abschlussdeich vom Meer abzutrennen, war schon sehr alt. Aber 1886 tat sich etwas Entscheidendes: es bildete sich ein Verein “Afsluitdijk”, dessen Vorsitzender ein Cornelis Lely war. 1891 legt er einen konkreten Plan für den Bau eines solchen Deichs vor. Die Fischer laufen Sturm gegen den Bau und ausserdem sind die Kosten so hoch, dass man davor zurückschreckt. 1916 bricht wieder eine Sturmflut über das Land mit vielen Todesopfern und verheerenden  Verwüstungen. Der Lely-Plan wird wieder aktuell. 1918 spricht sich das Parlament für den Bau des Deichs aus, Bedingung: es muss eine Eisenbahnlinie auf dem Deich die beiden Buchtenenden verbinden.

Der Afsluitdijk

Vorerst wird 1920 ein Versuchsdeich von 2,5 Kilometern Länge von Noord Holland zur Insel Wieringen gebaut. Die dort gewonnenen Erfahrungen fliessen in die anschliessenden Bauarbeiten des eigentlichen Abschlussdeichs ein und am 25. September 1933 ist es soweit: der Deich wird dem Verkehr freigegeben. Aus der Zuiderzee wurde das Ijsselmeer, ein See, dessen Salzwasser langsam süss wird. Im Anschluss daran wurde im südöstlichen Teil des Ijsselmeers soviel Land wieder zurückgewonnen, dass ein neuer holländischer Bezirk, Flevoland, entstand. Eine der Städte in diesem Land wurde nach dem Initiator des Deichs genannt, nämlich Lelystadt.

Stavoren ist heute ein gemütliches, kleines Städtchen mit den typischen kleinen Backsteinhäuschen, grossen, oft gardinenlosen Fenstern und Grachten mit viel Grün gesäumt. Ein Paar hat sich auf sympatische Weise ein eigenes Reich eingerichtet: der Kahn in der Gracht ist das Wohnhaus, der Grünstreifen davor wurde hübsch mit Blumen verziert und auf der Strasse parkt das Wohnmobil, wenn man mal nicht zu Wasser, sondern zu Land unterwegs sein will.

Stavoren

Stavoren

Stavoren Gärtchen

Stavoren Gärtchen

Der Hafen selbst ist überschaubar und wenn ein Schiff einläuft, ist dies eine Attraktion.

Stavoren Hafen

Stavoren Hafen

Stavoren Hafeneinfahrt

Stavoren Hafeneinfahrt

Wie die stolzen holländischen Schiffe seinerzeit auf dem Meer ausgesehen haben mögen, suggeriert das Segelschiff hoch auf dem Ijsselmeer.

Stavoren Segelschiff

Stavoren Segelschiff

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