Die Festung Bourtange und Wilhelm I von Oranien


Die Festung Bourtange gegen die Spanier

Von Borger aus sind es nur wenige Kilometer zum nächsten Ziel dieser Reise, der Festung Bourtange. Heute fährt man durch trockenes Land, aber zur Entstehungszeit der Festung um 1580 war diese Gegend Moorgebiet.

Bourtange

Bourtange

Um diese Zeit spielte sich auch der Zwist zwischen Katholiken und Protestanten ab. Die Niederländer wandten sich dem Protestantismus zu, die Habsburger Herrscher (Karl V im Dreissigjährigen Krieg) über das Heilige Römische Reiche deutscher Nation waren fanatische Katholiken. Philipp II, Sohn von Karl V, König in Spanien liess die Niederlande unter Herzog Alba mit spanischen Truppen besetzen und verfolgte die Protestanten unerbittlich. Diese Zeit ist als der 80 jährige Krieg bekannt, obwohl es Wafenstillstandspausen von bis zu 15 Jahren gab.

Protestanten (Calvinisten) wehren sich

Natürlich wehrten sich die Protestanten. Einer ihrer Führer war Wilhelm I von Oranien. Er hatte sich mit Karl V, dem Vater Pilipps II gut verstanden, aber mit Philipp II hatte er Schwierigkeiten. Die Grausamkeiten von Herzog Alba, der Philipp II in die Niederlande geschickt worden war, um “Ordnung” zu schaffen, brachten dann endgültig einen Gesinnungswandel. Wilhelm I von Oranien wurde der Führer der Protestanten. Er liess die Festung bauen. Mitten im Sumpfgebiet? Ja, denn es gab einen Durchgang, der den Spaniern von Münster in Westfalen kommend zur Versorgung von Groningen diente, ein Sandrücken quer durch das Sumpfgebiet.

Bourtange Münstertor

Bourtange Münstertor

Genau dort wurde 1580 die Festung gebaut und schnitt so die nördlichen Niederlande, insbesondere Groningen vom spanischen Einfluss ab. Etwa 10 Jahre später ergab sich Groningen den Protestanten und jetzt wurde die Festung, die ursprünglich den Weg versperren sollte, zur Grenzfestung.

Verfall von Bourtange

In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich die Kriegstechnik weiter und die Festung konnte seinen Zweck nicht mehr erfüllen. Ausserdem waren die Spanier abgezogen, die Niederlande waren in einen protestantischen und katholisch verbliebenen Teil geteilt (das heutige Belgien), die Festung Bourtange verfiel. Im Bereich der ehemaligen Festung siedelten sich Leute an und Bourtange wurde zu einem kleinen Städtchen mit Landwirtschaftsbetreiben und dem entsprechenden Handwerkern.

Auferstehung von Bourtange

Heute ist die Festung Bourtange wieder in altem Glanz auferstanden. Denn die Gemeinde Vlagtwedde sah 1968 darin eine Möglichkeit, den Tourismus in der kargen Gegend um die heutige deutsche Grenze zu beleben. Beim Spaziergang durch Bourtange könnte man glauben, die Zeit ist stehengeblieben. Ob der Tourismus wirklich angekurbelt wurde, bezweifle ich etwas bei der geringen Anzahl von Leuten. Vielleicht war aber das nasskalte und stürmische Wetter daran schuld.

Bourtange Brücke

Bourtange Brücke

Die Zugbrücken der verschiedenen Eingänge mit Schildwachhäuschen und einem veritablen Klosett mit einem einfachen Donnerbalken direkt in den Wassergraben darunter muten urchig an. Es gab sogar eine Schanze, auf der eine Mühle stand zur Versorgung der Garnison. Die Gassen laufen sternförmig zu einem Platz in der Mitte zu, wo heute einige Cafes und Restaurants um Touristen buhlen. Die Baracken und das Haus des kommandierenden Offiziers, das Pulverlager sowie eine Pferdemühle, die für den Fall erstellt wurde, dass die Windmühle zerstört würde, können alle besichtigt werden. Ausserdem wurde eine Synagoge aus späteren Zeiten wieder hergerichtet.

Bourtange Mühlenschanze

Bourtange Mühlenschanze

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