Ein Schlüssel Erlebnis


Eingeschränkte Bewegungsfreiheit

Schlösser und Schlüssel sind ein notwendiges Übel. Genau wie Türen behindern sie unsere Bewegungsfreiheit. Aber eben nicht nur unsere, sondern auch die ungebetener Gäste. Es ist wie überall, je mehr Sicherheit man will, umsomehr muss man seine eigene Freiheit aufgeben.

Besonders an einem kleinen Gegenstand wie an einem Wohnmobil gibt es besonders viele Schlösser. Nicht nur an den Zugangstüren. Es gibt je zwei Schlösser an der Heckgarage, aber dann gibt es noch weitere, manchmal sehr viele mehr oder weniger kleine Klappen für die Gasflaschen, für die Entsorgung, für kleinere Staufächer. Und alle sind mit mehr oder weniger komplizierten Schlössern gesichert.

Wenn das Schloss nicht mehr will

Mit der Zeit fällt einem auf, dass der Schlüssel nicht mehr wie gewohnt flüssig in das Schloss gleitet, sondern es hakelt ein bisschen. Bei einem Schloss etwas weniger, beim anderen etwas mehr. Dann hakelt der Schüssel zwar hinein, aber man kann ihn nicht mehr drehen, um aufzuschliessen. Nach zwei oder drei Links- und Rechtsdrehungen geht es dann doch. Aber eines Tages geht es dann zum Beispiel bei der Fahrertüre gar nicht mehr. Spätestens dann male ich mir aus, wann ich auch die Aufbautüre nicht mehr öffnen kann und ausgeschlossen bin. Jetzt suche eine Werkstatt auf.

Der Zylinder der Fahrertüre wird ausgebaut, gereinigt, geölt mit einem speziellen Öl und dann in ausgebautem Zustand ausprobiert. Geht nicht. Er wird eingebaut und wieder probiert. Geht nicht. Der Mechaniker meint, es nützt nichts, das muss ein neuer Zylinder her. Bedeutet einen zweiten Schlüssel. Nein, um Gotteswillen, das will ich nicht. Ja, dann muss er den richtigen Zylinder bei Hymer bestellen, aber das dauert vier bis fünf Wochen.

Ein beschämendes Aha-Erlebnis

Ich bin auf dem Weg nach Süden, da kann ich ja direkt bei Hymer in Bad Waldsee vorbei und ihn dort direkt einbauen lassen. Und gleichzeitig eine etwas bissige Bemerkung los werden über die Qualität der von Hymer eingebauten Zylinder. Immerhin ist das Fahrzeug ja erst vier Jahre alt! Gesagt getan. Meiner Bemerkung wird entgegnet, ob ich zufällig meinen Reserveschlüssel dabei habe. Ja, hab ich. Dann soll ich es mal mit dem probieren. Und Überraschung, er gleited ein wie geschmiert, kein Hakeln, kein Zwingen, völlig problemloses Öffnen. Das wissen sie aus Erfahrung, meint der Hymer-Mensch, entweder ist der Schlüssel etwas abgenutzt, es genügt schon ein paar hundertsel Millimeter, oder er ist verschmutzt.

Ich gehe in mich. Meinen Kindern habe ich oft gepredigt, dass man bei einem Symptom nicht auf die erste Ursache schliessen soll, die einem spontan einfällt. Im Gegenteil, man soll als erstes diese erste spontane Ursache mal auf die Seite schieben und überlegen, welche andere Ursachen es sonst noch geben könnte. Und jetzt passiert mir das hier. Ich schäme mich. Es ist wirklich ein Schlüssel Erlebnis.

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