Frankreich während der Sommer-Ferien, oh Schreck


Die Schweizerische Schwerverkehrsabgabe

Ich fahre frohgemut auf der Schweizerischen Autobahn, ich habe ja CHF 25,00 für die Schwerverkehrsabgabe am Zoll Bietingen bei Thayingen bezahlt. Aber als meine Tochter die Frage aufwirft, ob die Schwerverkehrsabgabe nicht zusätzlich zur Vignette bezahlt werden müsse, drücken Zweifel den Frohgemut etwas auf die Seite. Sie gibt mir beim Abschied noch eine Vignette mit, sie hatte zufällig noch eine in Reserve. Angeklebt habe ich sie nicht. Ich will erst beim nächsten Rastplatz, auf dem Lastwagen stehen, eine Pause machen und deren Frontscheiben mustern. Keine Vignetten, dafür einige fragende Blicke der pausierenden LKW-Fahrer. Stört mich nicht, denn ab jetzt fahre ich beruhigt weiter.

Le Pont de la Caille

Insgesamt drei Polizeistreifen sehe ich unterwegs, keine reagiert. Beim Grenzübertritt bei Genf werde ich durchgewunken, das Kapitel Vignette ja oder nein ist also abgehakt. Beim Pont de la Caille halte ich an. Wie oft bin ich hier schon durchgefahren und habe nie Photos gemacht. Ich bin hier schon durchgefahren, als es die neue Betonbrücke nebendran noch gar nicht gab und der gesamte Verkehr noch über den Pont de la Caille lief. So stellt man sich den Eingang zu einem Märchenschloss vor. Die von der Hängebrücke überwundene Schlucht ist ebenso spektakulär.

Pont de la Caille

Pont de la Caille

Schlucht Pont de la Caille

Schlucht Pont de la Caille

Ferien in Frankreich

Annecy ist kaum passierbar, Aix-les-Bains ebenso, der sonst ruhige Lac de Bourget ist gefüllt mit Booten, Luftmatratzen, Gummireifen, alles, was man als Schwimmhilfe nutzen kann. Lange, stockende Autoschlangen auf den sonst normal befahrbaren Strassen. Die Franzosen sind in den Ferien, Paris muss ausgestorben sein.

Aix les Bains, Sommerferien

Aix les Bains, Sommerferien

Die Préfecture in Perpignan überrascht mich

Ich beschliesse, umzuschalten von meiner Rentner-Gemütlichkeit in einen aus früheren Zeiten bekannten Berufs-Modus und bin zwei Tage später auf kürzestem Weg in Perpignan. Noch am Nachmittag zur Préfecture, wo hoffentlich mein Führerschein schlummert. Grosses Plakat: “Fermé les mercredis”. Naja, komme ich halt morgen wieder. Gemäss den “Heures d’ouverture” werden die Schalter um 09.00 Uhr geöffnet. Am nächsten Morgen bin ich sicherheitshalber um 08.30 Uhr dort. Eine Menge von Leuten wartet schon auf der Strasse. Warten die alle auf die Öffnung? Non, antwortet man mir, la salle est déjà plein de monde, prenez un ticket.

Perpignan Préfecture

Perpignan Préfecture

Die Tür ist tatsächlich offen und ich flüchte sofort wieder an die frische Luft, nachdem ich ein Ticket gezogen habe. In dem kleinen Raum von vielleicht 5 x 5 m sitzen schon dicht gedrängt etwa 20 Personen, die Luft ist kaum atembar. Ich bin Nummer 743, gemäss Anzeigetafel wird gerade 698 aufgerufen mit dem Hinweis unten eingeblendet, “Voraussichtliche Wartezeit: 114 Minuten”. Genug Zeit, in einem nahegelegenen Café einen Espresso zu geniessen.

Nach 100 Minuten wieder zurück, ich lege dem Beamten meine Dokumente hin und Wunder über Wunder, er zaubert aus einer Hängeregistratur meinen Führerschein hervor. Mit fällt ein Stein vom Herzen, ich war darauf gefasst, dass er wieder verschlampt worden war. Auch der Besuch bei der Sécurité Sociale erfolgt ohne Probleme, ich konnte tatsächlich am gleichen Tag alle anstehenden Behördengänge erledigen. Habe ich damals, als ich so über die französischen Beamten gelästert habe, nur ein paar schlechte Tage erwischt?

Entspannung nach erledigten Aufgaben

Die Spannung und die Geschwindigkeit meines Ganges lassen nach, ich schlendere durch Perpignan, geniesse ein Bier unter schattigen Platanen und freue mich über das abwechslungsreiche Wasserspiel der beiden Brunnen im schönen Park auf meinem Heimweg. Ich bin wieder zurück im Rentner-Modus.

Perpignan Park

Perpignan Park

Perpignan Park

Perpignan Park

Meinen während meines Zwangsaufenthalts im Januar/Februar dieses Jahres bei Loisireo (die mir den Hymer verkauft haben) gewonnenen Freunden werde ich morgen früh noch einen Besuch abstatten und dann ganz gemütlich die Mittelmeerküste wieder hochfahren in Richtung eines noch zu bestimmenden Treffpunktes mit Hady für unsere Griechenlandfahrt.

Ferien in Frankreich, alle sind weg

Loisireo ist geschlossen. Na klar, ganz Frankreich ist ja in den Ferien. Also los Richtung Mittelmeer. Ich stelle schnell fest, dass es nichts wird mit Eile mit Weile und übernachten an lauschigen Schattenplätzchen mit einem feinsandigen Strand vor der Haustüre. Es herrscht Remmi-Demmi mit Karusells, Wasserrutschen, Riesenrädern und was es sonst noch gibt, um das Volk zu beglücken. In einem logistischen Kraftakt wurde offenbar das gesamte Unterhaltungsinventar Frankreichs an die Küsten verschoben.

Remmi-Demmi

Remmi-Demmi

Unmengen von Menschen in leichten Sandalen, dünnen Höschen in grellen Farben und die männliche Variante der Spezies Mensch oft mit naktem Oberkörper bevölkern die Strassencafés, bewegen sich Richtung Strand und die gleiche Menge vom Strand weg, alle bepackt mit aufblasbaren Krokodilen und Ähnlichem. Richtige Karawanen von Leuten, die unterwegs sind. Dazwischen normal angezogene, mit Rollköfferchen im Schlepptau. Obwohl sämtliche und sogar die unmöglichsten Plätze, auf denen ein Auto abgestellt werden kann, besetzt sind, scheint es zusätzlich noch Leute zu geben, die mit der Bahn reisen.

Verkehr in Ferien

Verkehr in Ferien

Verkehr in Ferien

Verkehr in Ferien

Nein, sie sind alle da –> am Strand in den Ferien

Canet Plage, Torreilles Plage, Port Baccarès, keine Chance irgendwo auch nur anzuhalten um mal schnell in der Karte nachzuschauen, wo ich doch noch fündig für ein einsames Plätzchen werden könnte. Rechts und links alles zugeparkt, hinten wird gedrückt. Nur weg hier. Rein Richtung Land. Ich bin in Port-la-Nouvelle, muss sowieso rund um den Etang, der mir den Weg nach Norden versperrt über Sigean fast bis Narbonne, dann an der anderen Seite zurück Richtung Gruissan. Dort ist mir das Glück hold, ich finde auf halbem Wege an einem Kanal ein einsames Plätzchen. Ich geniesse die Ruhe und breite mich aus. Ab und zu kommt ein Freizeitkapitän vorbeigefahren, es wird gewunken und sich gefreut. Ich verbringe einen wunderschönen Nachmittag und beschliesse, heute einen Grillabend zu zelebrieren. Trockenes Holz liegt genug hier herum, der Grill ist schnell zusammengeschraubt. Ein gibt ein fürstliches Abendessen als Abschluss eines stressigen Tages.

Übernachtungsplatz Nähe Gruissan

Übernachtungsplatz Nähe Gruissan

Saline de Gruissan hat keine Ferien

Am nächsten Morgen weiter nach Gruissan, ebenfalls ein Ort mit einem “Plage”, also auch überfüllt. Aber nach Süden hin sehe ich Salzberge, dorthin zieht es Touristen weniger, dafür mich.

Salzbecken Saline de Gruissan

Salzbecken Saline de Gruissan

Salzberg Saline de Gruissan

Salzberg Saline de Gruissan

Riesige Salzbecken, die mit Meerwasser geflutet werden. Anschliessend werden die Becken verschlossen, das Wasser verdunstet, Salzkruste bildet sich auf dem Wasser, das wird abgeschöpft und als “Fleur de Sel” verkauft. Das Salz am Boden wird dann, wenn das Wasser noch mehr verdunstet ist, mit Rakeln herausgekratzt und zu Bergen aufgeschüttet. Nicht von Hand, maschinell mit Förderbändern und Baggern, die auf dem Salzberg das Salz verteilen. Ein Freund hat mir einmal erzählt, dass das Salz der Reisigsalinen in Bad Kreuznach nicht mehr vekauft werden darf, denn es könnte ja von Vogelkot verunreinigt werden. Hier fliegen ganze Mövenschwärme darüber und Bagger fahren rauf und runter. Die Volksgesundheit Frankreichs hat bisher keinen Schaden genommen. So unterschiedlich gross oder klein können die Gedanken von Behörden sein.

In Big-Bags abgepackt steht das Salz zum Abholen bereit. Aber auch Kleinabnehmer mit Personenwagen habe ich gesehen, die sich Mengen von fünf oder zehn Kilos holen. Geöffnet von 6.30 bis 10.30 Uhr für jedermann, auch am Samstag.

Big Bags Saline de Gruissan

Big Bags Saline de Gruissan

Geöffnet 6.30 - 10.30 Saline

Geöffnet 6.30 - 10.30 Saline

Das ganze Land zur gleichen Zeit Ferien. Ist das gut?

Und erfreulich, das Privatunternehmen hat auf seinem grossen Parkplatz ausgeschildert, dass Wohnmobile willkommen sind. Mal ein Lichtblick, denn bisher habe ich auf den Plätzen, die ich im Herbst oder im Frühjahr problemlos benutzt habe, jetzt die Höhenschranken von zwei Metern oder etwas mehr montiert gesehen. Alle normalen Parkplätze sind ebenfalls für Wohnmobile geschlossen und für die anderen kostenpflichtig von Mitte Juni bis Mitte September. Dies ist also die Zeitspanne, in der ich Frankreich in Zukunft meide. Ich stelle überrascht auch fest, dass ich offenbar nicht der einzige bin, der zu diesem Schluss kommt: die Nummernschilder der Autos, die alles versperren, sind praktisch alle französisch. Ganz selten mal ein ausländisches Nummernschild. Welcher Schaden für den französischen Tourismus durch die fehlende Staffelung der Ferienzonen! Es kommt kaum Touristen-Geld aus dem Ausland.

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