Paradies für Meeresfrüchte gefunden


Port de Vendres, Eldorado für Meeresfrüchte-Liebhaber

Ich gebe nicht auf. Nach der Flucht ins Landesinnere zieht es mich doch wieder zurück zum Meer. Es muss doch noch ein Plätzchen für Wohnmobilisten geben, die nicht von den französischem Sommerurlaubern in Beschlag genommen sind. Und ich werde tatsächlich fündig. Es gibt eine kleine Ortschaft namens Vendres südlich von Béziers. Die hat einen Hafen, der Port de Vendres heisst, nicht zu verwechseln mit Port Vendres an der spanischen Genze. Auf dem Weg dahin kreuze ich ebenfalls jede Menge Ferienparadiese, das sind Riesenplätze mit Mobilhomes, die für €1’600.– die Woche vermietet werden. Wenn man aber weiter fährt bis zum Hafen findet man einen fast leeren öffentlichen Parkplatz unter schattigen Pinien. Nur ein paar Meter weiter stehen auch Wohnmobile am Ufer der Aude.

Port de Vendres Parkplatz

Port de Vendres Parkplatz

Port de Vendres, an der Aude

Port de Vendres, an der Aude

Der Port de Vendres ist auf meiner Karte nicht einmal erwähnt, nur auf der anderen Seite der Aude ist “Les Cabanes-de-Fleury” erwähnt. Dabei gibt in diesem Port de Vendres exklusive Restaurants, die Meeresfrüchte direkt vom Erzeuger anbieten. Es scheint einen inneren Zirkel zu geben, die diesen Fleck der Gaumengenüsse kennt. Denn der Parkplatz füllt sich ab 11.30 Uhr und alles strömt in die Restaurants. Am Nachmittag leert er sich wieder um sich gegen 18.30 Uhr erneut zu füllen.

Das Ziel dieser Besucher sind vier sehr einfache Restaurants, die teilweise direkt an die Langusten- und Austernschuppen, in denen die Fänge verarbeitet werden, angeschlossen sind. Ein weiterer Fischer bietet kein Restaurant, sondern fertige Plateaus voll Meeresfrüchte zum mitnehmen an. Die Meeresfrüchte kommen hier am Morgen an. Und die Leute schlemmen. Im Restaurant kann man wählen zwischen einem Plateau voll Meeresfrüchte zwischen €16.00 bis zur Luxusvariante für €80.00. Das Plateau zu €16.00 enthält neben anderem immer noch sechs Austern.

Port de Vendres, Plateaux

Port de Vendres, Plateaux

Port de Vendres, Gäste

Port de Vendres, Gäste

Meeresfrüchte richtig frisch

Es herrscht Lebensfreude. hier sieht man, dass Franzosen ihr Geld lieber fürs Essen als für eine Beule an ihrem Auto oder eine Hausreparatur ausgeben. Und man stelle sich das Gefühl vor, wenn das Essen direkt aus dem Meer, kurz zwischengelagert in den Becken der Fischerhütten, direkt auf den Tisch kommt.

Port de Vendres, Austernbecken

Port de Vendres, Austernbecken

Port de Vendres, Restaurants

Port de Vendres, Restaurants

Ich bleibe drei Tage hier und geniesse die entspannte Atmophäre. Mit dem Fahrrad fahre ich die Aude hoch und erkunde die Gegend. Der Hafen selbst liegt direkt neben den Restaurants und viele Restaurantbesucher machen einen Rundgang, um die Fischer bei der Arbeit zu beobachten.

Der anschliessende Weg über Valras Plage, Agde, Marseillan nach Meze ist nicht prickelnd, überall das gleiche Bild: soviele geparkte Autos rechts und links dass es nicht mal Platz zum kurz Anhalten gibt, um einen Orientierungsblick in die Karte zu werfen. Unterwegs sehe ich “Cascadeurs”, die hier von Ort zu Ort fahren, um ihr Stück vom Ferienkuchen abzuschneiden.

Cascadeurs

Cascadeurs

Erneut Meeresfrüchte in Mèze

In Mèze wird es langsam Zeit, einen Schlafplatz zu suchen. Da es auf normalem Wege fast aussichtslos ist, biege ich gerade nach Meze auf eine Art abenteuerlichen Feldweg ein, voll von Schlaglöchern mit einem Wegweiser, der etwas wie Meeresfrüchte sagt. Es wird eng und enger, ich komme an einer Reihe von Gebäuden vorbei, die nur einen Raum zu enthalten scheinen. Ausserdem stehen jede Menge Paletten-Behälter herum, die mit Austernschalen gefüllt sind. Nirgends ein Mensch. Kurz bevor der Weg zu Ende ist, öffnet sich ein grösserer Platz mit Sicht auf den Etang de Thau. Dort stelle ich mich hin und betrachte meine Umgebung genauer. Vor jedem Gebäude Richtung Etang stehen Stahlgerüste, die dazu dienen, mittels eines Krans ein Flachboot nach oben zu heben. Weiter draussen im Etang die Holzgerüste, an denen die Austernderen Schalen hier omnipräsent sind, gezüchtet werden. Wie wird wohl hier gearbeitet?

Meze Austernschalen

Meze Austernschalen

Meze Flachboote

Meze Flachboote

Die Verarbeitung der Austern

Der Abend senkt sich langsam und friedlich über den Etang. Es wird eine ruhige Nacht. Nicht ganz, um Ungefähr 6:30 Uhr geht draussen ein Riesenlärm los. Ist das Austerngeschäft derart lärmintensiv? Verschlafen schiele ich nach draussen und sehe die Müllabfuhr, die die Behälter mit den Austernschalen leert. Nach etwa 20 Minuten ist der Spuk vorbei und Ruhe kehrt zurück. Aber nicht lange, jetzt höre ich Boote heranrauschen, voll gepackt mit runden Gummibehältern. Die Gummibehälter gefüllt mit Austern. Das Boot wird inklusive Behälter mit dem Kran hochgehievt und dann der Inhalt der Behälter auf eine Art Förderband geschüttet. Vom Förderband wandern die Austern in eine Trommel, in der sie unter strömendem Wasser von Schlamm befreit zu werden.

Meze Boote kommen an

Meze Boote kommen an

und werden entladen

und werden entladen

Das Ende der Trommel ragt in das Gebäude hinein, wo die Austern auf einen Arbeitstisch fallen. Ich wage einen Blick in eines der Gebäude und sehe zwei Frauen, die die Austern mit einer Art Hackmesser bearbeiten. Sie freuen sich über die Abwechslung, die ich bringe und erklären mir ihre Arbeit. Jede Auster hat auf der Schale eine weissliche gallertartige Masse sitzen, die mit dem Hackmesser entfernt wird. Auch tote Austern werden aussortiert. Diese toten Austern und die gallertartige Masse wandern in die grossen Palettbehälter, die heute morgen von der Müllabfuhr geleert wurden. Die geputzten Austern wandern in grosse Säcke zum Versand. Ich vermute jetzt einmal, dass die Austern von Port de Vendres von hier kommen. Denn dort habe ich keine Austernbänke gesehen.

Austernfrauen

Austernfrauen

Austern ungeputzt und ihr Abfall

Austern ungeputzt und ihr Abfall

In Oleron vor Jahren und gestern in Port de Vendres habe ich schon Austern probiert. Hier in Meze habe ich gesehen, wieviel Arbeit dahinter steckt. Und ein Dutzend besonders schöne Austern wurden für mich geöffnet zu einem wirklich aussergewöhnlichen und unerwarteten Frühstück.

Die Austernfischer sind alles Einzelunternehmer. Jeder hat ein Gebäude mit der beschriebenen Einrichtung mit Boot und Parzelle draussen im Etang, auf denen er seine Austern züchtet. Aber nicht alle arbeiten offenbar gleichzeitig, denn ich habe nur aus etwa sechs Gebäuden Arbeitslärm gehört. In einem Dorf weiter, in Bouzigues, habe ich auch einige Installationen mit angeschlossenem Austernrestaurant wie in Port de Vendres gesehen. Frischer geht es kaum. In Port de Vendres habe ich eine solche Verarbeitung nicht gesehen. Hier bin ich offenbar noch dichter an der Quelle der Meeresfrüchte.

Les Demoiselles Dupuy

Les Demoiselles Dupuy

Dégustation ouvert

Dégustation ouvert

Ich werde möglichst keine Austern mehr in irgendeinem Restaurant essen, sondern mich in solchen Quellen delektieren.

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