Weisse Trüffel in Alba, erste Station in Italien


Die Route de la Bonette muss man erlebt haben

Die Abfahrt vom Pass nach Italien ist ebenso spektakulär wie der Aufstieg. Eines fällt aber sofort auf: die Qualität der Strasse ist wesentlich schlechter als in Frankreich. Weiter unten durchquere ich erste Dörfer, die Strasse ist so schmal, dass über rote Ampeln Alternativverkehr gesteuert wird. Zwei Lastwagen könnten sich nicht kreuzen.

Achtung, ganz andere Fahrweise

Am Fuss des Tales geht es dann ziemlich langweilig und langsam ähnlich weit in die Poebene, wie von Nizza an den Fuss der Berge. Im Gegensatz zu Nizza fährt man aber eben nicht auf einer autobahnähnlichen Strasse, sondern Stop and Go auf der weiterhin schmalen und schlechten Strasse. Aber Catch as Catch can. An vielen Italienern sind Rennfahrer verloren gegangen. Sie fahren schnell, zappelig und nervös. Auch eine neue Verkehrsregel lerne ich kennen: eine einfache oder doppelt durchgezogene Linie ist mitnichten ein Überholverbot. Und gefahren wird wesentlich schneller als in Frankreich. Tempolimiten sind offenbar nur Empfehlungen.

Haselnuss-Plantagen

Rechts und links tauchen zuerst einzelne, dann ganze Plantagen von Haselnussbüschen auf. Tatsächlich, hier konzentriert man sich auf Haselnüsse. Es gibt Plantagen mit ausgewachsenen riesigen Büschen, daneben Neuanpflanzungen. Ähnlich wie um Cuneo, wo man kilometerweit durch Kiwi-Plantagen fährt, allerdings hier doch nicht so dicht.

Die Poebene ist flach wie Friesland, man sieht kilometerweit und das Womo scheint von ganz alleine zu laufen im Gegensatz zu den Alpen, wo man es entweder den Berg hoch zwingen oder den Berg runter bremsen musste. Ein starker Rückenwind, der die Bäume und Büsche heftig schüttelt, hilft offenbar.

Alba, die Hauptstadt des weissen Trüffels

Mein Ziel ist Alba, gemäss Karte sehenswert und die Hauptstadt des weissen Trüffels. Ich komme am späten Nachmittag an, suche erstmal einen Schlafplatz und werde etwas abseits vom Corso d’Italia fündig. Eine ruhige Seitenstrasse, schattenspendende Bäume rechts und links der Strasse und die Richtung des Satelliten liegt genau in Richtung der Strasse. Der Fernsehabend ist sichergestellt.

Am nächsten Morgen mit dem Fahrrad den Corso d’Italia hinunter um beim Piazza Michele Ferrero die Altstadt zu betreten. Michele Ferrero ist der Vater der “Küsschen” und 2015 gestorben. In Anbetracht seiner Leistungen trägt dieser Platz nun seinen Namen.

Alba Piazza Michele Ferrero

Alba Piazza Michele Ferrero

Die Via Vittorio Emanuele hinunter zur Tourist Info in der Piazza di Risorgione treffe ich vor der Cattedrale die San Lorenzo auf einen Trauerfall und kann mich nicht zurückhalten, einen Maserati besonderer Bauart zu knipsen.

Cattedrale San Lorenzo

Cattedrale San Lorenzo

Maserati etwas anders

Maserati etwas anders

Alba existiert in zwei Versionen: die aktuelle oberirdische und die römische Stadt darunter, die sich unter ganz Alba durchzieht und durch die es Führungen gibt. Alba steht effektiv auf römischen Gemäuern, die manchmal auch zu Tage treten. Eine andere Sehenswürdigkeit sind die Wohntürme der Adligen aus dem Mittelalter. In Italien haben sich die Stadtstaaten entwickelt, aber es ging noch enger: konkurrierende Familien innerhalb eines Stadtstaats. Die Wohntürme dienten drei Zwecken: natürlich zum Wohnen, aber daneben schützten sie besser vor Angriffen als Paläste und drittens eigneten sie sich plakativ, die Macht der Besitzerfamilie zu demonstrieren. Je höher der Turm, je grösser die Macht.

Alba römische Gemäuer

Alba römische Gemäuer

Alba Torres

Alba Torres

Ich schlendere die Via Cavour runter und trinke einen Kaffee in einem Strassencafé. Wie bringen die Italiener das fertig, einen solchen Kaffee zu brauen. Ich habe in Spanien, Portugal, Frankreich diese kleinen Kaffees getrunken, aber das ist kein Vergleich mit der Geschmacksexplosion, die ich hier erlebe. Ich bin in Italien angekommen. Was mich auf der anderen Seite wundert: ich sehe nirgends irgendeine Reklame geschweige eine einfache Erwähnung der weissen Trüffel. Ich dachte, Alba sei die Hauptstadt der weissen Trüffel?

Dafür komme ich auf dem Rückweg an einer Kirche mit einer eigentümlichen Fassade vorbei: dem Complesso della Maddalena. Wenn man eintritt, ist man überrascht: reinstes Barock. Die Säulen sind aus echtem Marmor, alles darin ist echt. Das im Gegensatz zu vielen gemalten Marmorsäulen in anderen Kirchen.

Alba Maddalena

Alba Maddalena

Alba Maddalena innen

Alba Maddalena innen

Ganz in der Nähe ist das Museum Frederico Eusebio mit tollen Erklärungen der Stadtgeschichte Albas, von der vorgeschichtlichen Zeit bis heute. Besonders das Mittelalter vom Verfall des Römischen Reiches an ist sehr verwirrend. Wer alles besass da Alba: die Savoyer, die Spanier, die Franzosen, die Österreicher, zwischendurch wieder selbständig als Stadtdtaat. Etwas ermüded verlasse ich das Museum.

Asti, die Hauptstadt des Asti Spumante

Nur etwa 50 Kilometer weiter auf meinem Weg nach Triest liegt Asti. Die Heimatstadt des Asti Spumante darf ich sicher nicht links liegen lassen. Die Qualität der Strassen ist nach wie vor schlecht, es rumpelt und scheppert, die Gläser klirren im Schrank und die Pneus müssen einiges aushalten. Auf den Feldern wird Mais geerntet, er ist aber nicht grün, sondern braun-gelb. Ich suche Weinreben, sehe aber keine. Bis nach Asti rein – keine Weinreben. Wo kommt der Asti Spumante her?? Bei der Annäherung an Asti fällt mir am Navi auf, dass es am Rande der Altstadt einen Riesenplatz gibt. Er stellt sich tatsächlich als ein sehr grosszügiger Parkplatz heraus.

Asti von oben

Asti von oben

Asti Campo del Palio

Asti Campo del Palio

Es ist der Campo del Palio, wo einmal im Jahr auf ungesattelten Pferden um die Wette geritten wird. Wer kennt nicht den Palio de Siena, aber der Palio von Asti scheint der älteste in Italien zu sein.

Asti Palio

Asti Palio

Asti Palio

Asti Palio

Das Tourist Office ist nur ein paar Schritte entfernt am Piazza Alfieri, ich werde grosszügig mit Material versorgt. Asti ist noch reicher mit Sehenswürdigkeiten gesegnet. Palazzi, Kirchen, Museen, Klöster und auch Wohntürme. Ich kann nicht alles anschauen. Man bräuchte zwei Tage und ich muss pünktlich in Triest sein. Also schlendere ich die gemütlichen und ruhigen Gassen entlang, die Via Garibaldi Richtung Piazza San Secondo.

Asti Via Garibaldi

Asti Via Garibaldi

Asti Collegiata di San Secondo

Asti Collegiata di San Secondo

Es ist gemütlich hier. Die kleinen Gässchen münden immer wieder auf einen dazwischengestreuten Platz, der das Ganze öffnet und grosszügig macht.

Ein Stück weiter den Corso Vittorio Alfieri runter finde ich einen Wohnturm, der noch nicht von späteren Generationen mit Wohnhäusern eingekastelt wurde, den Wohnturm Torre Troiana. Er gehörte einer Familie Troiana, die ausgestorben ist. Danach ging er ins Eigentum der Stadt über. In den Unterlagen lese ich, dass die Türme hier alle viel höher waren. Als aber die Städte mächtiger wurden als die Familien, wurde ein Erlass erlassen, der die maximale Höhe eines Gebäudes festlegt. So wurden die Türme gekürzt und mit neuen Hauben versehen. Ob das in Alba auch so war?

Asti Corso Vittorio Alfieri

Asti Corso Vittorio Alfieri

Asti Torre Troiana

Asti Torre Troiana

Ich darf Asti ja nicht verlassen, ohne einen Asti Spumante getrunken zu haben. In einer der Galerien rund um die Piazza Alfieri setze ich mich an eines des Tischchen im Il Cocchi. Un Spumante per favore. Dolche o secco? Secco, per favore. Ich habe keine Weinberge gesehen, wo kommt den der Wein in Asti her? Si si, alle colline del sud. Naja, ich bin von Westen gekommen. Und das passiert in Asti, wenn man in Asti ein Glas Spumante bestellt.

Asti Lauben um Piazza Alfieri

Asti Lauben um Piazza Alfieri

Asti Spumante und Beilage

Asti Spumante und Beilage

Ein sympathischer Platz, um das Material des Tourist Office zu studieren. Die Geschichte von Asti ist ähnlich bewegt wie die von Alba. Nach der Stabilität des römischen Reiches ein ständiges Hin und Her im Kampf um die Macht der europäischen Staaten, von mächtigen Familien und von Städten, die sich mit mächtigen Mauern zu schützen versuchen. Es bleibt nicht bei einem Glas Spumante.

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