Parma und der Parma Schinken 1


Der Parma Schinken wird beworben

Die dritte im Bunde der gastronomischen Städte der Lombardei ist Parma mit seinem Schinken. Parma ist also mein nächstes Ziel. Ich komme am späten Nachmittag an und nach etwas Suchen finde ich einen ruhigen Schlafplatz nur etwa 1 km vom Stadtzentrum.

Die Nacht wird etwas unruhig, denn in den vergangenen 6 oder 7 Wochen hatte ich meine Schlafdecke in den Kofferraum geräumt. Es war immer so warm, dass ich ohne Zudecke schlief. Ungefähr um 2.00 Uhr fing ich an zu frösteln, es kam ein veritabler Temperatursturz auf ca. 20°C und ich musste rausklettern und meine Decke holen.

Frostiges und nasses Parma

Am Morgen dann noch ein Sturzregen. Wie trübselig scheint mir das Leben, wenn es kalt ist und regnet. Gegen Mittag tröpfelt es nur noch, ich ziehe meine Ragenjacke an und radle ins Stadtzentrum, am Bahnhof vorbei mit einer martialischen Statue. Links und rechs eines triumphierenden Vittorio Botterio liegen zwei Gestalten, die Eingeborene darstellen könnten. Diese Art der Volksverdummung sollte der Vergangenheit angehören.

Parma Denkmal Bahnhof

Parma Denkmal Bahnhof

Parma Piazza Garibaldi

Parma Piazza Garibaldi

Parma und die Piazza Garibaldi

Nur ein paar Meter weiter bin ich auf der Piazza Garibaldi. Welch Zufall, die Tourist Info von Parma ist genau hier an der Ecke. Der Himmel zeigt blaue Stellen, aber dort, wo ich bin, tropft es immer noch und ich bin schon recht durchnässt. Dann gibt es einen Lichtblick: an einer Ecke der Piazza Garibaldi erspähe ich etwas, was ich in Alba und Asti vermisst habe: Reklame für die Stadtspezialität. Und die Leute geniessen es. Eine Gruppe Italiener führt ein japanisches Ehepaar gesten- und lautreich in die lokalen kulinarischen Geheimnisse ein. Ich geniesse die Atmosphäre bei einer schönen Platte Schinken und einem Bicchiere di Vino DOC dei Colli di Parma und stelle überrascht fest, dass der auch frizzante ist.

Parma Schinkenwerbung

Parma Schinkenwerbung

Parma Schinken Kasse

Parma Schinken Kasse

Parma ein Schinkenbrötchen

Parma ein Schinkenbrötchen

Parma Geniesser

Parma Geniesser

 

Viel Stadtbesichtigung liegt bei dem Regenwetter nicht drin. Wenn mal eine Pause ist, schnell zum Dom, der gerade um die Ecke liegt. Ganz anders der Stil in der Poebene als in Frankreich um das Jahr 1000. Der Dom sollte einmal zwei Türme mit der Fassade dazwischen haben, bei einem Turm ist es geblieben. Dafür steht gerade nebenan ein einzigartiges Baptisterium, ein achteckiger Bau mit einem achteckigen Taufbecken aus ca. 1250.

Parma Piazza Dom und Baptis

Parma Piazza Dom und Baptis

Parma Baptisterium

Parma Baptisterium

Parma bei schlechtem Wetter

Es gäbe noch so viel anzuschauen, z.B. den Parco Ducale mit seiner Überfülle von Kunstwerken, aber so schnöde Dinge wie schlechtes Wetter und eine nasse Hose lassen die Neugierde erlahmen und mich den Weg heimwärts anstreben, wo ich meine nassen Klamotten in der Dusche aufhängen und die Heizung anschalten kann. Ausgiebiges Parma, du musst auf meinen nächsten Besuch warten.

Vor Mantua hat der Herr wahrlich unbefahrbare Strassen gesetzt

Sonst liegt auf meinem Weg noch Mantua. Der Weg dahin ist mit seelischen Schmerzen gepflastert, denn die Strassen sind ein einziger Steinbruch. Es gibt wohlmeinende Schilder, die unebene Strassen anzeigen und die Geschwindigkeit auf 50 km/h nicht etwa nur in Stadt- oder Dorfnähe, sondern kilometerweit über freies Land begrenzen. An die halte nur ich mich, respektive ich fahre eher noch langsamer. Denn ich fühle mit dem Ächzen meines Fahrzeugs. Die Italiener brettern nicht mit 50 km/h, sondern mit mindestens 80 km/h darüber. Denn wie gesagt, Geschwindigkeitsbeschränkungen sind hier unverbindliche Empfehlungen. Als obrigkeitshöriger Germane fällt man hier deutlich als Störfaktor auf. Allerdings bin ich “maskiert” mit meinem französischen Nummernschild.

Ich muss auf der anderen Seite zugeben, dass die Signalisation nicht nur manchmal idiotisch ist. Ich könnte viele Beispiele aufzählen. So gesehen, habe ich ein gewisses Verständnis, dass man idiotische Gebote nicht befolgt, sondern den gesunden Menschenverstand walten lässt.

Mantua bei Nacht

Mantua taucht am Horizont auf. Mantua ist auf einer Seite von einem See umgeben und die Strassen auf dieser Seite sind für alles, was mehr als 3,5 To wiegt, gesperrt. Mein Navi schickt eine Warnung nach der anderen los. Ich ignoriere sie standhaft und nehme mir vor, beim nächsten möglichen Halt mein Gewichtsnotierung von 4,5 auf 3,5 To zu ändern. Im Moment ist Anhalten und einen stillen Platz suchen unmöglich. Notgedrungen beehre ich den offiziellen Mantua Campingplatz. Das nächste Mal werde ich auf der seeabgeandten Seite bleiben.

Mantua

Mantua

Ich radle noch am Abend dann über die Seebrücke in die Stadt, um doch noch ein wenig lokale Atmosphäre zu spüren. Muss aber sagen, Mantua ist schon zu gross, die Gemütlichkeit von Asti oder Parma spüre ich hier nicht. Und um Photos zu machen ist es auch schon zu dunkel.

Nachricht über unser Treffen

Am nächsten Morgen bekomme ich eine What’s App-Meldung, aus der ich schliesse, dass Hady frühestens in etwa einer Woche in der Gegend sein wird. Wenn ich die Strecke zwischen Mantua und Triest direkt durchfahre, habe ich noch eine Woche Zeit, Istrien zu erkunden. Ich funke also zurück, dass ich Rijeka als Treffpunkt vorschlage.

Ich komme viel früher als geplant in Triest an, denn überraschenderweise sind die Strassen hier gut. Es fällt mir auch auf, dass die Leute hier viel besonnener fahren. Ist das ein anderes Volk?

Triest habe ich mir immer als schmutzige Hafenstadt vorgestellt. Welch angenehme Überraschung, die Gebäude sind strahlend weiss, keine Hektik, es gibt sogar Parkplätze direkt an der Strandpromenade.

Triest Rathaus

Triest Rathaus

Triest Pier

Triest Pier

Von schmutzigem Industriehafen mit Kränen usw. sieht man hier gar nichts. Er scheint weit weg hinter einer Landzunge zu liegen. Von hier aus läuft ja die Pipeline Triest – Ingolstadt, die ja ständig mit Rohöl gefüllt werden muss. Aber von dieser Aktivität spüre ich nichts.

Auf der Piazza Unità d’Italia setze ich mich in ein Kaffee unter Sonnenschirmen und studiere die Unterlagen, die ich in der Tourist Info bekommen habe. Mit einem neben mir sitzenden älteren Herrn komme ich ins Gespräch. Er kommt aus Belgrad und kommt seit mehr als 40 Jahren regelmässig hierher um ein paar Stunden zu verbringen. “Wie ging denn das in der Zeit des Eisernen Vorhangs?” frage ich. Er habe nie ein Problem damit gehabt oder ein Visum gebraucht. “Dann waren Sie entweder Diplomat oder ein Spion?”. Er lacht. Jugoslawien war nie erzkommunistisch und habe damals innerhalb des kommunistischen Blocks einen Sonderstatus gehabt.

Die Piazza Unità d’Italia soll gemäss einem Schild der grösste, der See zugewandte Platz Europas sein. Wenn ich mich recht erinnere, reklamiert der Praça de Mercado in Lissabon das Gleiche für sich. Wie dem auch sei, man merkt immer noch, dass Triest in den Zeiten der Habsburger der grösste Hafen Österreichs war. Ich schlendere noch etwas in der Altstadt über den Börsenplatz. In der Börse hat auch die österreichische Botschaft ihren Sitz.

Triest Piazza Unità d'Italia

Triest Piazza Unità d'Italia

Triest Börsenplatz

Triest Börsenplatz

Slowenien liegt nur ein paar Kilometer weiter, ich möchte direkt nach Kroatien durchfahren und Autobahn vermeiden, denn ich habe im Internet Warnungen gelesen, dass die Maut reine Abzocke sei. Ich treffe aber auf diesem Weg auf keinerlei Autobahn, sondern schliesslich auf etwas, das wie eine Grenze aussieht. Und tatsächlich, ich bin an der kroatischen Grenze und ich muss meinen Pass zeigen. Es ist schon spät und ich will noch an die Küste, um einen Schlafplatz zu suchen. Ich habe in einigen Publikationen gelesen, dass frei stehen verboten ist. Das steht aber im Widerspruch mit diesem Schild, das ich an jedem Platz in der Nähe des Wassers sehe. Wenn Freistehen generell verboten wäre, bräuchte es doch diese Schilder nicht? Ich suche mir einen Platz ohne dieses Schild immer noch innerhalb der Stadtgrenzen von Umag und verstecke mich noch zusätzlich zwischen zwei Lastwagen.

Schild ominipräsent

Schild ominipräsent

Istrien Versteck

Istrien Versteck


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