Istrien, ein viel besuchtes Touristenziel


Das touristische Istrien

Am nächsten Morgen laufe ich in die Altstadt von Umag, sie ist so nah, dass es nicht lohnt, das Fahrrad rauszunehmen. Umag mit alter Bausubstanz, schmalen hübschen Gässchen und schönen Plätzen liegt auf einer Landzunge, d.h. umgeben von Wasser. Viele hochsommerlich gekleidete Touristen tummeln sich hier, vor allem Italiener, Österreicher und Deutsche. Entsprechend ist das Angebot: Restaurant an Restaurant, Verkaufsstände für allerlei Mitbringsel, Handwerkerkunst und Kitsch reiht sich an der Strandpromenade auf.

Umag ist aber auch eine Hochburg des Sports, vor allem Tennis. Im August findet hier das Croatia Open statt.

Istrien Umag

Istrien Umag

Istrien Umag Tenniscourt

Istrien Umag Tenniscourt

Der nördlichste Zipfel in Istriens Westen ist Savudrija. Von dort will ich meine Istrien Erkundung starten. Auf dem Weg dahin fahre ich durch lockere Wälder aus Fichten, Korkeichen, Zypressen, in denen sich ein Camping nach dem anderen befindet. Ein solche Dichte habe ich noch selten gesehen. Savudrija selbst ist ein Fischerhafen mit sympathisch wenig touristischem Angebot. Dafür gibt es hier einen Leuchtturm, den man mieten kann.

Istrien Strasse nach Savudrija

Istrien Strasse nach Savudrija

Istrien Savudrija

Istrien Savudrija

Ich fahre ins Landesinnere nach Buje. Buje ist eine römische Gründung. Die von ihnen errichtete Stadtmauer stützt immer noch einen schönen Platz, von dem man eine wunderschöne Rundsicht über das Land bis zur See hat. Eine Kirche mit verfallendem Friedhof steht auf einem ehemaligen Tempelplatz und weckt eigentümliche Gefühle.

Istrien Buje

Istrien Buje

Istrien Buje Aussicht

Istrien Buje Aussicht

Kirche auf Tempelplatz

Kirche auf Tempelplatz

Pietro, geboren 1776

Pietro, geboren 1776

 

Weiter nach Livade. Die Strasse windet sich eine Bergkette hoch mit dichten Maquis rechts und links. Übermannshohes dorniges Gestrüpp, oft überragt von Steineichen und einzelnen Zypressen. Auf der anderen Seite geht es hinab ins Mirnatal Richtung Novigrad.

Livade ist ein kleines Nest mit weniger als einem Dutzend Häuser. Berühmt wurde es, weil dort 1999 ein Herr Zigante einen weissen Trüffel mit 1,31 kg fand und damit seinen Weg in das Guinness Buch der Rekorde schaffte. Auf dem Weg dahin komme ich an Motovun vorbei hoch auf einem Hügel liegend. Motovun ist so befestigt, dass es nie erobert wurde.

Istrien Motovun

Istrien Motovun

Herr Zigante betreibt eine Trüffelverarbeitungsfabrik. Viele Leute streifen hier in der trüffelreichen Gegend mit abgerichteten Hunden durch die Wälder und liefern sie bei ihm ab. Im Winter findet man die weissen, im Sommer die schwarzen. Die weissen sind wesentlich teurer, da intensiver im Geschmack.

Istrien Livade Trüffelsucher

Istrien Livade Trüffelsucher

Livade Trüffelsucher

Livade Trüffelsucher

In der Trüffelfabrik werden hunderte Produkte rund um Trüffel hergestellt. Vom Trüffel in Öl eingelegt über Trüffelpaste bis zu Käse mit Trüffeln oder Trüffelöl sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Im angeschlossenen Laden darf man kosten und im angeschlossenen Restaurant dinieren zu fürstlichen Preisen. Herr Zigante wird Trüffelkönig genannt.

Istrien Livade Zelte Zigante

Istrien Livade Zelte Zigante

Istrien Livade Zigante Trüffelshop

Istrien Livade Zigante Trüffelshop

Das Restaurant ist gut besucht, die Leute kommen von sehr weit her in dieses kleine Nest, das nur aus Zigante Gebäuden zu bestehen scheint. Mit Zelten wird die Kapazität erhöht. Es gibt vier Menus, vom Royal Prestige für ca. €190.00 bis zum Bronze für ca. €80.00.

Istrien Livade Zelte Zigante

Istrien Livade Zelte Zigante

Istrien Livade Bronze €80.00

Istrien Livade Bronze €80.00

Ich darf mir noch die Fabrik anschauen und bin überrascht über die Mengen, die hier verarbeitet werden. Ich sehe die Anlieferung in Kisten, die über schräge Förderbänder ganz ähnlich wie die, die ich bei den Austernfischern in Mèze gesehen habe, in die Fabrikation geleert werden. Ausschliesslich schwarze Trüffel werden zur Zeit verarbeitet. Im Sommer gibt es von den weissen nicht so viele. Ein Gläschen mit weissen Trüffeln in Olivenöl eingelegt und “Best before März 2019″gönne ich mir.

Im Ort gibt noch eine andere Sehenswürdigkeit, das Museum Parenza. Eine Schmalspurbahn, die zu Österreichs Zeiten Triest mit Porec verband und heute durch drei Länder führen würde. Wie sehr sich die geographischen Schwerpunkte doch mit neuen Grenzen verschieben!

Trüffelgläschen

Trüffelgläschen

Parenza Triest - Porec

Parenza Triest - Porec

Dann gehts weiter nach Novigrad, italienisch Cittanova. Hier wird mir klar dass “grad” Stadt heisst. Novigrad liegt auf einer Halbinsel an der Mirnamündung. Die Halbinsel ist aber recht jung, denn noch im 18. Jahrhundert war Novigrad eine Insel. Die Landverbindung wurde erst Anfang 1800 durch Aufschüttung gewonnen.

Novigrad ist bei Touristen sehr beliebt, ein hübsches, mittelalterliches Städtchen mit einem grossen Yachthafen und viel Grünflächen darum.

Istrien Novigrad

Istrien Novigrad

Istrien Novigrad Grünfläche

Istrien Novigrad Grünfläche

Von nun an begleiten mich Trüffel überall. Sei es in den Restaurants, auch wenn vordergründig mit “Fleisch mit Beilage” geworben wird, auf den Speisekarten gibt es Trüffelgerichte. Sei es an den Ständen, an denen neben unzähligen Trüffelvarianten auch Grappavarianten angeboten werden. Grappa mit Honig, Grappa mit Orange und und und. Trüffel auf Istrien sind omnipräsent und ich dachte, das sei in Alba so.

Istrien Stand

Istrien Stand

 

Auch in Porec ist es so, hier fallen mir erstmals die grobgepflasterten Kalksteinstrassen auf. Der Kalkstein ist von den vielen Füssen glänzend poliert, das sieht sehr sauber aus. Porec war in der K&K-Monarchie der beliebste Ferienort. Heute ist das nicht anders.

Istrien Porec Platz

Istrien Porec Platz

Istrien Porec kalkgepflastert

Istrien Porec kalkgepflastert

Porec weist aber eine aussergewöhnliche Sehenswürdigkeit auf: einen Basilikakomplex, dessen Wurzeln noch in die römische Christenverfolgung reicht. Unmittelbar nach dem Konstantin Edikt von 313 nC wurde sie von einem Bischof Euphrasius erbaut und gilt als ein einzigartiges Zeugnis frühchristlicher Architektur. Im Baptisterium sieht man, dass die Frühchristen zur Taufe echt noch ins Taufbecken stiegen.

Istrien Porec Basilika Baptisterium

Istrien Porec Basilika Baptisterium

 

Vom Glockenturm aus geniesse ich eine tolle Aussicht über die Umgebung. Die Glocken allerdings sind kaum aus dem 4. Jahrhundert.

Istrien Porec Basilika Aussicht Glockenturm

Istrien Porec Basilika Aussicht Glockenturm

Istrien Porec Basilika Glocken

Istrien Porec Basilika Glocken

Der Sitz des Bischofs befand sich ebenfalls in diesem Basilika Komplex. Ich stelle fest, dass schon zu den damaligen Zeiten die Bischöfe fürstliche Anspüche hatten. Oder wurden die erst später angebaut?

Istrien Porec Basilika Bischofspalast

Istrien Porec Basilika Bischofspalast

 

Das Prunkstück aber ist die Basilika selbst. Die byzantinischen Mosaike bestehen ausschliesslich aus Halbedel- und Edelsteinen.

Istrien Porec Basilika

Istrien Porec Basilika

Istrien Porec Basilika

Istrien Porec Basilika

Die nächste Etappe ist Vrsar. Ich stelle einen Zielpunkt an der Küste ein und lande schnurstraks im grössten Nudistencamp, das auf Istrien existiert. Rückwärtsgang. Suche nach einem Zugang zum Meer ist ergebnislos, entweder ist er versperrt durch riesige, teure Parkplätze oder durch das Nudistencamp. Auch viel zu viel Trubel. Ich wollte von hier mit dem Fahrrad um den Limski Fjord fahren, aber ich ziehe es vor zu flüchten.

Die Strasse muss weit ins Landesinnere, denn es gibt keine Brücke über den Fjord. Am Ende des Limski Fjords scharf nach rechts führt eine Stichstrasse doch noch runter, natürlich zu Verlaufsbuden mit “Handwerkskunst”, Trüffeln, Grappa und alles, was das Touristenherz begehrt.

Istrien Limski Fjord

Istrien Limski Fjord

Istrien Limski Fjord

Istrien Limski Fjord

Das Süsswasser mit dem angrenzenden Salzwasser eignet sich hervorragend für die Austernzucht, die hier betrieben wird. Das hier am Hafen liegende Restaurant bietet entsprechend auch Austern an, Austernfarmen oder Austerverarbeitung habe ich hingegen nicht gesehen.

Rovinj auf der anderen Seite des Fjords sieht mir jetzt schon genau so aus wie die bisher gesehenen Istrischen Orte an der Küste. Mittelalterliches Städtchen, hübsche Gassen, die zum Schlendern einladen, ein Unmenge von Restaurants, die auf Touristen hoffen. Stände, die neben den allgegenwärtigen Trüffeln, Grappa und Souvenirs anbieten. Die Bilder beginnen, sich zu gleichen.

Istrien Rovinje

Istrien Rovinje

Istrien Rovinje

Istrien Rovinje

Rovinje war auch mal eine Insel und wurde durch Aufschüttung zur Halbinsel.

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