Die kroatische Küste und Dalmatien


Pula, die Römerstadt

Dalmatien winkt schon, aber vorher noch Pula und dann die Ostküste Istriens hoch. Pula liegt am südlichen Zipfel Istriens und ist das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum Istriens. Obwohl bei der Annäherung die mächtigen Hafenanlagen mit ihren Kränen, Schiffen und Kaianlagen sichtbar sind, spürt man in der Innenstadt keine Auswirkung des Hafens. Es herrscht hier genauso viel touristisches Treiben wie in den anderen Touristenorten an der Westküste.

Und doch ist etwas anders: wenn man in Pula wie in den anderen Touristenorten durch die Gassen schlendert, stösst man auf Schritt und Tritt auf Überreste, die die Römer hinterlassen haben. Triumphbogen, Forumsplatz, Dianatempel und ein Amphitheater mit gigantischen Ausmassen liegen dicht beeinander. Verglichen mit dem Amphitheater in Pula sind die Amphitheater in Nîmes oder Orange recht bescheiden.

Pula Triumphbogen

Pula Triumphbogen

Pula Amphitheater

Pula Amphitheater

Ist es, weil Pula näher an Rom liegt als Nîmes oder Orange? Oder weil die Liebe Vespasians zu seiner Geliebten so gross war? Er widmete es nämlich ihr als Gunstbeweis.

Pula ist nicht das einzige Touristenziel an diesem südlichsten Punkt Istriens. Pula ist übervoll von Hotels und Campingplätzen, ausladenden Yachthäfen, von ganzen Feriensiedlungen mit grossem Sportangebot und einem ausgelassenen Nachtleben. Ich erkenne später, dass im Gegensatz zu Dalamatien sich hier mehr Schwemmlandflächen gebildet haben, sodass Istrien nicht so beengt wie Dalmatien ist.

Ich kam am späten Nachmittag an und obwohl Pula so überlaufen ist, habe ich einen ruhigen Schlafplatz 10 Fahrradminuten vom Zentrum entdeckt (N44° 51′ 38,0″, O13° 52′ 15,9″), von dem aus ich am Folgetag ganz gemütlich die Stadt und Umgebung erkunden konnte.

 

Auf Richtung Dalmatien

Wenn es die letzten Tage immer nach Süden ging, so drehte sich meine Reiserichtung nun nach Norden, die Ostküste hoch Richtung Rijeka. An der Ostküste befinden sich weniger Ferienorte als an der Westküste, denn hier stürzen die Felsen sehr steil ins Meer. Die Strasse, von der man nach der Landkarte glauben könnte, sie führe meist am Meer entlang, ist in Wirklichkeit auf halber Höhe den Felsen abgerungen. Sie bietet aber nach jeder Biegung immer neue spektakuläre Sichten nach tief unten auf das tiefblaue Meer, auf Dalmatien, auf Buchten und auf die Inseln Cres und Krk  auf der Gegenseite.

Man kommt an Labin vorbei, hoch oben auf einem Felsen, von dort steil runter zum Baden nach Rabac, aber die Strasse endet dort unten. Also wieder hoch, um weiter zu kommen. Weiter zu einem Fjord bei Plomin, wo ein Kohlekraftwerk Strom erzeugt, denn um Labin wird Kohle gefördert.

Labin

Labin

Fjord bei Plomin

Fjord bei Plomin

Offensichtlich wird zudem Kohle exportiert, denn es läuft ein langes Förderband den Fjord entlang zu einer Schiffsverladestelle. Ein Schiff habe ich jedoch nicht gesehen.

Bei Brestova tauchen Fährenwegweiser auf. Denn von hier kann man auf Cres übesetzen. Halbrechts voraus sieht man schon von weitem Rijeka sich steil den Berg hoch ausbreiten, unten Wolkenkratzer, Öltanks am Hafen, weisse Kalkfelsen, wenig grün oben an den Kalkhängen. Je näher man Opadije kommt, um so dichter wird der Verkehr. Die Gegend um Opadije steht im Kontrast zu den mittelalterlichen Städtchen, die ich bisher gesehen habe. Hier spürt man etwas von vergangenem Glanz prunkvoller Gebäude. Die Gegend war der Treffpunkt der feinen Wiener Gesellschaft, die hier den Winter verbrachte.

Rijeka ist kein guter Treffpunkt, unten so viel Verkehr, dass man mitgerissen wird, weiter oben am Hang die Strassen so eng, dass ich riskiere, stecken zu bleiben. Ich trete die Flucht an auf der Schnellstrasse Richtund Krizisce und ruhe mich aus auf dem Parkplatz bei der Brücke rüber nach Krk.

Brücke nach Krk

Brücke nach Krk

 

 

 

Warten auf Hady

Dort erfahre ich, dass Hady erst in Kärnten ist. Er ist mit seinem wendigen Auto viel schneller als ich, drum fahre ich weiter nach Senj, bis dort wird er mich wohl eingeholt haben.

Senj im oberen Teil Dalmatiens ist der Schauplatz des Jugendbuchs “Die rote Zora und ihre Bande”. Es ist aber auch ein geschichtsträchtiges Städtchen, denn es ging in die Geschichte ein durch einen lange ungebrochenen Widerstand gegen zuerst die Osmanen und später gegen die Venezier. Die unzerstörte Burg über dem Städtchen, unten mit so engen und verwinkelten Gassen, dass gerade mal ein Esel durchkam, legen Zeugnis davon ab. Die Burg weist noch rechtwinklig Türme auf, man musste sich also noch nicht gegen modernere Waffen mit Rundtürmen wehren.

Senj Burg

Senj Burg

Senj mit Hafen

Senj mit Hafen

Am Nachmittag trifft Hady ein. Er ist müde, also fahren wir nicht weiter, sondern übernachten auf einem grossen, hochgelegenen Platz gerade ausserhalb Senj mit freier Sicht Richtung Dalmatien, gegenüber auf Krk, Prvic und Sveti Grgur.

Marlies finden

Am nächsten Morgen los, um Marlies zu finden. Sie wartet auf uns in Sibenik. Wir folgen der Jadranska magistrala, der sich windenden und steigenden und fallenden Küstenstrasse, die sich bis nach Montenegro immer am Berghang entlang zieht, kurvenreich und oft aus dem Berg herausgesprengt. Kroatien ist ein einziger, durch Erosion durchlöcherter Kalksteinblock mit Brocken, die herabgestürzt überall herumliegen. Zwischendurch gelingt es einigem Bewuchs, Fuss zu fassen. Flaches Land ist rar, die Klippen fallen meist steil ins Meer. Auf der anderen Strassenseite geht es hoch nach oben, weisser Kalkstein, kaum Bewuchs in der Höhe. Schwemmlandebenen gibt es kaum. Wo es mal etwas flach wird, hat sich ein Dorf angesiedelt und wo noch weniger flacher Platz ist, ein “Auto Camp”, wie die Campingplätze hier heissen. Für freistehende Wohnmobilisten ist Dalmatien ein hartes Pflaster.

In Istrien habe ich in den Nachrichten gehört (die Strassenverkehrsnachrichten kommen auch in englischer und deutscher Sprache) dass die Jadranska magistrala für Doppeldeckerbusse, Motorräder und Wohnmobile gesperrt ist, weil der Bora Bora so heftig weht. Heute weht er nicht, aber plötzliche Fallböen machen sich schon bemerkbar.

Wir schaffen es bis Zadar in ein schönes Kiefernwäldchen wenige Meter vom Hafen. Heftiger Regen dämpft aber unsere Unternehmungslust. Überraschenderweise ist der Fernsehempfang in dem dichten Wäldchen gut, so dass der Abend damit gerettet ist. Unter dem Kühlschrank dringen bei mir ein paar Tropfen Wasser ein. Ich vermute, der schräge Regen klatscht heftig gegen die Kühlschrankgitter. Neben uns steht ein weiteres Wohnmobil, unter dem sich langsam ein reissender Bach bildet. Der Besitzer wechselt schliesslich den Platz ein paar Meter weiter.

Überschwemmung in Zadar

Am nächsten Morgen hat sich der Regen verstärkt. Ganze Sturzbäche prasseln aufs Dach. Wir fahren los. Die erste Kurve ist von einem Fahrzeug mit rotierendem gelbem Licht gesperrt, es steht vor einem Gulli, aus dem das Wasser fast 40 cm hoch aus der Kanalisation auf die Strasse sprudelt. Wir versuchen es auf anderen Wegen. In Senken steht das Wasser bis zu 60 cm hoch. Weitere spühende Gullis werden von Fahrzeugen mit rotierenden Lichtern markiert und sperren so die Strasse. Um mehrere Ecken herum probieren wir es, ganz langsam durchfahren, immer auf der Hut, um noch rechtzeitig abzubremsen, falls das Vorderrad in ein Kanalisationsloch rollen sollte, dessen Deckel weggeschwemmt wurde.

Überschwemmung Zadar

Überschwemmung Zadar

Blockierte Strassen

Blockierte Strassen

Schliesslich geht gar nichts mehr, weil immer mehr Fahrzeuge stecken bleiben und den Weg versperren. Hady habe ich schon verloren. Am Nachmittag klart es etwas auf und ich kann losfahren. Später bekomme ich ein SMS, Hady hätte es geschafft und habe Marlies gefunden. Etwa eine Stunde später treffe ich auch bei ihr ein. Es regnet auch hier, nicht so heftig.

Trogir, sehr touristisch

Am nächsten Morgen werden wir, nun zu dritt, von dem Parkplatz verscheucht, auf dem Marlies auf uns gewartet hat. Er sie für die Marina reserviert. Ohne Frühstück nach Trogir, eine Empfehlung von Marlies, mit vielen venezianischen Spuren und schmalen Gässchen.

Trogir

Trogir

Trogir

Trogir

Auf dem Markt, der sehr eng ist, werden wir von einem Marktfahrer angepflaumt, wir sollen hier nicht rumstehen vor seinem Stand. Wir versperrten seinen Stand für Leute, die was kaufen wollen. Das stimmt mit einer Bemerkung eines Wohnmobilisten in Mantua ein. Er gehe nicht mehr nach Kroatien weil er mal Streit bekommen habe mit einem Marktfahrer. Bisher habe ich aber eigentlich alle Kroaten freundlich empfunden.

Wir bummeln durch die schönen, verwinkelten Gässchen Richtung Hafen, wo wir die alte Befestigung sehen, geziert mit dem venezianischen geflügelten Löwen. Gegenüber stand früher ein ähnlicher Turm, zwischen beiden war eine Kette gespannt, um Schiffen den Eingang in den Hafen zu verwehren. Das Gleiche habe ich auch schon in Sevilla gesehen.

Trogir

Trogir

Trogir

Trogir

Nächste Station ist Split. Überlaufen, immenser Verkehr, nervenaufreibend. Wir schaffen es bis zu Diokletians Palast, flüchten aber dann. Finden einen tollen Übernachtungsplatz hoch oben mit toller Rundsicht und geniessen den Sonnenuntergang bei ein paar Gläsern Sundowner.

ÜP bei Omis

ÜP bei Omis

Sonnenuntergang

Sonnenuntergang

Übrigens bin ich in Istrien und die kroatische Küste runter, also Dalmatien, immer frei gestanden. Offiziell ist frei stehen nach verschiedenen Quellen in Kroatien nicht erlaubt, ich hatte jedoch nie Schwierigkeiten. Villeicht auch, weil nicht mehr Hauptsaison ist.

Bosnien Herzegowina

Auf der Strecke nach Dubrovnik plötzlich etwas, das wie eine Mautstation aussieht. Es stellt sich als Grenze zu Bosnien Herzegowina heraus. Diesem Land hat man einen Zugang zum Meer ermöglicht. Keine Wartezeit, wir werden durchgewunken ohne Papierkontrolle. Nach ein paar Kilometern passieren wir erneut die Grenze und sind wieder in Dalmatien.

Unfreundliches Montenegro

Dubrovnik ist wie Split, überlaufen, stressig, wir beschliessen zu verzichten. Wir fahren weiter, lieber wohin, wo nicht alle hingehen und kommen schliesslich an der Grenze zu Montenegro an. Mehr als zwei Stunden stehen wir in einer ewig langen Schlange, die langsam vorrückt. Die Sicht auf eine grüne Natur mit einer Menge Säulenzypressen entschädigt etwas die Wartezeit.

Zoll Montenegro

Zoll Montenegro

Säulenzypressen Montenegro

Säulenzypressen Montenegro

Erste Station Passkontrolle. Kein Problem. Nächste Station Zoll. Wieder lange Schlange. Erneut Pass, zusätzlich Fahrzeugschein und grüne Versicherungskarte. Und da passiert es. Marlis vor mir hat aus Sicherheitsgründen (Diebstahl des Fahrzeugs) nicht den Originalfahrzeugausweis dabei, sondern nur eine Kopie. Sie fährt auf einen Parkplatz und wartet auf uns.

Jetzt komme ich dran. Der Beamte hinter dem Schalter raucht gemütlich eine Zigarette und schaut auf seinen Bildschirm. Surft er? Nach gefühlten fünf Minuten nimmt er meine ihm die ganze Zeit hingestreckten Papiere. Eintippen, einscannen, es baucht seine Zeit. Machen die heute Dienst nach Vorschrift? Und warum das ganze Theater. Montenegro ist EU-Beitrittskandidat und hat den Euro schon eingeführt. Mit dieser Schikane machen die sich eher unbeliebt.

Und dann gibt er mir noch statt meines Passes eine deutsche Kennkarte zurück. Ich schlage Krach. Dank meiner kräftigen Mithilfe bekomme ich schliesslich die richtigen Papiere und fahre zu Hady und Marlies, die warten. Marlies muss zurück. Kopie wird nicht akzeptiert. Ein unfreundlicher Polizist fordert schlecht gelaunt Marlies auf, endlich zu verschwinden, worauf ich ihn genauso unhöflich anschnauze. Das wirkt offenbar, denn er verschwindet und wir können in Ruhe Lagebesprechung machen. Marlies wird von Dubrovnik die Fähre nach Bari nehmen und von dort nach Igoumenitsa, wo wir wieder zusammen kommen werden. Hady und ich fahren weiter wie geplant und so trennen wir uns.

Save

Leave a comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *