Ioannina, die erste Etappe in Griechenland


Ioannina, die erste Etappe unserer Griechenlandreise

Der schöne Übernachtungs- und Badeplatz auf der Landzunge etwa 8 km nord-westlich von Igoumenitsa wird gerne von Wohnmobilisten benutzt, die auf die Fähre nach Italien wollen oder von da kommen. Die erste Nacht konnten wir dort verbringen, ohne Polizei zu sehen. In der zweiten Nacht, es war schon dunkel, kam sie um uns zu verscheuchen, etwa 30 Wohnmobile an dem langgezogenen Strand. Die meisten packten ihre Koffer. Mit dem Hinweis, dass wir Alkohol getrunken hatten und sie sooo spät gekommen seien, bekamen wir drei die Erlaubnis, noch eine Nacht zu bleiben.

Ioannina wählten wir als unsere erste Etappe, denn wir begegneten in der Literatur wieder Ali Pascha in Ioannina. Ausserdem liegt Ioannina an einem See. Es sollte also auch schöne Übernachtungsplätzchen geben. Eine gut ausgebaute, mautfreie Autobahn, die erst kürzlich aus dem Berg gesprengt worden zu sein scheint, führt stetig aufwärts steigend dorthin.

Autobahn Igoumenitsa - Ioannina

Autobahn Igoumenitsa – Ioannina

Enttäuschender See und die griechischen Müllkippen

Der See präsentiert sich von Weitem vielversprechend, aus der Nähe macht sich Ernüchterung breit. Es führt zwar eine schöne Promenade den See entlang, aber zwischen Promenade und Ufer ist alles mit dichten Büschen verwachsen. Es gibt kaum ein Zugang da hindurch. Und die wenigen Zugänge entpuppen sich als Müllkippen. Erster Eindruck von den Griechen: das Umweltbewusstsein ist ähnlich entwicklungsbedürftig wie das der Albaner. Überall liegen Plastikflaschen, Plastiksäcke, Papiere als Zeugnis längst vergangener Exkremente und vieles mehr herum. Es ist ekelerregend. Obwohl genügend Mülleimer existieren, scheint den meisten Griechen der Weg dorthin zu weit. Den Gedanken von einem erfrischenden Bad im See verwerfen wir schnell

Ali Pascha, verewigt in europäischer Literatur

Ioannina war der Regierungssitz von Ali Pascha, der uns schon mehrmals begegnet war. Sein Schloss befand sich innerhalb einer der zwei Akropoli von Ioannina. Es ist heute ein Museum.

Ioannina See

Ioannina See

Castle Ioannina

Castle Ioannina

Ali Pascha ist eine widersprüchliche Figur. Er war Albaner und Chef einer Räuberbande. Durch Verrat seiner Männer gelangte er in die Administration des osmanischen Reiches. Von den einen wird er als extrem grausam geschildert, die anderen loben seine Erfolge in der Entwicklung des Landes. Unter seiner Herrschaft erlebte Ioannina eine wirtschaftliche Blüte. Er dehnte seine Macht über den ganzen Süden Griechenlands aus, hielt eine Art Hof und empfing sogar Diplomaten aus Europa. Dem Sultan, dem er diente, wurde er langsam als Gefahr bewusst. Er sandte Truppen und eine Verhandlungsmission. Diese Verhandlungen endeten mit der Ermordung Ali Paschas 1822.

Diese Geschichte von rasantem Aufstieg und noch rasanterem Fall hat viele Literaten zur Verarbeitung bewegt, so Alexandre Dumas und auch Johann Wolfgang von Goethe.

Die Spuren der neueren Geschichte Griechenlands sind unübersehbar. Romanische Kirchen aus der byzantinischen Epoche des oströmischen Reiches über Moscheen aus der osmanischen Zeit ab ca. 1400 bis zu Heldenstatuen aus mehreren griechischen Aufständen bis zu den Kriegen zur definitiven Abschüttelung der türkischen Herrschaft ca. 1910 stehen einträchtig nebeneinander.

Kirche Castle Ioannina

Kirche Castle Ioannina

Moschee Castle Ioannina

Moschee Castle Ioannina

Die osmanische Toleranz

Beeindruckt hat mich, dass die Osmanen religiös sehr tolerant waren. Innerhalb der Mauern Ioannonis lebten eine grosse jüdische Gemeinschaft, die Christen und die Osmanen friedlich nebeneinander. Erst ein Aufstand, der vom griechischen Bischof Dionysios Philosophos 1611 gegen die Osmanen angezettelt wurde, bewirkte als Reaktion, dass die Christen aus der Akropolis vertrieben wurden.

In diesem Zusammenhang denke ich an Spanien, in dem vor der christlichen Reconquista ebenfalls ein friedliches und sehr fruchtbares Miteinander der drei Religionen bestanden hatte oder an Friedrich II, der an seinen Hof Gelehrte egal welcher Konfession rief, um zu forschen. Dass dies dem rückwärts gewandten Papst gar nicht gefiel und mit allerlei Intrigen gegen Friedrich II vorging. Sind die Ursache der heutigen religiösen Spannungen ausgerechnet die Christen mit ihrer damaligen Intoleranz?

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