In Dodona in die Zukunft sehen


Dodona, der Vorläufer von Delphi

Alle kennen das Orakel von Delphi. Dass es vor Delphi Dodona gab, wusste ich auch nicht. Nach griechischer Überlieferung gelang es zwei Tauben, aus Theben zu fliehen. Die eine flog nach Libyen, wo sie sich an einem Platz niederlies, an dem das Kloster für Zeus Ammon gebaut werden sollte. Die andere flog nach Dodona, wo sie sich in einer Eiche, dem heiligen Baum des Zeus, niederlies. Aus dem Rascheln der Blätter und dem Flug der Vögel lasen ab dann die Priester des Zeus die Zukunft. Später, etwa 800 Jahre vor Christus, kam man auf die Idee, Klangbecken zu benutzen, um aus ihrem Klang die Zukunft vorher zu sagen.

Dodona ist erst seit kurzem wiederentdeckt

Um die heilige Stätte bildeten sich Klosteranlagen, Tempel für verschiedene Gottheiten wie Dione, Aphrodite, der Tochter von Dione und Zeus, dem Götterboten und weiteren. Aber auch weltliche Einrichtungen kamen hinzu, unter anderem ein Verwaltungszentrum mit Versammlungssal, ein Amphitheater usw. 167 vor Christus wurde die Anlage dann von den Römern zerstört und sie geriet in Vergessenheit. Erst 1832 wurde ein reisender Engländer auf die auffälligen Bodenerhebungen aufmerksam. 1875 begannen dann die Ausgrabungen. Heute ist die Anlage touristisch erschlossen. Es wird aber auch heute noch nach wie vor ausgegraben und restauriert.

Dodona Amphitheater

Dodona Amphitheater

Dodona Anlage

Dodona Anlage

Eine wildromantische Gegend

Auf unserem Weg Richtung Thessaloniki und die Chalkidiki passieren wir das Naturschutzgebiet Farangi Vikou. Es ist eine wildromantische Gegend mit tiefen Schluchten in steil aufragenden, dicht bewaldeten Bergen. Die Brücken über leere, geröllgefüllte Bachläufe, kleine Kapellen und Schreine begegnen uns überall. Das Baumaterial für Brücken und Kapellendächer wird schön flach von der Natur zur Verfügung gestellt, man braucht sich nur zu bücken. Welch ein Unterschied zwischen dem Sedimentgestein hier und demjenigen zum Beispiel in Kroatien!

Steinbrücke

Steinbrücke

Kapelle

Kapelle

Überall an den Strassen

Überall an den Strassen

Baumaterial

Baumaterial

 

Es ist eine mystische Gegend. Im Albanienpost habe ich ja schon gesagt, dass Photos diese Höhen und Tiefen nicht ausdrücken können, man muss das gesehen haben. Ich kann mir gut vorstellen, dass man sich hier von Göttern, Geistern und Dämonen umgeben fühlen kann. Die Mythologie der Griechen hat also ihren Ursprung in der griechischen Landschaft?

Griechische Landschaft vor Konitsa

Griechische Landschaft vor Konitsa

Griechische Landschaft vor Konitsa

Griechische Landschaft vor Konitsa

Von Konitsa nach Kastoria, einem Ort als Ort der Kürschner bekannt und ebenfalls an einem See liegend führt ca. 150 km durch eine wildromantische und sehr bergige Gegend. Es geht in engen Kurven steil nach oben und auf der anderen Seite ebenso steil nach unten auf teilweise Naturstrassen. Man ist gut beraten, mit vollem Dieseltank zu starten, denn Tankstellen habe ich in dieser einsamen Gegend keine gesehen. Dafür Ziegen und Schafe.

Ziegen

Ziegen

Die Erdgeschichte liegt hier vor einem wie ein offenes Buch. Granit, Gneis, Kalk, Mergel wechseln sich in immer neuen Formationen ab. Einer tiefen, aber breiten Schlucht, gefüllt mit Geschiebe fahren wir entlang. Ganz drüben sieht man ein kleines Rinnsal. Aber man kann sich vorstellen, mit welcher Wucht das Wasser in ganzer Breite hier herunterströmen kann, wenn es mal heftig regnet. Das Geschiebe sind nicht rundgeschliffene Kiesel, es sind scharfkantige Steinplatten, die dann mitgerissen werden und unten die Ebenen auffüllen.

Mergel

Mergel

Felsen

Felsen

Kastoria, die Stadt der Kürschner

Kastoria ist ein hübsches Städtchen auf einer Landzunge im See. Dieser See ist sauber, offenbar wird hier besser für Ordnung gesorgt als in Ioannina. Der steile Aufstieg zum Museum hingegen wird belohnt mit einem Schild, dass es geschlossen sei.

Kastoria

Kastoria

Am anderen Ende der Halbinsel besuchen wir ein Kloster aus byzantinischer Zeit. Es ist sehr klein, es kann höchstens einem Dutzend Mönche Platz geboten haben. Es birgt aber wertvolle Fresken und gibt einen guten Einblick in die Zeit des frühen Christentums vor der türkischen Herrschaft. Die Osmanen haben die christlichen Symbole nicht zerstört.

Kloster Panayia Mavriotissa

Kloster Panayia Mavriotissa

Kloster Panayia Mavriotissa1

Kloster Panayia Mavriotissa1

Ein Wasserfall, Anziehungspunkt für Touristen

Zwischen Kastoria und Edessa, einer weiteren touristischen Attraktion passieren wir eine fruchtbare Ebene mit vielen Obstplantagen und Gemüseanbau. Apfel-, Kirsch- und Pfirsichbäume ziehen an uns vorbei, Kohl- und Salatfelder, die grossen weissen Bohnen, die die Engländer so lieben, werden in grossen Feldern angebaut. Allerding sehe ich erstaunlicherweise dazwischen auch viele brachliegende Flächen. Es hätte genügend Felder, um mehr zu produzieren. Am fehlenden Wasser kann es nicht liegen, denn wir passieren den Vegoritida See, der gut gefüllt ist.

Wir fahren auf einer Hochebene, denn jetzt geht es in spitzen Steilkehren hinunter nach Edessa. Der Anziehungspunkt dort ist ein Wasserfall. Edessa liegt auf einer Ebene auf halber Höhe zu einer nochmals tiefer liegenden Ebene. Zahlreiche Wasser aus dem wasserreichen Gebirge im Norden gegen Makedonien strömen hier zusammen und ergiessen sich in die Ebene weit unten. Ein Pfad führt sogar hinter den Wasserfall.

Wasserfall Edessa

Wasserfall Edessa

Wasserfall Edessa

Wasserfall Edessa

Dieses in Griechenland seltene Schauspiel zieht viele Besucher an. Die Zufahrt allerdings birgt einige Herausforderungen, denn die Strassen dort sind eng und zudem zugestellt mit Fahrzeugen.

Pella, die einstige Hauptstadt Makedoniens und Geburtsort Alexanders

Die nächste Etappe machen wir mit Pella aus. Wir passieren Autobahnstücke mit schön leuchtendem Feuerdorn und Baumwollfelder.

Feuerdorn nach Pella

Feuerdorn nach Pella

Baumwolle

Baumwolle

Pella war die Hauptstadt Makedoniens zur Zeit Philipps II, dem Vater Alexanders des Grossen. Philipp II hat einen nach dem anderen der griechischen Stadtstaaten angegriffen und in sein Königreich Makedonien einverleibt. Alexander soll in seinen Kinderjahren gesagt haben: der lässt mir nichts zum Erobern. Pella wurde ca. 300 Jahre lang das ökonomische und kulturelle Zentrum ganz Griechenlands. Der grösste Denker dieser Zeit, Aristoteles, war kein Grieche, er stammt aus Makedonien. Er hat schon damals durch Beobachten der Mondfinsternis den Schluss gezogen, dass die Erde eine Kugel sei. Er war der Lehrer Alexanders und hat sicher durch Analyse des menschlichen Empfindens grossen Abteil an dessen grossen Siegen.

Bewundernd sieht man 2500 Jahre Grosszügigkeit

Pella wurde erst kürzlich ernsthaft erforscht. Es ist beeindruckend, wie eine Stadt wie Pella 400 vor Christus angelegt war. Schachbrettartige Strassen von sechs Metern Breite, verbunden mit mehreren Hautpstrassen von neun Metern Breite zeugen von einem weiten und offenen Geist und einer grossartigen Epoche.

Mehrstöckige Gebäude, reich ausgestattet, wie man es in Pompeii, das Hunderte von Jahren später entstanden ist, noch bewundern kann. Luxuriöse Mosaiken in den Symposien, den grossen Wohnräumen, in denen Gäste empfangen wurden, lässt ahnen, wieviel Kultur später im Mittelalter verloren ging.

Mosaik Pella Hirschjagd

Mosaik Pella Hirschjagd

Pella Löwenjagd

Pella Löwenjagd

Man wandelt Strassen entlang, in denen sich Verkaufsläden konzentrierten, andere Regionen waren Villenviertel mit grosszügigen Räumen, Reste von Tempeln und einer Art Forum, wirklich beeindruckend.

Im neuen, sehr modern angelegten Museum werden Fundstücke aufbewahrt wie Haushaltgegenstände, Schmuck, Trinkgefässe, Waffen, Figuren in grosser Zahl. Die Menschen von vor 2500 Jahren unterschieden sich in nichts von uns heutzutage. Nur hatten sie das Wissen, das wir in der Zwischenzeit angesammelt haben, noch nicht. In Bezug auf Intellekt hingegen, Empfinden, Denkfähigkeit und Organisation.

Figurinen Museum Pella

Figurinen Museum Pella

Museum Pella Waffen

Museum Pella Waffen

Ausführliche Schautafeln kommentieren die Exponate und lassen den Besucher in die damalige Zeit eintauchen. Ein empfehlenswerter Besuch. Wir nehmen uns soviel Zeit, dass es zum Weiterfahren nicht mehr lohnt. Der grosse Parkplatz vor dem Ausgrabungsgelände wird unsere Schlafstelle. Eine Schar herrenloser, aber gut genährter Hunde, leistet uns Gesellschaft. Sie kugeln sich irgendwo zusammen. Am nächsten Tag erfahren wir vom Wärter der Anlage, dass die Griechen den Hunden Futter bringen.

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