Thessaloniki, die zweitgrösste Stadt Griechenlands


Ein Platz in einem Pinienwäldchen ob Thessaloniki klingt gut

Von Pella nach Thessaloniki sind es keine fünfzig Kilometer, wir steuern einen Stellplatz an, den wir in unserem Campingführer finden. Er soll sich südöstlich von Thessaloniki in einem Pinienwäldchen nur ca. vier Kilometer von der Altstadt befinden. Man sollte also mit dem Fahrrad Thessaloniki erkunden können.

Es wurde nicht erwähnt, dass das Pinienwäldchen eine steile Fortsetzung des Hangs ist, an dem sich Thessaloniki den Berg hochzieht. Der Platz ist nur für kleinere Womo’s geeignet. Einen einigermassen flachen Platz finden wir etwas weiter oben. Wir können uns nicht daran gewöhnen, dass die Griechen alles wegwerfen. Dabei stehen an einer Ecke des Platzes sogar zwei Müllcontainer. Trotzdem ist auch dieser Platz mit Abfällen ekelerregend zugemüllt. Die Fäkalien hinter den Büschen zersetzen sich zwar ziemlich schnell, nicht aber die Papiertaschentücher, die Plastikflaschen, die Plastikbeutel. Die sind extrem zäh, überdauern Jahre und werden vom Wind umhergewirbelt.

Picknikplatz und Badeplatz

Picknikplatz und Badeplatz

Wegwerfgesellschaft

Wegwerfgesellschaft

Natürlich sieht es nicht überall so aus. Aber an etwas entlegeneren Stellen in der Natur, wo Leute ihre Freizeit verbringen oder picknicken, an Badeplätzen usw. trafen wir diese Situation oft an. Man muss aber auch sagen, dass die Toitoi-Toilettenhäuschen, die Hady und ich auf unserer Baltikumreise vorbildlich überall an solchen Brennpunkten fanden, hier völlig fehlen.

Thessaloniki von oben

Ein paar Schritte weiter nach oben befindet sich ein schön angelegter Aussichtspunkt, der rege besucht wird. Thessaloniki liegt ausgebreitet zu unseren Füssen. Nur von hier oben bekommt man ein Gefühl für die zweitgrösste Stadt Griechenlands.

Thessaloniki

Thessaloniki

Thessaloniki

Thessaloniki

Vorchristliche oder christliche Zeremonie?

Eine wie aus der Vergangenheit aufgestiegene Gruppe von Priestern und Priesterinnen erregt unsere Aufmerksamkeit. Sie hantieren mit Weinkrügen und anderen Gegenständen, mein erster Gedanke ist, das ist eine Verkaufsveranstaltung für Wein. Aber nein, es ist Herbstanfang erklärt uns eine der weissgekleideten Damen, die sich als Schottin entpuppt. Sie werden das Sonnenwende zelebrieren. Das Schauspiel zieht viele Besucher an und viele Photoapparate klicken.

Herbstanfangsfeier Thessaloniki

Herbstanfangsfeier Thessaloniki

Herbstanfangsfeier Thessaloniki

Herbstanfangsfeier Thessaloniki

Es werden “heilige Handlungen” durchgeführt, ein paar Tropfen Wein dem Boden zurückgegeben, ein Feuer andachtsvoll entzündet, man läuft im Gänsemarsch einmal um die Runde und rezitiert Verse, die wir nicht verstehen. So könnten die Priester vor mehr als 2000 Jahren ihr Publikum in den Bann gezogen haben.

Thessaloniki besuchen ist anstrengend

Jetzt wollen wir aber Thessaloniki besichtigen und beschliessen, es nicht mit dem Fahrrad, sondern mit Hadys Auto zu versuchen, weil es das wendigste ist. Die Verkehrsdichte und die Enge der Strassen, in denen zudem noch rechts und links in ununterbrochener Reihe parkierte Autos stehen, ist beängstigend. Kritisch wird es, wenn nach griechischer Sitte ein Auto mit blinkenden Warnleuchten parallel zu den schon geparkten Autos mitten auf der Strasse stehen. Uns passiert das Gleiche wie schon in Split und Dubrovnik: man kann nirgends anhalten. So treibt uns der Verkehrsstrom weit nach Osten, wo es etwas lockerer wird und einen Parkplatz finden. Ein langer Fussmarsch der Promenade zurück ist angesagt. Einige witzige Skulpturen lassen die Strecke vergessen.

Promenade Thessaloniki

Promenade Thessaloniki



Promenade Thessaloniki

Promenade Thessaloniki

So kommen wir schlussendlich am weissen Turm an, dem Wahrzeichen Thessalonikis und Ausgangspunkt vieler Stadtbesichtigungstouren.

Thessaloniki weisser Turm

Thessaloniki weisser Turm

Thessaloniki weisser Turm

Thessaloniki weisser Turm

Das Wahrzeichen von Thessaloniki

Der Turm hatte schon viele Namen analog der vielen Funktionen, die er schon inne hatte. Er wurde ursprünglich, in byzantinischer Zeit zur Verteidigung des Hafens gebaut. Er hiess einmal “Löwenturm”, später “Janissarenturm” und “Blutturm”, als er als Gefängnis und als Hinrichtungsstätte benutzt wurde. Weisser Turm heisst er seit 1890, weil einem Verurteilten die Freiheit gewährt wurde, falls er den Turm weiss anstreiche. Was er tat.

Wie besichtigt man eine Stadt, die im Verkehr und Lärm erstickt? Wieso existieren hier sooo viele Autos, wenn es den Griechen doch so schlecht geht?? Marlies kommt mit einem Prospekt eines Hop-on Hop-off Busses angerannt und wir beschliessen, es auf die japanische Art zu machen. Eine Rundfahrt von siebzig Minuten zu all den Sehenwürdigkeiten, die man gemäss Tourismuspromotoren gesehen haben muss. Wir sehen erstaunlich viele Gebäude und frühchristliche Kirchen aus byzantinischer Zeit, die unvermittelt geduckt zwischen modernen Gebäuden auftauchen. Auch hier haben die Osmanen die christlichen Symbole toleriert und nicht zerstört. Heute werden diese Zeugen der Vergangenheit liebevoll erhalten und restauriert inklusive Zeugen aus noch früherer Zeit, dem Galeriusbogen.

Rundfahrt Thessaloniki

Rundfahrt Thessaloniki

Rundfahrt Thessaloniki

Rundfahrt Thessaloniki

Rundfahrt Thessaloniki

Rundfahrt Thessaloniki

Galeriusbogen

Galeriusbogen

 

Thessaloniki ist eine wirblige und lebendige Stadt. Wir kommen an vielen Restaurants, Bars und Kaffees vorbei, die alle brechend voll besetzt sind. Wir möchten gerne etwas essen, aber Hady meint, wir finden keinen Platz zu dritt. Ich frage mich, wieso behauptet wird, dass es den Griechen so schlecht geht! Es scheint ihnen sogar ausgesprochen gut zu gehen. Sicher gibt es auch hier Problemfälle, aber wie kann man sich die übervollen Gaststätten erklären? Oder sehe ich nur eine Fassade und dahinter verbirgt sich ein ganz anderes Bild?

Geht es den Griechen wirklich so schlecht?

Geht es den Griechen wirklich so schlecht?

Save

Leave a comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *