Chalkidiki, eine Ebene und drei Finger


Sithonia, der mittlere Finger Chalkidikis

Im Süden Thessalonikis liegt Chalkidiki, fast eine Halbinsel mit drei fingerartigen weiteren Halbinseln nach Südosten. Wir entscheiden uns, nur Sithonia zu besuchen. Denn auf der östlichsten Halbinsel, angrenzend ans Thrakische Meer, liegt der Heilige Berg Athos mit seiner Mönchsrepublik. Frauen und Männern unter 18 Jahren ist der Zutritt verwehrt, auch weibliche Tiere werden nicht geduldet. Wer geduldet wird und die Republik besuchen möchte, muss lange voraus ein Visum beantragen. Ohne ein Empfehlungsschreiben der deutschen Botschaft (für Deutsche) braucht man erst gar nicht ein Visum beantragen.

Eine autonome Mönchsrepublik

Die Mönchsrepublik ist Teil des griechischen Staates, ist aber autonom in seiner Verwaltung. Im oberen Teil des Agios Oros genannten Fingers endet die Strasse kurz hinter dem Ort Ouranopoli. Besitzt man ein Visum, geht es mehr oder weniger zu Fuss weiter.

Der westlichste Finger, Kassandra, ist gemäss Wanderführer touristisch sehr erschlossen und überlaufen, während der mittlere Finger, Sithonia, vom Tourismus noch weitgehend verschont sei.

Sithonia, eine gebirgige Gegend

Aufgrund dieser Informationen entscheiden wir uns, nur Sithonia zu umrunden und die anderen zwei Finger Chalkidikis links und rechts liegen zu lassen. Wir sind überrascht, wie gebirgig alle drei Finger sind. Beim Betrachten der Landkarte hat man eher den Eindruck, es seien mehr oder weniger flache Badeinseln. Welch Irrtum! Die Strasse windet sich den steilen Hängen entlang, es geht rauf und runter, jede Schlucht muss umrundet werden. Von Sithonia aus sieht man ständig die beiden anderen Finger, sie sind genauso gebirgig. Es gibt wenig Schwemmlandstellen, wo sich Siedlungen bilden konnten. Auf Sithonia gibt es erst ab Sarti ein paar Buchten, in denen Erosionsmaterial heruntergeschwemmt wurde und sich auch ein Sandstrand bilden konnte.

Sarthi Stellplatz

Sarthi Stellplatz

Sarthi Sandstrand.

Sarthi Sandstrand.

Hier blieben wir zwei Tage, baden, faulenzen, den Heiligen Berg Athos immer vor Augen mit den unterschiedlichsten Wolkenformationen und Beleuchtungen.

Blick auf Athos

Blick auf Athos

Blick auf Athos

Blick auf Athos

Viele Autos mit ungarischen, serbischen und bulgarischen Nummern

Sarti ist eine Hochburg ungarischer, serbischer und bulgarischer Touristen. Viele Autos an der Strasse tragen die Nummernschilder dieser Länder. Zusätzlich reisen täglich ganze Busladungen an und ab. Des Rätsels Lösung: in Sarti befindet sich ein Fremdenverkehrsbüro, das sich auf diese drei Länder spezialisiert hat und dort Werbung macht.

Viel Landwirtschaft ist bei diesem steilen Gelände kaum möglich, Ziegen- oder Schafzucht womöglich, sehr verbreitet scheint aber auch das Honigsammeln zu sein. An sehr vielen Stellen sind Bienenkästen aufgestellt, die offensichtlich von Wanderimkern betrieben werden. Im Tal breitet sich eine weite Heide aus, die Bienen schwirren fleissig hin und her.

Bienenkörbe auf Chalkidiki

Bienenkörbe auf Chalkidiki

Die Strasse ist oft dem Abhang abgerungen. Das eröffnet Schnittstellen in die Erdoberfläche, die einen Blick auf eine erstaunliche Vielzahl auf unterschiedlichen Gesteinsarten erlaubt. Von brüchigen und scharfkantigen Gesteinsplatten über Lehm zu Mergel, von Granit zu runden Gneisblöcken, alles wird geboten. Auf der anderen Seite der Strasse dann der Blick aufs Meer.

Gesteinsarten Sithonia bei Kalamitsi

Gesteinsarten Sithonia bei Kalamitsi

Blick aufs Meer bei Kalamitsi

Blick aufs Meer bei Kalamitsi

Ein aussergewöhnlicher Naturhafen

Porto Koufos an der südlichsten Spitze Sithonias ist ein phantastischer Naturhafen. Ein Becken, von hohen Bergen ringsum geschützt, hat nur einen einzigen Ausgang, der alle Wetterunwägbarkeiten zuverlässig abschirmt.

Blick auf Porto Koufos

Blick auf Porto Koufos

Hafeneinfahrt von Porto Koufos

Hafeneinfahrt von Porto Koufos

Neben einigen Nationalitäten liegt im Hafen auch ein Segler aus Hamburg. Er hat Motorschaden und wartet auf ein Ersatzteil.

Weinanbau auf Sithonia

Auf halbem Wege zurück auf der Westseite finden wir bei Porto Carras eine Weinkellerei, nachdem uns vorher schon Weinberge aufgefallen sind. Nichts wie rein. Wir dürfen die Kellerei besichtigen. Es werden Weiss- und Rotweine produziert. Die Weissweine werden in Edelstahltanks gereift, die Rotweine in Eichenfässern aus Frankreich. Auch einer der Weissweine, der Malagouzia, wird in Eichenfässern gelagert. Angesprochen auf Rezinawein versichert er uns, dass sie keinen herstellen. Meist wird unter dem Harzgeschmack ein schlechter Wein versteckt. Allerdings gäbe es auch sehr gute Rezinaweine, aber man müsse sich auskennen.

Weingut bei Porto Carras

Weingut bei Porto Carras

Weiswein in Eichenfass gelagert

Weiswein in Eichenfass gelagert

Bei der anschliessenden Degustation gelten strenge Regeln: für zwei Euronen werden zwei Weine ausgeschenkt und man muss nach maximal 25 Minuten, für fünf Euronen werden fünf Weine und man muss nach maximal 35 Minuten den Degustationsraum verlassen. Als wir unsere Wünsche äusserten, welche der ausgestellten Weine wir degustieren möchten (mich interessierte der Malagouzia besonder) wurden wir belehrt, dass nicht der Kunde, sondern die Kellerei bestimmt, welche Weine degustiert werden dürfen. Wir waren ob dieser Regeln etwas überrascht, wollten nun aber doch die Weine kennenlernen. Es wurden dann zwei Weissweine, ein Rosé und zwei Rotweine angeboten. Der Rosé schmeckte Marlies und mir am besten, aber keiner hat uns überzeugt. Vor allem die Rotweine waren recht dünn. So zogen wir von dannen, ohne unsere Vorräte aufzufüllen.

Abschied von Sithonia

Bei Psakoudia, gerade am Ende von Sithonia, fanden wir etwas ausserhalb des Dorfes ein schönes, ebenes, mit dünnen Akazien bewachsenes Plätzchen direkt am Wasser und in Nachbarschaft einer kaum besuchten Beachbar mit entsprechender Musik. Ein Holländer war schon da und wir gesellten uns dazu.

Stellplatz bei Psakoudia

Stellplatz bei Psakoudia

Stellplatz bei Psakoudia

Stellplatz bei Psakoudia

Das Wetter aber war trübe mit einem kalten Ostwind. Statt ins Wasser zu springen taten wir Marlies etwas Gutes, die die ganze Zeit schon vergeblich ein Restaurant gesucht hatte, das Mousaka anbietet. Wir gingen also zu dritt auf die Suche und wurden fündig. Der Ostwind schaukelte uns anschliessend in den Schlaf.

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