Vergina, das Grab Philipp II und Baumwolle


Baumwollfelder und Baumwollernte

Der Rückweg von Chalkidiki zu unserem nächsten Ziel, der Ausgrabungsstätte Vergina, führt uns um Thessaloniki herum auf einer recht guten Umfahrungsstrasse. Wir fahren durch Olivenplantagen, soweit das Auge reicht. Die Olivenernte ist vereinzelt bereits im Gange. Aber noch eine weitere Ernte ist im Gange, die der Baumwolle. Wenn an den Strassenrändern lauter weisse Wattebäuschchen liegen, ist dies ein deutliches Zeichen. Denn aus Fahrzeugen, hoch beladen mit der Ernte, stiehlt der Wind immr mal wieder das eine oder andere Flöckchen. In dem Dreieck Zwischen Thessaloniki, Edessa und Katerini erstrecken sich die Baumwollfelder bis an den Horizont und geerntet wird mit Maschinen, die Mähdreschern ähnlich sehen, nur mit einem aufgesetzten Riesengitter, um die voluminöse Ernte aufzunehmen.

Baumwolltransport

Baumwolltransport

Baumwollerntemaschine

Baumwollerntemaschine

Am gleichen Zweig der Baumwollpflanze zeigt sich die Baumwolle in verschiedenen Phasen: eine hübsche Blüte, die sich fortschreitend von weiss nach gelb-rosa zu dunkelrot verfärbt. Weiter unten am Zweig dann grosse, grüne und noch verschlossene Bollen. Noch weiter runter am Zweig dann aufplatzende Bollen und ganz unten die aufgeplatzten Früchte. Ich vermute mal, dass das gleiche Feld mehrmals abgeerntet werden muss, so wie die Ernte sich entwickelt.

Baumwollzweig mit Blüte

Baumwollzweig mit Blüte

Baumwollzweig unterschiedliche Reife

Baumwollzweig unterschiedliche Reife

Verginia, ein Glücksfall für die Geschichtsforschung

Dann kommen wir in Vergina an. Vergina ist ein Glücksfall einer Ausgrabungsstätte. Denn hier fand man erst vor wenigen Jahren das unversehrte Grab Philipps II. Es ist nie geplündert worden wie viele andere. Philipp II war ca. 300 Jahre vor Christus der König Makedoniens, der die griechischen Stadtstaaten einen nach dem anderen eroberte. Alexander der Grosse, sein Sohn, vollendete dann das Werk, indem er das grösste Reich seinerzeit, Persien, eroberte. Persien reichte von Ägypten bis Indien. Allerdings war er nur ein überragender Feldherr, aber kein Regent. Er hatte versäumt, die Zeit nach den Eroberungen zu organisieren und als er mit 33 Jahren starb, verfielen seine Eroberungen in nur wenigen Jahren.

Das Grab Philipps II befindet sich in einem Tumulus, der mehrere Gräber enthielt. Einige waren geplündert waren. Seines jedoch war völlig intakt und enthielt unvorstellbare Präziosen, die dem König auf seine Reise in den Hades mitgegeben wurden. Ich hatte nicht beachtet, dass photographieren nicht erlaubt ist. Die wenigen Bilder, die ich machen konnte, erlaubte man mir jedoch, zu behalten.

In den Original-Tumulus hinein hat man das Museum gebaut. Es enthält an der Eingangsseite die gefundenen Grabbeigaben in Vitrinen, weiter hinten wurde das Grab mit seinen mächtigen Quadern und seinem Eingang freigelegt. Es ist immer wieder bewundernswert, in welcher Qualität und perfektionistischen Schönheit die Gold- und Silberschmiede vor ca. 2’500 Jahren mit einfachen Werkzeugen ihre Schätze herstellten. Die Menschen damals waren ebenso intelligent und geschickt wie wir, sie hatten nur noch unser heutes Wissen nicht.

Tumulus Philipp II

Tumulus Philipp II

Trinkbecher Silber mit Köpfen am Boden

Trinkbecher Silber mit Köpfen am Boden

Grabanlage Philipp II Weinkrüge

Grabanlage Philipp II Weinkrüge

Grab Philipp II

Grab Philipp II

Hochstehende Kultur vor unserem dunklen Mittelalter

Ich bin tief beeindruckt von den Leistungen und der hochentwickelten Lebensart dieser Leute vor mehr als 2000 Jahren. Hinter dem dunklen Mittelalter beginnt sich für mich eine lichte und helle Welt zu öffnen, in der einige der grössten Denker zu Hause waren.

Dion, eine Kultstätte für Zeus

Dion, das nächste Ziel für einen Blick in die Vergangenheit, ist nur etwa 25 Kilometer weiter mit dem Blick auf den etwas südlicher liegenden Olymp. Dort oben wohnt Zeus und unten in der Ebene entspringen in mehreren Quelltöpfen reich fliessende Bäche, ganz ähnlich wie der Quelltopf der Donau in Donaueschingen. Das waren heilige Quellen und um sie herum wurden Tempelanlagen errichtet. Dion ist heute eine sehr weitläufige Ausgrabungsstätte von mehr als 500’000 m2.

Die Ebene wird erstmals bei Homer erwähnt als die Pieraebene. Nach den alten Mythen wurde hier nach der Sintflut von König Deukalion ein erstes Kloster errichtet, in dem Zeus gehuldigt wurde. Aber nicht nur Zeus, sondern auch den Musen, die an den Hängen des Olymp geboren wurden.

Einmal jährlich wurde ein grosses Fest, das Olympia von Dion, abgehalten. In der Nähe der heiligen Stätten entwickelte sich eine Stadt mit prächtigen Gebäuden. Der Höhepunkt der Entwicklung wurde am Ende des 5. Jahrhunderts vor Christus erreicht, als von Archelaos, dem damaligen König von Makedonien, noch Wettkämpfe und Theateraufführungen und -wettstreite den Veranstaltungen zugefügt wurden.

Aber nicht nur einmal im Jahr, sondern immer, wenn ein Kriegszug bevorstand oder sonstwie das Schicksal beeinflusst werden sollte, kamen die makedonischen Herrscher hierher, um Zeus durch grosse Opfer gnädig zu stimmen. Man hat vor dem Altar drei Reihen mit je zwölf Löchern gefunden für Pfähle, an denen die Opfertiere angebunden wurden, um sie Zeus darzubringen. Wie nah müssen diese Menschen ihren Göttern damals gewesen sein!

Dion, die heilige Quelle

Dion, die heilige Quelle

Dion Altar des Zeus

Dion Altar des Zeus

Von den Heiligtümern und Klöstern sind nur die Grundmauern vorhanden. Nur vereinzelt sieht man wie durch einen kurzen Blitz in die Vergangenheit. Auch Leda und ihr Schwan sind dargestellt, der Moment, in dem Zeus als Schwan verwandelt Leda begattet.

Dion Tempel der Aphrodite

Dion Tempel der Aphrodite

Dion Statue der Aphrodite

Dion Statue der Aphrodite

Dion, eine grosse Stadt seinerzeit

Die Stadt Dion auf der anderen Seite der Heiligtümer war eine moderne Stadt mit breiten, rechtwinklig zueinander laufenden Strassen. Die Strassen waren zu beiden Seiten von Säulen geflankt, dies hier muss eine Einkaufsstrasse gewesen sein.

Dion Grundrisse

Dion Grundrisse

Dion Hauptstrasse

Dion Hauptstrasse

Es gibt Kostbarkeiten in dieser Stadt, wie z.B. die Villa, die Dionysos-Villa getauft wurde, weil sie ein kostbares Mosaik, das Dionysos, den Gott des Weines und der Fröhlichkeit enthält. Dieses Mosaik wurde zu seiner Rettung ausgebaut und in ein extra dafür gebautes Haus etwa 500 Meter weiter im heutigen kleinen Dorf gebracht.

Dion Dionysosvilla

Dion Dionysosvilla

Dionysos mit Seepanthern

Dionysos mit Seepanthern

Nach den Griechen kamen die Römer und errichteten weitere Bauten, Tempel und Theater. Ein Blick in eine andere Geisteshaltung als unsere erlauben zwei öffentliche Toiletten. Die eine ist sehr verfallen, die andere noch recht gut erhalten. Ein Raum mit einer ringsum laufenden Bank mit Löchern, unter den Löchern ein Graben, in dem noch heute ein lebhaftes Bächlein fliesst. Das perfekte Wasserclosett. Die Leute sassen dort in einer Reihe und unterhielten sich angeregt, während sie ihr Geschäft verrichteten. Für sie waren dieser Vorgang der natürlichste der Welt, unsere Prüderie kam eigentlich erst mit dem Christentum.

Dion römische Toilette

Dion römische Toilette

Dion Toilette

Dion Toilette

Eine Sensation war der Fund eines Musikinstruments aus dem 2. Jahrhundert v.Chr., das die Griechen “Hydraulis” nannten. Es ist eine Art Orgel mit zwei Reihen Pfeifen. Die erste Reihe enthielt 24 und die Zweite 16 Pfeifen. Das Instrument wurde über einen Luftzylinder betrieben. Die Pumpenstösse wurden durch eine dazwischengeschaltete Wassersäule “geglättet”. Der Klang soll “süss und angenehm” gewesen sein laut schriftlichen Erzählungen von Zeitgenossen.

Dion ist sehr weitläufig. Um alles zu durchwandern kann man ohne weiteres einen ganzen Tag rechnen. Erschöpft am Abend beschliessen wir, auf dem Parkplatz vor der Ausgrabungsstätte zu übernachten und werden am nächsten Morgen schon früh aus dem Schlaf geholt durch die ersten Busse, die ihre Besucher ausspucken.

Dion Übernachtungsplatz

Dion Übernachtungsplatz

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