Olympia, eine der wichtigsten Ausgrabungsstätten


Wir nähern uns Olympia

Unser Stellplatz am Strand bei Palaiochori wurde mit Bedacht gewählt, denn er wird der Ausgangspunkt für die Besichtigung von Olympia sein. Er ist recht grosszügig. An einem Ende befindet sich sogar eine Taverne. Dieser Strand ist im Sommer sicher gut besucht. Allerdings ist die Saison vorbei, nur vereinzelt kommen noch einheimische Badegäste, die Taverne nebenan ist geschlossen. Uns ist das recht, wir haben viel Platz und können uns ungestört direkt am Strand ausbreiten, um ein paar Tage zu bleiben. Die Aussicht um 8.00 Uhr am Morgen aus dem “Wohnzimmer” ist “Fünf-Sterne-mässig”.

Fünf Sterne Aussicht

Fünf Sterne Aussicht

Schilfbrand

Mit Blick aufs Meer höre ich im Rücken ein immer heftigeres Knacken oder Prasseln, als ob sich eine Horde Wildschweine durch den gegenüberliegenden Schilfgürtel zwängt. Aber es steigt schwarzer Rauch auf und das Prasseln wird immer heftiger, bis ich Flammen über dem Schilfgürtel aufsteigen sehe. Das Schilf ist in Brand geraten und obwohl es grün ist, brennt es wie Zunder. Es gibt genug Vertrocknetes zwischen den Schilfhalmen.

Rauch Stellplatz bei Palaiochori

Rauch Stellplatz bei Palaiochori

Brand Schilfgürtel

Brand Schilfgürtel

Für uns besteht keine Gefahr, wir sind ca. 100 Meter weg und es liegt der grosse Platz dazwischen. Wenig später sind zwei Löschfahrzeuge da. Sie beschränken sich darauf, das Feuer zu bewachen. Es brennt zwischen unserem Schotterplatz und einem breiteren Bach und irgendwann wird dem Feuer die Nahrung ausgehen. Es muss nur dafür gesorgt werden, dass der Brand nicht über den Bach rüber springt und dann ausbreiten kann. Ganze Schwärme von Insekten retten sich in Richtung unseres sicheren Platzes, darunter seltenere Exemplare.

Gottesanbeterin

Gottesanbeterin

Marlies wurde geräuchert

Gegend Abend ist es soweit, vereinzelte Flammen werden jetzt noch gelöscht und die Feuerwehr zieht ab. Wir am nächsten Morgen dann auch, Marlies beklagt sich, dass sie diese Nacht geräuchert wurde.

Olympia ist nur ca. 40 km entfernt, wir werden also frühzeitig ankommen, denn Olympia ist noch weitläufiger als Delphi. Obwohl wir bereits Ende Oktober haben, kommen hier im Viertelstundentakt Busse an, die Besucher aus der ganzen Welt ausspucken. Diese Busse müssen alle irgendwo parken bis ihre Insassen vom Heiligtum zurückkommen, mit anderen Worten, Parkplätze sind rar.

Die Ausgrabungsstätte Olympia

Olympia Museum Modell

Olympia Museum Modell

In allen griechischen Heiligtümern wie Delphi, Dion, Dodona und weiteren wurden mehrtägige Gottesdienste abgehalten, wie schon im Delphipost geschildert. Sportliche Darbietungen zu Ehren des jeweiligen Gottes (in Delphi zu Ehren Apollons, in Korinth zu Ehren Poseidons usw.) waren überall Bestandteil dieser Gottesdienste. Nur die olympischen Spiele sind uns modernen Menschen gegenwärtig geblieben, seit Pierre de Coubertin die Olympischen Spiele wiedererweckt hat.

In Olympia wurde Zeus verehrt, so steht sein mächtiger Tempel aus dem Jahre 468 bis 456 vor Christus (im Modell weiss) im Zentrum des Heiligtums. Etwas weiter hinten in dem kleineren, aber immer noch mächtigen Tempel, wurde Hera, die Frau und Schwester des Zeus,verehrt. Olympia ist seit 776 vor Christus über viele Jahrhunderte gewachsen, sogar die Römer haben noch zusätzliche Gebäude und Bäder bis 393 nach Christus zugefügt.

Ein Erdebeben hinterliess Chaos

Im Modell sieht alles ordentlich und aufgeräumt aus. Betritt man aber die Ausgrabungsstätte, findet man Chaos. Verschiedene Erdbeben haben ganze Arbeit geleistet. Trotzdem, die gewaltigen Trümmer des Zeustempels nötigen Bewunderung über die Leistungen der Baumeister ab. Der schwere Unterbau ist noch erhalten, die Säulenscheiben dagegen (jede einzelne Säule bestand aus etwa 16 solcher Scheiben) sind darum herum verstreut. Welche Leistung dieser Menschen vor 2500 Jahren, sie tonnenschwer zu transportieren, zu behauen und dann aufeinander zu schichten!!

Olympia Chaos

Olympia Chaos

Trümmer Zeustempel

Trümmer Zeustempel

Die Orientierung ist schwer

Leider erhält man mit der Eintrittskarte nur einen recht unbedarften Flyer, nicht einmal einen Lageplan, der die Orientierung erleichtern würde. Nur unmittelbar nach der Eingangskontrolle findet man eine Orientierungstafel. Die habe ich photographiert und mich so durchs Gelände getastet.

Olympia Lageplan

Olympia Lageplan

Olympia Lageplan 1

Olympia Lageplan 1

Gerade rechter Hand beim Eingang befinden sich die Reste des Gymnasion (1), eine Laufbahn fürs Training. Linker Hand ein Trümmerhaufen, der einmal Thermen (24) waren und ein Stück weiter voraus das Gebäude für die Verwaltung des Heiligtums, das Pyrtaneieon, auch Sitz des nie erlöschenden Feuers (19). Daran anschliessend ein Rundbau, das Philippeion. Es wurde von dem Makedonierkönig Philipp II gestiftet zu seinem Sieg über die Griechen, in dem er sich selbst und seinem Geschlecht huldigte (18). Philipp II starb während der Bauzeit, sein Sohn Alexander der Grosse vollendete das Werk. Links davon dann der schon erwähnte Tempel der Hera, wo man wieder einige Säulen aufgestellt hat. Das Philippeion wurde also hunderte Jahre nach Bau des Heratempels dort hineingepfercht.

Olympia Philippeion

Olympia Philippeion

Olympia Heratempel

Olympia Heratempel

Ein Stück weiter entlang des Heratempels in Richtung des Stadions wurde, auch viel später (in römischer Zeit), das Nymphäum zugefügt (15). Das Nymphäum ist ein monumentaler Brunnen, in dessen zweistöckigem Rundbogen Statuen römischer Kaiser, des Stifters und seiner Familie standen. An den Resten kann man ermessen, welche Grösse diese Anlage hatte.

Olympia Nymphäum

Olympia Nymphäum

Olympia Nymphäum

Olympia Nymphäum

Daran anschliessend stand das Metroon, der kleinste der Tempel, der früheren Göttern, z.B. der Erdgöttin geweiht war und dahinter Schatzhäuser der einzelnen Stadtstaaten, in denen sie wie in Delphi die Weihegaben an Zeus aufbewahrten. Von diesen Gebäuden sind nur noch die Fundamente erhalten.

Nur ein kleiner Teil der Festivitäten waren Wettkämpfe

Noch weiter in der gleichen Richtung kommt man durch einen Gang, über den sich ein Bogen spannte, zum Stadion, in dem die Wettkämpfe zu Ehren Zeus stattfanden. Wie in Delphi sassen die Zuschauer auf dem Boden auf den leicht ansteigenden Aufschüttungen rings um die Wettkampfbahn. In Delphi, Du erinnerst Dich, haben die Römer später Sitzstufen zugefügt, in Olympia nicht.

Olympia Stadion

Olympia Stadion

Zurück durch den Gang dann links läuft man an der Echohalle vorbei, eine langgestreckte Halle, die ein siebenfaches Echo erzeugte. Sie war ein Ehrendenkmal für Ptolemäus und Arsinoe, deren Statuen auf zwei 8,5 Meter hohen Säulen standen. Auch von diesem Bauwerk existieren nur noch die Fundamente.

Generationen haben hier gebaut

Olympia Echohalle

Olympia Echohalle

Olympia Echohalle

Olympia Echohalle

Während die Echohalle ca. 250 vor Christus entstand sind die Gebäude beim weiteren Rundgang um den Zeustempel neueren Datums. Hinten links, das grosse Gebäude mit Prunksälen, Gärten, Bädern und vielen Räumen wurde z.B. anlässlich der Teilnahme Kaiser Neros an den olympischen Feiern 67 nach Christus gebaut. Es gibt noch eine Halle, deren Tonnengewölbe intakt ist, mit einzigartigen Mosaikböden.

Olympia Nerovilla

Olympia Nerovilla

Olympia Nerovilla

Olympia Nerovilla

Weitere Gebäude, die an Grundfläche die Fläche, aber nicht die Mächtigkeit des Zeustempels übertreffen, kamen auch erst später hinzu, z.B. ein Besucherzentrum, im Plan mit 4 gekennzeichnet, nochmals Bäder und weitere Gebäude zur Verwaltung.

Ohne Pausanius wüssten wir viel weniger

Das Zentrum blieb hingegen immer der Zeustempel. Wie die Gebäude ausgesehen haben, wissen wir von dem Reiseschriftsteller Pausanias, dessen Beschreibungen aus ungefähr dem Jahr 170 nach Christus so exakt stimmen, dass man in Delphi nach seinen Angaben grub und genau die Dinge fand, die er beschrieben hatte.

So wissen wir auch, dass im Zeustempel eine riesige Statue des Zeus aus Elfenbein und Gold stand, die anhand seiner Beschreibung rekonstruiert wurde. Denn das Original von unendlichem Wert wurde von den Osmanen nach Istanbul verschleppt und ist dort vermutlich beim grossen Brand zerstört worden. Im Museum, das man nach dem Besuch der Ausgrabungsstätte besuchen sollte, befindet sich eine Nachbildung. Der Künstler war Phidias, dessen Werkstatt man anhand seiner Werkzeuge und vielen Abfallspänen aus Elfenbein man identifiziert hat (4). Seine Werkzeuge sind im Museum ausgestellt, darunter, man höre und staune, eine Lochsäge.

Olympia Zeus des Pheidas

Olympia Zeus des Phidias

Das Museum ist reich bestückt mit Stücken aus 3000 Jahren

Das Museum ist reich an Funden, von Votivgaben über Keramik bis zu den zwei Friesen des Zeustempels, auf denen zwei der zentralen Mythen Griechenlands dargestellt sind, die ungefähr um das Jahr 2500 vor Christus angesiedelt sind, der Kampf der Laphiten mit den Kentauren am Westgiebel und der Betrug des Pelops an Oinamaos.

Die Laphiten waren ein Volk von Riesen. Ihre Nachbarn waren die Pferdemenschen, die Kentauren. Perithoos, der König der Laphiten lud die Kentauren zu seinem Hochzeitsfest mit Deidameia ein. Die Kentauren, die bisher nie Wein gekostet hatten und ihn so gut fanden, dass sie betrunken wurden, vergriffen sich an der Braut. Es kam zum Kampf, Perithoos mit seinen Mannen und seinem Freund Theseus besiegten die Kentauren. Seither gibt es keine Kentauren mehr.

Das Hauptmythos Olympias ist der Betrug des Pelops. Oinamaos war der König der Gegend um Olympia. Er wusste aus einem Orakel, dass er von der Hand seines zukünftigen Schwiegersohns sterben würde. Was niemand wusste war, dass der Gott Ares Oinamaos unbesiegbare Pferde geschenkt hatte. Deshalb forderte er die Bewerber seiner Tochter Hippodameia zu einem Wagenrennen auf. Wenn der Freier siegen würde, würde er Hippodameia zur Frau erhalten. Als schon dreizehn Freier hatten ihr Leben gelassen, erschien Pelops, der Sohn des Königs Tantalos aus dem fernen Phrygien. Er bestach Mytilos, den Wagenlenker des Oinamaos.Der lockerte ein Rad und Pelops siegte. Oinamaos strürzte sich darauf in den Tod, Pelops gewann Hippodameia zur Frau und wurde Herrscher über das Gebiet, das seit damals seinen Namen, Peloponnes heisst.

Kampf der Laphiten mit den Kentauren

Kampf der Laphiten mit den Kentauren

Betrug des Pelops an Oinomaos

Betrug des Pelops an Oinomaos

Olympia ist beeindruckend und doch ganz anders als Delphi. Delphi mit seinen steilen Hängen und den fast senkrechten und hoch aufsteigenden Phädriaden macht einen bedrückenden, aber auch ehrfürchtigen Eindruck, Olympia ist weit, licht und eben.

Wir haben bestes und warmes Wetter, gestiftet von einem stabilen Hochdruckgebiet. Deshalb beschliessen wir, zurück zur Küste zu fahren, und ein paar Tage Ruhe zu geniessen. Etwas südlich von Zacharo finden wir einen Stellplatz direkt am Sandstrand, der sogar Wasseranschluss hat. Die Gemeinde hat sogar ein Schild angebracht, Camping erlaubt. Das haben sich schon ein paar andere Wohnmobilisten nicht zweimal sagen lassen. So verbringen wir vier Tage in angenehmer Gesellschaft, bestem und warmem Wetter und kristallklarem Wasser zum Baden.

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