Korinth, die grosse Handelsstadt


Abschied vom See Vouliagmenis nach Korinth

Ganz am Ende der Landzunge des Limni-Vouliagmenis, eine knappe halbe Stunde Fussweg von unserem schönen Platz, entdecken wir eine weitere, kleine Ausgrabungsstätte, der Hera Akraia gewidmet. Es entstand im sechsten Jahrhundert vor Christus. Ganz unspektakulär, kein Zaun, kein Eintritt, aber bei jeder Ruine eine Erklärung. Es gab neben dem Tempel, einem kleinen Theater, weiteren kleineren Anlagen einen kleinen Hafen, über den die Pilger anlandeten. Für sie stand ein Gästehaus zur Verfügung. Die Wasserversorgung an diesem wasserarmen Zipfel war durch eine enorme Zisterne mit zwei Apsiden gesichert.

Hera Akraia Limenia Heiligtum

Hera Akraia Limenia Heiligtum

Hera Akraia Limenia Heiligtum Zisterne

Hera Akraia Limenia Heiligtum Zisterne

Auf dem Rückweg ein tolles Schauspiel: Wolken fliessen wie Wasser in Zeitlupe einen Berghang hinunter . . .

Wolken fliessen den Berg hinunter

Wolken fliessen den Berg hinunter

und in einem Waldstück sehe ich, wie die Griechen den Harz für ihren Retsina gewinnen.

Harz für Retsina

Harz für Retsina

Der Limni-Vouliagmenis ist so schön gelegen, dass uns der Abschied schwer fällt. Die Taverne am See haben wir an zwei Abenden besucht. Wir geniessen gegrillte Sardinen, griechischen Salat, Tzatziki und weitere kleine Happen auf der Terrasse mit Blick auf See und Gebirge. Korinth auf der anderen Seite des Berges liegt ganz nahe.

Limni See Vouliagmeni

Limni See Vouliagmeni

Blick auf Korinth

Blick auf Korinth

Korinth, einer der bedeutendsten Stadtstaaten des alten Griechenlands

Dort wollen wir jetzt hin. Denn von den vielen Stadtstaaten im alten Griechenland spielte Korinth neben Athen und Sparta eine herausragende Rolle. Allerdings waren die Rollen ganz unterschiedlich: während Sparta sich der Zucht, Ordnung und Disziplin widmete, Athen sich ganz auf die Kunst und die Geisteswissenschaften konzentrierte, betrieb man in Korinth Handel. Das ergab sich schon aus seiner Lage am Isthmus: nach Westen der Golf von Korinth, der sich nach Europa öffnet, nach Osten der Saronische Golf, durch den die Waren aus dem nahen und fernen Osten ankamen. Den 6300 Meter langen Istmus durchstechen und so eine Wasserverbindung zwischen beiden Golfs herstellen, die Idee bestand schon lange. 67 nach Christus eröffnete Nero die Arbeiten mit einem goldenen Spaten. 6000 jüdische Sklaven gruben ein halbes Jahr lang, dann gab man wieder auf und zog die Schiffe wie alters her bis ins zwölfte Jahrhundert auf einer Art Rutsche von einem Golf zum anderen.

Alt-Korinth Schiffsrutsche

Alt-Korinth Schiffsrutsche

Am Istmus in Korinth

Am Istmus in Korinth

Den Kanal können nur kleine Schiffe benutzen, die grossen Schiffe müssen nach wie vor die drei oft von Stürmen umtobten Vorgebirge der Peleponnes umschiffen. Allerdings werden diese Stürme den heutigen grossen Schiffen kaum noch gefährlich, im Gegensatz zu den kleinen Fahrzeugen früherer Zeiten.

Acrokorinth, eine enorme Festung auf einem Felsen vor Korinth

Wir besuchen zuerst Acrokorinth, eine riesige Festung, die den ganzen majestätischen Felsen, der das Umland beherrscht, umringt. Sie diente einerseits zum Schutz der Stadt Korinth, aber auch als Schutzburg für das alte Korinth, wenn die Stadt mal wieder von Seeräubern überfallen wurde. Man kann ohne weiteres einen halben Tag darin verbringen, es geht steil hoch und herab, und hat doch noch nicht alles gesehen. In ihrer heutigen Grösse entstand sie erst in unserem Zeitalter. Es bauten die Römer, die Venezianer, dann die Kreuzritter, von denen ein Teil in Griechenland hängenblieb, dann die Osmanen, dann erneut die Venezianer, dann wieder die Osmanen. Die griechische Geschichte der neueren Zeit ist eigentlich eine Geschichte der Fremdbeherrschung, die erst mit den Unabhängigkeitskriegen um 1825 endete.

Acro-Korinth

Acro-Korinth

Acro-Korinth

Acro-Korinth

Acro-Korinth

Acro-Korinth

Acro-Korinth

Acro-Korinth

 

Das römische Korinth

Das alte Korinth liegt mitten in der modernen Stadt, man musste es erst wieder ausgraben und von darüber gebauten Wohnhäusern befreien. Allerdings ist von der griechischen Stadt wenig übriggeblieben, sie wurde von den Römern völlig zerstört. Erst etwa 100 Jahre später lies Cäsar Korinth wieder aufbauen als eine eher römische Stadt.

Römisches Korinth

Römisches Korinth

Nur der mächtige Apollontempel zeugt von dieser älteren Zeit. Die Säulen des Zeustempels in Olympia wurden aus Trommeln aufgeschichtet. Die Säulen des Apollontempels bestehen aus einem einzigen Stück!! Um eine Säule zu umfassen müssen zwei bis drei Mann sie umringen.

Apollontempel Korinth

Apollontempel Korinth

Korinth Ruinen

Korinth Ruinen

Von den anderen Tempeln, öffentlichen Gebäuden, Theater usw. erkennt man nur noch ansatzweise die Umrisse.

Weiter zum grössten Theater, das noch heute benutzt wird

Das besterhaltene antike Theater und gleichzeitig auch das grösste befindet sich in Epidaurus. Epidaurus war ein Kurort, der im Altertum so bekannt war, dass Kranke aus so fernen Gegenden wie Rom oder Ägypten hier Linderung oder Heilung suchten. Von Korinth nach Epidaurus sind es ungefähr 60 Kilometer. Wir machen uns noch gleichentags auf den Weg, denn wir haben inzwischen begriffen, dass 60 Kilometer wegen der griechischen Topographie sehr steil und schlängelnd sein können. Und so ist es auch hier. Es wird dunkel und in der verwirrenden Anzahl Wegweiser, die Epidaurus, allerdings jedes mit einem anderen Zusatz, anzeigen, will es doch das Glück, dass wir in Neu-Epidaurus an einem schönen Strand mit Wasserversorgung landen.

Neu-Epidaurus

Neu-Epidaurus

 

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