Epidaurus, viel besuchter antiker Kurort


Die vielen Epidaurus verwirren

Es gibt ein Nea Epidaurus, ein Epano Epidaurus, ein Paléa Epidaurus und das antike Epidaurus. Paléa Epidaurus ist das einzige Epidaurus am Meer, es besitzt einen Hafen. In ihm sind die Pilger und Heilsuchenden gelandet, um sich dann auf den Weg zum Heiligteum zu machen.

Hier sind wir an einem schönen Strandabschnitt etwas ausserhalb angelangt und es gefällt uns so gut, dass wir ein paar Tage bleiben. Es ist ein hübsches, kleines Örtchen, in dem die Uhren langsamer gehen. Im Hafen treffen wir Nomaden, aber nicht wie wir zu Lande, sondern zu Wasser. Ein kleines Schwätzchen, es sind drei Freunde, Junggesellen. Sie leben auf dem Segelboot und ihre Heimat sind die griechischen Gewässer.

Paléa-Epidaurus Strand

Paléa-Epidaurus Strand

Paléa-Epidaurus Wassernomaden

Paléa-Epidaurus Wassernomaden

Die byzantinische Kirche auf dem bröckelnden Felsen überblickt den Hafen und die wunderschönen Blüten der Bougainvilla erfreuen das Herz.

Paléa-Epidaurus byz. Kirche

Paléa-Epidaurus byz. Kirche

Paléa-Epidaurus Bougainvilla

Paléa-Epidaurus Bougainvilla

Das antike Epidaurus

Das antike Epidaurus war keine Stadt, sondern eine heilige Stätte. Jedes Jahr fand eine heilige Prozession von Paléa-Epidaurus zum Heiligtum etwa 6 km entfernt statt, deren Spuren man noch heute erkennen kann. Aber ohne die jährliche Prozession war immer Betrieb hier.

Wir finden bei unserem Rundgang durch das Örtchen ein antikes Theater, dessen Masse sich jedoch verglichen mit dem Theater im Heiligtum, das wir später sehen werden, recht bescheiden sind.

Paléa-Epidaurus

Paléa-Epidaurus

Paléa-Epidaurus Theater

Paléa-Epidaurus Theater

Die Strasse am Bergrücken, die erst kürzlich aus dem Berg gebrochen resp. erweitert wurde, führt uns zur Ausgrabungsstätte Epidaurus. Hier wurde Asklepius verehrt. Es war das Zentrum der über das ganze Land vertreuten Asklepius-Heiligtümer, wovon wir eines ja in Messini gesehen haben. Es war ein über die ganze alte Welt bekannter Kurort, in dem erstaunliche Heilerfolge erzielt wurden. Das erste Monument, das man nach Betreten der Ausgrabungsstätte erkennt ist das atemberaubend grosse Theater, das Platz für 12’000 Zuschauer bot. Die Zuschauer betraten das Theater durch zwei eindrückliche Eingänge rechts und links der Bühne und stiegen dann auf sechzehn Treppen zwischen den Sitzplätzen zu ihrem eigenen Platz. In den Sitzreihen war hinter den Sitzenden genügend Platz, dass man hinter ihrem Rücken durchlaufen konnte.

Das besterhaltene Theater Griechenlands

Antikes Epidaurus Theater

Antikes Epidaurus Theater

Antikes Epidaurus Theatereingang

Antikes Epidaurus Theatereingang

Die runde Bühne hat einen Durchmesser von 20 Metern, in dessen Mitte noch der Grundstein eines Altars vorhanden ist. Ich bin ganz oben, als zwei junge Mädchen unten auf der Bühne anfangen zu singen. Die Akustik ist unglaublich, man hört auch ganz oben jedes Wort, das unten gesprochen wird, sehr deutlich. Ich staune wie schon so oft über das Wissen der Menschen, das sie schon vor mehreren tausend Jahren besassen.

Der Asklepios-Tempel als Mittelpunkt

Das Zentrum des Heiligtums ist der Asklepios-Tempel. Um ihn herum gruppieren sich zahlreiche Gebäude eines grossen Kurzentrums: pompöse Propyläen, gefasste Quellen und Vorratszisternen, Bäder, Hotels für die Heilungsuchenden, Hospize für Pilger, Tempel der Artemis, ein ägyptisches Heiligtum aus dem 2. Jahrhunder nach Christus, der Osiris und der Isis geweiht, ein Rundbau (Tholos) mit unterirdischem Zugang zum Hades, ein Apollo-Altar unter freiem Himmel, mehrere Stoas (säulengesäumte Wandelgänge) und natürlich auch hier eine Wettkampfarena, allerdings eher bescheiden. Das Heiligtum ist lange nicht so weitläufig wie Dion. Dafür sind die Gebäude dicht gedrängt.

Antikes Epidaurus

Antikes Epidaurus

Antikes Epidaurus Wettkampfarena

Antikes Epidaurus Wettkampfarena

Antike Heilmethoden

Geheilt wurde durch Schlaf, gezielte Ernährung und gelegentlich sogar duch chirurgische Eingriffe. Man glaubte fest daran, dass Träume, die in diesem Heiligtum geträumt würden, von Asklepios gesteuert sind und die Heilung verursachen. Im Museum gibt es zwei Darstellungen von Heilungserfolgen.

Heilung

Heilung

Heilung

Heilung

Unter der ersten Darstellung wird erzählt: ein Mann mit einer Wunde an seinem grossen Zeh wurde durch eine Schlange, die seinen Zeh ableckte, geheilt, während er schlief. Im Traum sah er einen hüschen Jungen, der seinen Zeh verband.

Unter der zweiten Darstellung wird erzählt: Andromache von Epirus kam für eine lang ersehnte Schwangerschaft. Sie schlief im Abaton und sah im Traum, dass ein hübscher Junge ihr Kleid hob, anschliessend berührte der Gott ihren Bauch. Nach diesem Traum gebahr sie ihrem Ehemann Arybbas einen Sohn.

Asklepios und die Schlange

Über den Halbgott Asklepios haben wir ja schon in Messini einiges erfahren. Hier stand seine Statue im Asklepios-Tempel, gestützt auf einem Stab, um den sich eine Schlange windet. Rechts von ihm lag ein Hund. Ein weiterer Fund erregt Aufsehen: ein korinthisches Kapitell. Aufsehen erregte es, weil es nicht etwa von einem Tempel stand, sondern tief vergraben, sorgfältig eingehüllt, gefunden wurde. Es ist in tadellosem Zustand. Warum wurde es vergraben? Diente es als Muster und sollte in turbulenten Zeiten vor Zerstörung geschützt werden?

Asklepios

Asklepios

korinthisches Kapitell

korinthisches Kapitell

Weiter nach Napflios

Vor allem im Theater habe ich mich lange aufgehalten, Sitzreihen hoch und Sitzreihen wieder runter. Das grossartige Theater versuche ich zu begreifen, es bietet, so wie man es erkundet, immer wieder neue Ansichten. Hier befindet sich eine besondere Aura, die ich auf mich wirken lasse.

Wir sind vor Mittag hier angekommen und es wird schon Abend. Zeit, sich um einen Schlafplatz zu kümmern. Marlies hat geschrieben, dass ihre Reparatur gut erledigt wurde und in Napflio am Hafen stehe. Napflio ist nicht mehr als 50 km entfernt. Wir kommen noch bei Tageslicht an und sind jetzt wieder zu dritt.

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