Mystra, die byzantinische Hauptstadt Griechenlands


Mystra war der Steinbruch für das neue Sparta

Auf dem Weg von Napflio nach Kalamata liegt Sparta. Gemäss Reiseführer ist vom alten Sparta nicht viel übriggeblieben. Der Reiseführer hat Unrecht: es ist rein gar nichts übriggeblieben. Es diente als Steinbruch zur Errichtung des neuen Sparta, eine sterile Retortenstadt im Schachbrettmuster. Aber ganz in der Nähe liegt das alte Mystras oder Mystra, eine Ruinenstadt aus byzantinischer Zeit.

Mystra ist Weltkulturerbe

In den Ruinen, deren Steine grossenteils zum Aufbau des neuen Sparta benutzt wurden, bestehen noch wenige unzerstörte Gebäude und sogar ein noch ein aktives Nonnenkloster. Ganz oben die Festung, in deren Mauern mit zwei Schutzzonen sich Mystra befindet. Der Erhaltungsgrad Mystras hat die UNESCO bewogen, Mystra als Weltkulturerbe zu deklarieren, denn es ist eine reiche Quelle für Erkenntnisse über mittelalterlichen Städtebau, über byzantinische Kultur und Kirchenmalerei in den noch wenigen gut erhaltenen Kirchen.

Mystras Ruinen

Mystras Ruinen

Mystras Kloster und Burg

Mystras Kloster und Burg

Mystra war byzantinisch

Mystra entwickelte sich ab 1220 und war ab 1262 der religiöse Mittelpunkt des byzantinischen Reiches auf der Peleponnes. 1348 wurde Mystra die Hauptstadt der Region Morea, bis die Türken, die Byzanz schon Jahre vorher erobert hatten, auch auf die Peleponnes vordrangen und 1460 Mystra eroberten.

Eine Besichtigung Mystra stärkt die Beinmuskeln, denn im Mittelalter streiften Banden und Piraten durch das Land, die plünderten, was sie erobern konnten. Also war Sicherheit ein wesentlicher Faktor und man suchte sich Plätze, die natürlichen Schutz boten. Weiter war wichtig die Wasserversorgung, die Nähe von Wald und möglichen Steinbrüchen als Quelle für Baumaterial. All das ist in Mystra reichlich vorhanden. Die steile Bergwand ist zwar mühsam für das tägliche Leben, aber Sicherheit ging vor. Die mit groben Steinen gepflasteren schmalen Wege machten die Bewegung in der Stadt nicht etwa leichter. Ich vermute mal, dass hauptsächlich mit Eseln transportiert wurde, entsprechend eng sind die Gässchen. Die Nobilität allerdings liess sich tragen.

Mystras steil und uneben

Mystras steil und uneben

Mystras Nobilität

Mystras Nobilität

Nach Durchqueren einiger Ruinen steht man vor der ersten gut erhaltenen Kirche, der Saint Demetrios. Offenbar hat man sich gescheut, die religiösen Stätten als Steinbruch zu missbrauchen. Die Saint Demetrios ist ein schönes Beispiel byzantinischen Kirchenbaus. Das himmelhoch Strebende in Europa Kirchen findet man hier nicht. Es sind vielmehr Kreuzkirchen mit einer Kuppel. Sie sind hübsch verziert und haben meist nur eine Glocke. Das Läuten dieser Glocken hört sich eher an wie bei uns eine Bimmelbahn. Glockenspiele oder mächtiges Glockengeläut habe ich in Griechenland nie gehört. Im Boden der Kirche befindet sich eine Marmorplatte mit dem zweiköpfigen Adler, das Symbol des byzantinischen Reichs, an der Stelle, an der Kaiser Konstantin XI gekrönt wurde.

Mystra Saint Demetrios

Mystra Saint Demetrios

Mystras Saint Demetrios

Mystras Saint Demetrios

Die Klöster Mystras

Etwa zweihundert muskelstrapazierende Meter weiter den steilen Berg hinauf stösst man auf die Ruinen eines von mehreren Klöstern, dem Kloster Vrontochion, innerhalb der Stadt. Bei den Urchristen siedelten Klöster an möglichst einsamen Plätzen, denn Mönche sollten nicht durch die Lockungen der Städte und Menschen verführt werden. Der byzantinische Kaiser Theodosius I erliess selbst ein Gesetz, das Klöster in Städten verbot. So wurden sie aber mit der Zeit zum leichten Objekt der Begierde von Räubern und Piraten. Die Not zwang die Klöster also, sich in Städten niederzulassen mit einer eigenen Schutzmauer um sie herum. Das Kloster Vrontochion enthält eine Reihe von aussergewöhnlich gut erhaltener Fresken byzantinischer Art.

Mystras Kloster Vrontochion

Mystras Kloster Vrontochion

Mystras Kloster Vrontochion

Mystras Kloster Vrontochion

Mystras Kloster Vrontochion

Mystras Kloster Vrontochion

Mystras Kloster Vrontochion

 

Weiter hoch den Berg Richtung Burg befindet sich noch ein Kloster, aber keine Ruine, sondern ein aktives Nonnenkloster Panatanassa. Nachdem man die tagsüber geöffnete Türe durchschritten hat, steht man mitten im Kloster mit linkerhand entlang der Hangseite einem langen Gebäude der Zellen der Nonnen. Sie müssen einen phantastischen Blick ins Tal haben.

Eingang Kloster Pantanassa

Eingang Kloster Pantanassa

Kloster Pantanassa Zellen

Kloster Pantanassa Zellen

Eine Zellentür steht offen und als ich einen Blick hineinwerfe lädt mich die Nonne ein, einzutreten. Sie bietet Handarbeiten an, die von ihren Schwestern angefertigt werden. Hier kann man sicher sein, dass es wirklich Handarbeit ist. Ein blitzender, blankgeputzter kupferner Gegenstand, der in einer Ecke am Boden steht, fällt mir auf. Sie kann nur griechisch, aber erklärt mir mit Gesten, dass es sich um ihren Wärmespender für die kalten Zeiten handelt.

Kloster Pantanassa Zelle

Kloster Pantanassa Zelle

Kloster Pantanassa Holzkohleofen

Kloster Pantanassa Holzkohleofen

Auf der Bergseite, gegenüber der Zellen, steigt steil die Klosterkirche empor. Auf einer Tafel wird erklärt, dass die Beziehungen zwischen dem oströmischen (also Byzanz) und dem weströmischen Reich in späterer Zeit wieder intensiver wurden und sich deshalb an dieser Kirche gotische Elemente finden. Innen ist sie in rein byzantinischem Stil gehalten, mit Frescos aus dem 15. Jahrhundert, die zu den besten Beispielen spät-byzantinischer Kunst zählen.

Kloster Pantanassa westlicher Einfluss

Kloster Pantanassa westlicher Einfluss

Kloster Pantanassa Kirche

Kloster Pantanassa Kirche

Die Festung erbaut von Franken

Ganz oben steht trutzig die Festung. Der untere Teil von Mystra befindet sich etwa 350 m über Meer, die Burg liegt auf ca. 700 m über Meer. Ich bin also jetzt ca. 350 Meter auf höchst grobem Plaster, auf dem man Fehltritte sorgfältig vermeiden muss, nach oben geklettert. Ausser den mächtigen Aussenmauern ist nicht mehr viel übrig. Der Blick allerdings in die Tiefe auf das moderne Mystra und die lakonische Ebene ist überwältigend.

Mystras Festung auf 700 m

Mystras Festung auf 700 m

Das neue Mystra von oben

Das neue Mystra von oben

Jetzt erst mal wieder hinunter, immer ausbalancierend, um das Gleichgewicht zu halten. Ich male mir aus, wie die Leute damals diese Wege bewältigten. Die Burgbewohner ritten ziemlich sicher, denn dort sah ich die gleichen schrägen, weitgezogenen Treppenstufen, die ich schon in Schachtbrunnen in Portugal gesehen habe. Dort wurde erklärt, dass diese Art Treppen für Maultiere gebaut wuren, die das Wasser nach oben brachten. Die Noblen liessen sich tragen. Aber ich bewegte mich als einfacher Bürger in diesem Gelände und fand es recht anstrengend.

Eine kleine Erholungspause im wohlig warmen Wohnmobil repariert alles und neue Pläne weerden geschmiedet. Ich werde mir den wilden Westen, äh, den wilden Süden Giechenlands ansehen.

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