Die Strassen Griechenlands


Eine Strasse über einen Bergrücken

Von der Ruinenstadt Mystra, die sich an einem sehr steilen Hang von ca. 350 m bis auf ca. 700 m über Meer hinaufzieht und nur über extrem steile, schweisstreibende Wege und Treppen erkundet werden kann, muss nun der Taÿgetos überquert werden, um Kalamata zu erreichen.

Das gibt Gelegenheit, einmal über die griechischen Strassen zu sprechen. Sie sind geprägt von meist steilen Gebirgszügen, die meist von Nord-Nord-West nach Süd-Süd-Ost verlaufen. In dieser Richtung laufen die Strassen meist nicht im Tal, sondern an den Hängen. In Mystras wurde erklärt, dass im Mittelalter die Hänge besiedelt wurden, um besser gegen Überfälle geschützt zu sein. Die Eselspfade, die diese Siedlungen verbanden, wurden zu Strassen und ziehen sich so immer noch in Serpentinen die Hänge entlang.

Die Topographie bestimmt den Strassenverlauf

Das bedeutet viele Kurven. Man folgt der Topographie, fährt auf der einen Bergseite weit in Schluchten hinein, um auf der gegenüberliegenden Bergseite wieder zurück zu kommen, nur um etwa 300 m Luftlinie zurückgelegt zu haben. Will es jedoch das Ziel, dass man nicht dem Bergverlauf entlang fahren kann, sondern auf die andere Seite des Bergrückens gelangen muss, muss man ihn überqueren. Nur selten hat man dann eine so tolle Strasse wie im Bild, denn nur selten sind die Berghänge so eben. Meistens quält sich die Strasse durch gewaltige Kalksteinbrocken den Berg hinauf und dann wieder hinunter.

Von West nach Ost

Von West nach Ost

Felsbrocken

Felsbrocken

Man sieht sich mehrmals

So passiert es oft, dass man ein Auto, das man vor vielleicht zehn Minuten gekreuzt hat, auf der anderen Schluchtenseite wiedersieht, weil es sage und schreibe etwa 5 km nach hinten in die Schlucht und dann wieder 5 km zurückfahren musste, um dort anzukommen, wo ich es jetzt sehe. Man darf auf diesen Strassen nicht mit mehr als 40 km Durchschnittsgeschwindigkeit rechnen. Das ist auch gut so, denn man trifft immer wieder auf herabgestürzte Steine, denen man ausweichen muss.

sich windende Bergstrasse

sich windende Bergstrasse

Bergstrasse Stein

Bergstrasse Stein

Es geht aber noch besser: so steile Hänge, die über Serpentinen erklimmt werden müssen, dass man ein Auto, das man gerade gekreuzt hat, erneut sehr nahe sieht, nur ein paar Etagen höher. Die Haarnadelkurven sind so eng, dass man höchstens im zweiten Gang fahren kann, in der Kurve muss man oft in den ersten Gang zurückschalten.

Von Null auf Tausenddreihundert und zurück

Über den Langada Pass

Über den Langada Pass

Über den Langada Pass

Über den Langada Pass

Es ist der Langada-Pass, den man von Sparta nach Kalamata überwinden muss. Die Strecke ist weniger als 60 Kilometer lang, aber man steigt von Meereshöhe auf 1300 m (dort lag Anfang November schon dünner Schnee bei 22°C unten in Kalamata) und dann wieder hinab auf Meereshöhe. Auf dem folgenden Bild sieht man die Strasse auf der anderen Seite der Schlucht fast nicht, aber dort führt die vor mir liegende Strasse hin weit in die Schlucht hinein und wieder zurück.

Über den Langada Pass

Über den Langada Pass

Über den Langada Pass

Über den Langada Pass

Angenehm ist der geringe Verkehr. Auf der ganzen Pass-Strecke habe ich nur drei Autos gekreuzt.

Es gibt auch geradere Strassen

Wenn man die Kurverei vermeiden will, muss man Strecken in Tälern oder die Autobahnen, die sehr gut sind, wählen. Allerdings sind auch die Strecken in den Tälern in der Regel recht kurvenreich, die Autobahnen führen weiträumig um die Berge herum. Mit andern Worten, es häufen sich die gefahrenen Kilometer. Achtung: an den Mautstellen wird bar bezahlt. Also genügend Bares mitnehmen, Kreditkarte geht nicht.

Die Strassen sind im allgemeinen gut, starke Schlaglochstrecken gibt es jedoch vereinzelt und dazu unvermittelt. Eine Eigentümlichkeit ist, dass die Strassen in aller Regel mit einer doppelten Mittellinie geziert sind, auch an Stellen, an denen problemlos überholt werden kann.

Verkehrssignalisation gibt Rätsel auf

Die Verkehrsignalisation ist oft rätselhaft. Ich habe auf freier Strecke Stoppschilder gesehen, ohne eine Querstrasse weit und breit. Aber auch sonst stehen sie überall, z.B. an Bahnübergängen, über die, dem Bewuchs der Bahntrasse nach zu schliessen, schon lange kein Zug mehr gefahren ist.

Problemlose kilometerlange Strecken, die es vor allem in Schwemmlandgegenden unten am Meer gibt, mit nichts als Olivenbäumen rechts und links, sind auf 50 km/h oder gar 40 km/h begrenzt, obwohl sich die Strasse für 90 km/h eignet. Das sind nicht die einzigen Beispiele.

Der Grieche ignoriert die oft unsinnigen Schilder

Konsequentewweise hält sich kein Grieche an diese unverständlichen Verkehrsregeln. Es wird so schnell gefahren, wie es die Strasse zulässt, überholt wird auf doppelter Linie als ob sie nicht existierte, Stoppschilder werden ignoriert. Unfälle habe ich in der ganzen Zeit trotzdem nicht gesehen, der Grieche fährt ordentlich. Schnell fahren kann man sowieso nur selten, so lässt sich problemlos anhalten, wenn man plötzlich vor einem Felsbrocken, einer Ziegen- oder Schafherde steht.

Ziegen und Schafe auf nomaler Strasse

Ziegen und Schafe

 

Andenken findet man am Fahrzeug

Vor allem auf Bergstrecken sind die Strassen manchmal recht schmal. Maschinen, die den Bewuchs der Strassenseiten zurückstutzen gibt es entweder in Griechenland nicht oder sie werden kaum benutzt. So wuchert Gestrüpp und Buschwerk rechts und links in die Strasse hinein. Auch Olivenbäume werden nicht beschnitten und hängen weit in die Fahrbahn. So ist man gezwungen, in der Strassenmitte zu fahren. Aber auch so muss man mit Spuren auf der rechten Seite des Fahrzeugs rechnen, die von mehr oder weniger liebevollen Streicheleinheiten des Grünzeugs herrühren.

Parken auf griechisch

Passiert eine Strasse eine Ortschaft, wird es oft sehr eng. Trotzdem wird überall, wo noch ein kleines Plätzchen verfügbar ist, geparkt. Wild in allen Richtungen durcheinander. Kein Problem, wenn der Verkehr dadurch behindert werden könnte, es wird einfach der Warnblinker eingeschaltet. Dabei gilt die Breite eines Personenwagens als Massstab, ob noch jemand durchkommen kann. Kommt ein 2,3 m Fahrzeug, wird erwartet, dass es hupt. Dann kommt in aller Seelenruhe der betreffende Autobesitzer aus einem der vielen Kafeeneons und schiebt sein Auto etwas beiseite, um dann zu seinem Kaffee zurückzukehren.

Polizeipräsenz

Die Polizei ist im Wesentlichen abwesend. In den mehreren Wochen habe ich sie nur zweimal gesehen, einmal in Igoumenitsa, als sie vergeblich versuchte, uns vom Drepano-Beach zu vertreiben, und das zweitemal fünf Wochen später bei einer Geschwindigkeitskontrolle.

Wegwerfen trotz Müllkübel

Dass der Grieche alles auf dem Fenster wirft, das er nicht mehr benötigt, habe ich in einem anderen Bericht schon erwähnt. Strassenränder vielbefahrener Strassen und auch Badeplätze sind ekelerregend vermüllt, es fehlen auch keine Intimartikel. Dabei stehen an allen Ecken genügend Abfallbehälter. Umweltbewusstsein ist hier noch kaum vorhanden. Dabei ist es kein böser Wille. Der Grieche ist sehr umgänglich, freundlich und hilfsbereit. Er denkt sich einfach (noch?) nichts dabei.

ei.

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