Die Süd- und Westküste Siziliens


Die Süd- und Westküst ist sonnenverwöhnt

Im Gegensatz zum Osten und Nordosten fällt der Süden Siziliens eher flach ins Meer. Trotzdem ist die Küste felsig, aber mit vielen Sandstränden dazwischen, an denen man gut stehen kann. Vor allem ist die Sonne schon früh da, während sie vor allem im Norden länger braucht, um hinter den steilen Felsen hervor zu kommen. Da das Land von der Sonne verwöhnt ist, gibt es auch Gegenden, die vollständig von Plastik verhüllt sind, um auch im Winter Gemüse zu züchten.

Auf dem Weg nach Agrigent

Auf dem Weg nach Agrigent

Plastik vor Agrigent

Plastik vor Agrigent

Agrigent, eine Grossstadt in hellenistischer Zeit

Mein erstes Ziel ist Agrigento, zeitweise die mächtigste Stadt des hellenistischen Griechenlands. Die bisherige flache Gegend steigt an, sie wird gebirgiger. Das moderne Agrigent liegt auf einem steilen Hügel. Das hat steile, enge und kurvenreiche Strassen zur Folge ohne die geringste Möglichkeit, mit einem Wohnmobil irgendwo anzuhalten. Ich flüchte mich quer durch das typisch italienische Gedränge auf die andere Seite. Aber das hellenistische Agrigent weiter unten lässt schon bei der Anfahrt grüssen, denn es liegt im “Tal der Tempel” unterhalb des modernen Agrigents.

Agrigent

Agrigent



Templo de la Concordia Castor und Pollux

Templo de la Concordia Castor und Pollux

Es gibt einen geräumigen kostenpflichtigen Parkplatz zur Ausgrabungsstätte, von dort ist man in ein paar Schritten an der antiken Porta V.

Porta V

Porta V

Modell der Porta V

Modell der Porta V

Die enormen Bauten konnten dank Sklaven erstellt werden

Das hellenistische Agrigent war in einen heiligen und einen Wohnbezirk geteilt. Der heilige Bezirk nochmals in den Bezirk der Chtonischen und der olympischen Gottheiten. Die Porta V führt direkt in den chtonischen Bezirk. Dort wurde vor allem Demeter mit ihrer Tochter Kore verehrt. Welchen Einfluss Kore auf die Jahreszeiten hat, seit Pluto sie geraubt hat, habe ich ja schon im vorherigen Artikel Villa Romana del Casale erzählt. Von dem Demeter-Tempel stehen nur noch vier Säulen. Aber gerade nebenan findet man die Kolymbethra, ein Tal mit einem seinerzeit riesigen Fischteich und Pflanzungen wie dem Garten Eden. Die Anlage mit kunstvoller Wasserversorgung über acht verschiedene unterirdische Zuleitungen konnte dank 30’000 gefangener Karthager aus einem der punischen Kriege realisiert werden.

Dioskurentempel Demeter und Tochter Kore

Dioskurentempel Demeter und Tochter Kore

Kolymbethra

Kolymbethra

Erstaunlich ist, dass der mächtigste Tempel, der Zeustempel völlig zusammengestürzt ist während der Tempel der Hera oder des Castor und Pollux oder auch der des Herkules recht gut erhalten ist. Sind sie weniger beschädigt, weil sie weniger kolossal sind?

Zeustempel

Zeustempel

Concordiatempel Castor Pol

Concordiatempel Castor Pol

Eine grosse Stadt

Das Gelände ist recht weitläufig, vom Demetertempel am untersten Ende bis zum Heratempel am obersten Ende legt man geschätzt etwa zwei Kilometer zurück. Warum die Anlage “Tal der Tempel” heisst, ist mir schleierhaft. Ich laufe ständig auf dem Rücken eines langen Hügels. Von den vielen Wohnhäusern sieht man im Gegensatz zu den Kolossalbauten nicht mehr viel oder gar nichts mehr.

Zisternen als Grabhöhlen

Unterwegs wird immer wieder auf Zisternen aufmerksam gemacht, die die Griechen zur Wasserspeicherung angelegt hatten. In den frühchristlichen Zeiten wurden die dann für Gräber benutzt. Ausserdem versucht man Agrigentziegen wieder neu anzusiedeln. Sie fallen ihrer gedrehten Hörner wegen auf. Offenbar wurden die in der Griechenzeit hier gehalten, sind aber dann verschwunden.

Zisternen als Grabhöhlen

Zisternen als Grabhöhlen

Agrigentziegen

Agrigentziegen

Seliunte, noch weitläufiger als Agrigent

Die nächste Ausgrabungsstätte ist Selinunte, ebenfalls eine griechische Siedlung. Selinunte war weniger mächtig als Agrigente, dafür aber noch weitläufiger. Die Distanzen lassen sich am besten am rechten Bild erkennen, das die Akropolis ganz am Horizont vom heiligen Bezirk aus zeigt.

Akropolis Selinunte aus der Luft

Akropolis Selinunte aus der Luft

Blick von Tempel F nach Akropolis

Blick von Tempel F nach Akropolis

In diese Ausgrabungsstätte darf man wegen ihrer Weitläufigkeit sogar mit dem Auto einfahren, was ich erst nachträglich erfuhr. So absolvierte ich einen gesunden Marsch. Auch gut.

Auch hier überrascht der gute Erhaltungszustand der Tempel. Im griechischen Kernland soll nur ein Tempel so gut erhalten sein, der von Bassai, aber der ist seit Kurzem eingehüllt, um ihn zu erhalten und kann daher nicht mehr besichtigt werden. Im Heratempel ist sogar noch die Cella erkennbar, dort wo die Statue der Göttin aufgestellt war sowie der anschliessende Raum, in dem der Tempelschatz aufbewahrt wurde.

Selinunte Cella Heratempel

Selinunte Cella Heratempel

Selinunte Heratempel

Selinunte Heratempel

Die Steinbrucharbeiten

Besonders beeindruckt hat mich ein Schaubild, das zeigt, wie die Griechen (oder ihre Sklaven) in den Steinbrüchen arbeiteten. Zuerst wurde auf den geglätteten Kalksteinboden ein Kreis gezogen, dann alles ausserhalb des Kreises weggehackt.

Steinbruch Phase 1

Steinbruch Phase 1

Steinbruch Phase 2

Steinbruch Phase 2

Anschliessend wurde die entstandene Säulentrommel vom Boden gelöst und auf Wagen oder Schlitten gehievt und zur Baustelle gebracht, die manchmal kilometerweit weg war.

Steinbruch Phase 3

Steinbruch Phase 3

Selinunte Steinbruch Phase 4

Selinunte Steinbruch Phase 4

Wenn ich dann noch bedenke, dass die Säulen des Zeustempels in Korinth oder des Apollotempels in Syrakus nicht aus aufeinandergeschichteten Trommeln, sondern aus einem einzigen Stück bestehen, dann kann man nur staunen über die Leistungen dieser Leute vor 2500 Jahren. Irgendwo habe ich gelesen, dass die Steine schon im Steinbruch gekennzeichnet wurden, für welchen Platz sie bestimmt waren. Es gab also Zeichnungen und von der Baustelle aus wurde angefordert, welche Steine als nächstes gebrochen und angeliefert werden müssen.

Wie immens gross und schwer die Teile waren sieht man an dem folgenden Säulenfuss, auf den ich meinen Baedecker gelegt habe, um einen Grössenvergleich zu haben.

Selinunte Fuss

Selinunte Fuss

Ein Detail aus griechischer Festungsbaukunst

Es gibt in Selinunte nicht etwa einen, nein, mehr als zehn Tempel, die auf diese Weise gebaut wurden, dazu noch die Befestigungsmauern der Akropolis ebenfalls aus enormen Steinquadern. Interessant auch ein Hinweis, dass die Linienführung der Mauern so war, dass die Angreifer den Schild auf der rechten Seite tragen mussten, um sich gegen die Pfeile der Verteidiger zu schützen. Damit mussten sie mit dem linken Arm kämpfen.

Der gute Marsala

Weiter Richtung Trapani, über Marsala, der grossen Weinstadt schon aus römischer Zeit. Die Römer schätzten den Marsala sehr, er wurde von hier aus nach Rom verschifft. Ob er damals schon so gut schmeckte wie heute bezweifle ich. In Piesport beim Kelterfest habe ich gelernt, dass die Römer den Wein gerne mit Gewürzen verfeinerten, weil er damals noch so sauer war. Die Kellermeister der Gegenwart haben also offenbar in den letzten 2000 Jahren dazu gelernt.

Marsala

Marsala

Trapani, eine barocke Hafenstadt

In Trapani buche ich meine Überfahrten nach Cagliari und von Porto Torres nach Barcelona und schlendere anschliessend den Corso Vittorio Emanuele entlang. Auch hier finde ich wie überall in Sizilien prachtvolle Barockbauten. Die Kathedrale San Lorenzo ist besonders reich verziert. Der Kirchturm fällt mir auf, er zeigt links das Datum und rechts die Uhrzeit an. Und eine weitere grosse Seltenheit finde ich: eine Muttergottes mit einem fröhlichen Gesicht. Üblicherweise schauen doch die abgebildeten Heiligen in den Kirchen sehr betrübt und leidend in die Welt, so als ob gerade jemand gestorben wäre. Ich freue mich, dass dieser Künstler mal mit dem Üblichen gebrochen hat.

Trapani Datum und Uhrzeit

Trapani Datum und Uhrzeit

Trapani Kirchentor fröhliches Gesicht

Trapani Kirchentor fröhliches Gesicht

Auch am Hafen lässt sich schön schlendern, entweder direkt am Wasser oder auf der anderen Strassenseite unter dichtem Laub. Im Sommer muss es hier im Schatten angenehm sein.

Trapani Hafen

Trapani Hafen

Trapani Hafen Baumallee

Trapani Hafen Baumallee

Bevor ich Monreale und Palermo als meine letzten Stationen dieses Jahr besuche, werde ich erst mal ein paar Tage Capo San Vito verbringen und die Natur in diesem ausgedehnten Naturschutzgebiet geniessen. Bis jezt hat mir Sizilien sehr gut gefallen und ich weiss, dass ich och fast nicht gesehen habe. Ich komme wieder.

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