Erice, ein mittelalterliches Bergnest


Das richtige Erice finden

Wer das mittelalterliche Erice besuchen will und von Trapani aus den Wegweisern folgt, wird in eine unattraktive, in der Ebene liegende Ortschaft geführt, in der die Strassen, wie in Siziliens Städten üblich, auf beiden Strassenseiten mit Autos vollgeparkt sind. Es bleibt nur noch ein schmaler Durchfahrtstreifen und wenn dort auch noch, ebenfalls wie in Italien üblich, in zweiter Reihe mit eingeschaltetem Warnblinker geparkt wird, ergibt sich eine Schlängel- und Ausweichfahrt mit den entgegenkommenden Autos.

Erice auf einem steilen Hügel

Besser man stellt schon in Trapani das Navi auf das antike Erice, dann wird man um das Verkehrschaos herumgeführt. Und man sieht es auch hoch auf einem Gipfel, von einer dunklen Wolke gekrönt. Die Wolke senkt sich, so dass Erice im Nebel liegen muss und dann hebt sie sich auch wieder, um ein wenig Sonne durch zu lassen. Steil gehts dann nach oben. In unzähligen Serpentinen steile Hänge entlang, bei deren Strukur man sich fragt, ob das Natur ist oder antike Befestigung.

Erice von unten

Erice von unten

Erice Befestigung oder Natur

Erice Befestigung oder Natur

Einen für Wohnmobile ausgeschilderten Parkplatz lasse ich liegen, denn es scheint mir noch weit zu sein bis zum Gipfel. Direkt vor der Porta Trapani, einem der Stadttore dann ein sehr schräger, fast leerer Parkplatz, auf dem ich von einem eifrigen Parkwächter auf die schrägste Stelle eingewiesen werde. Er ist kein offizieller Parkwächter, aber er erwartet ein Trinkgeld fürs Einweisen. Im Winter ist der Parkplatz, wie vieles, das im Sommer kostet, kostenlos.

Erice Porta Trapani

Erice Porta Trapani

Mittelalterliche Gässchen und ein Dom

Direkt hinter der Porta Trapani mittelalterliches Kieselpflaster mit Streifen dazwischen, die ein schönes Muster ergeben. Wenige Schritte weiter nach links ein rustikal aussehender Dom mit freistehendem Campanile aus dem 13. Jahrhundert. Innen allerdings überrascht er mit fein ziselierten gotischen Rundbögen. Etwas weiter der Turm Friedrichs II, auf dem er astronomische Forschungen betrieb.

Erice Gässchen

Erice Gässchen

Erice Duomo

Erice Duomo

Menschenleere

Ich laufe die Gassen hoch bis zum höchsten Punkt des Felsklotzes, auf dem Erice trohnt, auf der Suche nach der Normannenburg. Ich sehe keine Menschenseele, verständlich, es ist recht kühl. Aber in den Mauerschluchten der schachbrettartigen Strassen höre ich die ganze Zeit Meeresrauschen. Auf mehr als siebenhundert Metern? Als ich die Normannnenburg vor mir habe, löst sich das Rätsel: es ist der Wind, der den befichteten Hang hinaufbraust, denn seit Spanien ist er über das Mittelmeer gestürmt und stösst hier das erstemal auf ein Hindernis. Man hätte einen noch atemberaubenderen Blick hinab Richtung Trapani und die riesigen Salzfelder in der Ebene, wenn es nicht so diesig wäre.

Erice Normannenburg

Erice Normannenburg

Erice Blick von Normannenburg nach Trapani

Erice Blick von Normannenburg nach Trapani

Ein interessantes Naturschauspiel

Über mir fliegen die dunklen Wolkenfetzen in hoher Geschwindigkeit nach Osten, aber von weitem gesehen bleibt die Wolke immer am gleichen Fleck. Sie baut sich auf der Luvseite immer neu und löst sich auf der Leeseite wieder auf. Ein interessantes Naturschauspiel. Der Blick nach Osten auf den Monte Cafono und das davor liegende Dörfchen zeigt die Schattenspiele, die die stehende fliegende Wolke erzeugt.

Erice Blick auf Monte Cofano

Erice Blick auf Monte Cofano

Erice Licht und Schatten

Erice Licht und Schatten

Von Astarte über Aphrodite bis zu Venus

So mittelalterlich Erice aussieht, es ist seit dem 7. Jahrhundert vor Chistus besiedelt. Man hat einen Tempel aus dieser Zeit gefunden, in dem die Phönizier der Astarte mit heiliger Prostitution huldigten. Bei den Griechen wurde daraus Athene und bei den Römern Venus. Die Römer haben den Venuskult von hier übernommen, wenn man den Fund von zwei Tempeln in Rom, in den der Venus von Erice gehuldigt wurde, so erklären möchte.

Nach den Arabern die Normannen

Die Normannen bauten dann im 11. Jahrhundert auf diesem Felsen die Burg mit einer riesigen Zugbrücke, die später durch die Rampe, die man auf dem Photo sieht, ersetzt wurde. Ausgrabungen in letzter Zeit haben gezeigt, dass die Burgmauern auf den alten Venus-Tempelmauern errichet wurden. Dort wurden Steinquader von 7 Metern Länge und 4,8 Metern Höhe verbaut, eine unglaubliche Leistung für ca. 1000 bis 800 Jahe vor Christus. Das Castello heisst deshalb im Volksmund nach wie vor Castello di Venere, die Burg der Venus.

Das Burginnere ist rudimentär. Die Fläche des Burghofs wurde gelassen wie sie ist, nakter, strukturierter Felsen. Faszinierend auch ein Feiluftplumpsklo, die Löcher sind heute mit Gittern verrammelt, damit niemand hinunterfällt. Aber runterschauen kann man, es geht etwa 400 Meter nach unten, bis es plumpst!

Erice Hof Normannenburg

Erice Hof Normannenburg

Erice Plumpsklo Normannenburg

Erice Plumpsklo Normannenburg

Ein Weihnachtsmarkt in Sizilien

Zurück durch die engen Gässchen, diesmal treffe ich auf den Marktplatz. Auf dem wird doch tatsächlich ein Weihnachtsmarkt abgehalten. Es nebelt gerade wieder ein bisschen, kein Wunder bin ich der einzige Besucher.

Erice Gässchen und Post

Erice Gässchen und Post

Erice Weihnachtsmarkt

Erice Weihnachtsmarkt

Unweit von dort finde ich den einzigen Touristenladen, der offen hat. Der Humor kommt nicht zu kurz, es scheint in Erice nicht nur heute so zu winden, denn dieser Laden verkauft kleine Blechbüchsen mit der Aufschrift “Wind von Erice”.

Erice: Verkauf von Erice-Wind

Erice: Verkauf von Erice-Wind

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