Die Kathedrale von Monreale, ein Schmuckstück


Monreale auf einem Berg nahe Palermo

Gemäss Reiseführer darf man Monreale nicht links liegen lassen. Er schwärmt, dass es Leute gibt, die nur nach Sizilien kommen, um Monreale zu sehen.

Monreale liegt unweit von Palermo im Landesinneren nach Südwest. Es ist eine typische Bergsiedlung aus der Zeit, als die Leute wegen der Piratenüberfälle die Küstenregionen verliessen, um sich auf besser verteidigbaren Bergkuppen niederzulassen.

Ich komme die Autobahn von Süd nach Nord, um dann auf die Autobahn, die der Nordküste Richtung Westen folgt, einzubiegen. Die Landschaft im Landesinnern ist karg und stark erodiert, entlang der Küste aber grün und dicht besiedelt.

Zwischen Enna und Cefalu

Zwischen Enna und Cefalu

Vor Palermo

Vor Palermo

Es ist kurz nach 16.00 Uhr, als auf der Nordküste die Sonne bereits nicht mehr scheint, sie strahlt nur noch von hinter den Bergen die Wolken von unten an.

Nordküste, die Sonne ist weg

Nordküste, die Sonne ist weg

Ich erreiche also Monreale nach mehreren Spitzkehren in der Dunkelheit und schlage mein Nachtquartier auf einem ebenen Parkplatz im noch unteren Teil von Monreale auf. Ebene Plätze sind selten an solch steilen Orten. Nebendran steht ein Polizeiauto und beobachtet meine Manöver, hat aber nichts auszusetzen.

An nächsten Morgen zu Fuss nach oben, so steil, dass teilweise Treppen helfen müssen, Höhe zu gewinnen. Ein hübsches Gässchen mit den obligatorischen Andenkenläden führt auf den Domplatz, der dicht bevölkert ist mit diskutierenden Sizilianern.

Monreale Domplatz

Monreale Domplatz

Monreale diskutierende Sizilianer

Monreale diskutierende Sizilianer

Die Fassade des Doms sieht nicht umwerfend aus. Ich schaue das Mauerwerk näher an und bin enttäuscht, so rudimentär zusammengemauert habe ich mir das nicht vorgestellt.

Monreale Domfassade

Monreale Domfassade

Monreale Mauerwerk der Katehdrale

Monreale Mauerwerk der Katehdrale

Die Rückseite hingegen sieht ganz anders aus, sorgfältig verputzt und hübsch geschmückt. Das, obwohl die Rückseite in einer schmalen Gasse versteckt ist und nicht viel Besucher hierher finden.

Monreale Rückseite der Kathedrale

Monreale Rückseite der Kathedrale

Monreale Kathedrale

Monreale Kathedrale

Dann betrete ich die Kathedrale und bin erschlagen. Alle drei Schiffe sind geschmückt mit Goldmosaiken. Sogar die Decke des Mittelschiffs aus Holz bedeckt mit Mosaiken.

Monreale Katehdrale

Monreale Katehdrale

Monreale Decke Mittelschiff

Monreale Decke Mittelschiff

Die Mosaiken erzählen Geschichten aus der Bibel, aber auch aus dem täglichen Leben, die einzige Möglichkeit, wie man damals den Analphabeten die Geschichten nahebringen konnte. Und sie sind so überreich, dass ich eine gute Stunde verbringe, den Blick immer nach oben.

Kathedrale

Kathedrale

Kathedrale

Kathedrale

Kathedrale

Kathedrale

Kathedrale

Kathedrale

Kathedrale

Kathedrale

Kathedrale 6

Kathedrale 6

Über allem wacht Christus wie in der Kathedrale von Cefalu, umgeben von Jüngern und Heiligen. Um diese Mosaiken herzustellen, wurde Blattgold auf den Untergrund aufgetragen und dann durchscheinende Mosaiksteinchen draufgesetzt. Die Farben wurden durch entsprechend farbige Steinchen erzeugt.

Monreale Christus

Monreale Christus

Monreale Technik

Monreale Technik

Die Araber wurden bei der Eroberung der Normannen nicht als Eroberte behandelt. Im Gegenteil, die Normannen übernahmen die gesamte arabische Verwaltung, liessen die Beamten, Richter, Juristen usw. weiter abeiten. Auch die arbeitende Bevölkerung wie Handwerker, Kaufleute und Bauern genossen die gleichen Rechte wie vorher. So wurden auch die Gebäude von arabischen Handwerkern errichtet. Das ist der Grund, warum in den normannischen Bauten so auffällig viel muslimische Kunst besteht. Der Stil wird arabisch-normannisch genannt. Als solcher wurde er auch in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

Die normannische Zeit der Altavillas umfasste fünf Herrscher: Roger I, Roger II, Wilhelm I, Wilhelm II und der Hohenstaufer Friedrich II, Sohn von Constanze von Altavilla und Heinrich VI von Hohenstaufen. Wilhelm I und Wilhelm II sind in der Kathedrale Monreale beigesetzt, Roger I, Roger II und Friedrich II in der Kathedrale von Palermo.

Monreale Grabmahl Wilhelm I

Monreale Grabmahl Wilhelm I

Monreale Grabmal Wilhelm II

Monreale Grabmal Wilhelm II

Monreale selbst ist ein hübsches Städtchen mit sehr schönem Blick auf die Ebene Richtung Palermo und Mittelmeer.

Monreale Sicht auf Palermo

Monreale Sicht auf Palermo

Monreale Sicht auf Palermo

Monreale Sicht auf Palermo

Monreale beherbergt noch ein weiteres Kleinod. Gerade an die Kathedrale anschliessend, hinter einem unscheinbaren Eingang beschriftet mit “Chiostro dei Benettini” gelangt man in einen Kreuzgang ganz besonderer Art.

Monreale Eingang Benediktinierkloster

Monreale Eingang Benediktinierkloster

Monreale Kreuzgang

Monreale Kreuzgang

Das Besondere daran ist, dass die 240 Doppelsäulen alle unterschiedlich sind. Man kann sich nicht sattsehen an den detailreichen Darstellungen von Figuren, Tieren, Girlanden oder Mosaiken.

Säulenbild 1

Säulenbild 1

Säulenbild 2

Säulenbild 2

Säulenbild 3

Säulenbild 3

Säulenbild 4

Säulenbild 4

 

Ich höre etwas plätschern, finde aber keinen Brunnen mitten im Garten. Hier ist er an einem Ende des Säulengangs angelegt. Aus acht Röhrchen in der fein gehauenen Kugel plätschert das Wasser etwa 1,5 Meter wirkungsvoll in die Brunnenschale.

Monreale Brunnen

Monreale Brunnen

Monreale Brunnen

Monreale Brunnen

Wer nun glaubt, die Säulen und ihre Kapitelle (sogar die Füsse sind verziert) . . . .

Monreale Säulenfuss

Monreale Säulenfuss

. . . . seien aus leicht bearbeitbarem Sandstein, sieht sich getäuscht. An einer Bruchstelle sah ich reinen, weissen Marmor hervorscheinen.

Die Mönche sind sehr diskret, man sieht sie nicht. Nur an einer Türe sah ich ein kleines Schildchen “Dormitorio dei Benettini”.

Monreale Kreuzgang Marmor

Monreale Kreuzgang Marmor

Monreale Dormitorium Benediktiner

Monreale Dormitorium Benediktiner

In diesem Kreuzgang habe ich mehr als eine Stunde zugebracht. Welch phantastische Kunstwerke können doch entstehen, wenn Kulturen und Religionen friedlich und in gegenseitiger Achtung miteinander bestehen dürfen. Friedrich II hat dies in besonderer Weise gefördert, im dritten Feldzug sogar Jerusalem den Christen nicht durch Kampf, sondern durch Verhandeln mit den Muslimen zugänglich gemacht. Bezeichnenderweise hat er sich dadurch den Zorn des Papstes zugezogen.

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