Reisebericht Sardinien ab Cagliari


Überfahrt Nach Sardinien

Dies ist der erste von drei Reiseberichten über meine Fahrt die Westküste hoch von Süden nach Norden.

Heute früh gegen 08.30 Uhr bin ich in Cagliari angekommen. Die Sonne ist noch nicht aufgegangen, aber sie leuchtet schon vielversprechend hinter einem Hügel hervor.

Einfahrt Hafen Cagliari

Einfahrt Hafen Cagliari

Sonnenaufgang Cagliari

Sonnenaufgang Cagliari

Ich habe schlecht geschlafen, obwohl die See ruhig war. Ich bin einfach nicht mehr gewöhnt, in einem 90 cm schmalen Bett zu schlafen. Entweder fror ich am Hintern oder dann an den Knien. Wie komfortabel ist doch mein weiches und breites französisches Bett in meinem WoMo.

Flamingos, Kuhreiher und mehr

Bei meiner letzten Sardinienfahrt hatte ich den Ostteil der Insel von Norden nach Süden erkundet. Darum lies ich Cagliari diesmal aus und wandte mich nach links, um den Westteil zu bereisen. Diesmal von Süd nach Nord. Sofort nach Cagliari setzen Brackgebiete ein, bevölkert von Flamingos, Kuhreihern, Haubentauchern, Blässhühnern, natürlich Möven, eine bunte Vogelwelt.

Flamingos Stagno di Cagliari

Flamingos Stagno di Cagliari

Flamingos Stagno di Cagliari und Salz

Flamingos Stagno di Cagliari und Salz

Ich staune, denn aus der Camargue bin ich gewöhnt, dass die Flamingos eine Fluchtdistanz von ca. 500 Metern einhalten, hier lassen sie mich bis auf ca. 200 Meter heran, bevor sie majestätisch beginnen, sich von mir fort zu bewegen. Im Hintergund liegt kein Schnee-, sondern ein Salzhaufen. Es gibt hier ausgedehnte Salinen.

Pula habe ich im Winter fast für mich

Bei Pula finde ich ein hübsches Plätzchen, um die Zeit bis zur Überfahrt nach Barcelona zu planen und hier erst einmal die Nacht zu verbringen. Links ein schöner Palmenhain, rechts das tiefblaue Meer, wunderschön hier. Es ist eine Ausgrabungsstätte einer römischen Stadt. Ich denke, im Sommer könnte ich vor lauter Touristenrummel hier nicht nächtigen.

Nora geschützter Hafen

Nora geschützter Hafen

Nora bei Pula

Nora bei Pula

Sardinien, reich an Bodenschätzen

Am nächsten Morgen weiter. Der Osten der Insel ist sehr kluftenreich, ein Bergland, das in schroffen Felszungen ins Meer ragt. Der Westen soll sanfter sein. Aber erst einmal muss ich auch hier einen Bergrücken überqueren auf einer Strasse, die nur aus Kurven besteht. Und dann komme ich in eine weite Ebene mit der Hauptstadt Iglesias. Die Ebene ist reich an Bodenschätzen. Zink, Blei, Mangan wurden schon von den Römern abgebaut. Im Museum von Cabras habe ich römische Bleibarren aus einem Schiff gefunden, das vor der Bauchwehinsel (ja, sie heisst Isola di Mal di Ventre) gesunken ist. Es wurde erst 1996 von einem Taucher entdeckt und seither gehoben

Cabras Museum römischer Bleibarren

Cabras Museum römischer Bleibarren

Cabras Museum römische Bleibarren

Cabras Museum römische Bleibarren

Es gibt sogar ein riesiges Kohlevorkommen, das im Tagebau abgebaut wird. Die Stadt Carbonia mit einem Kohlekaftwerk wurde erst ca. 1950 extra gegründet, um diese Kohle auszubeuten. Sardinien hat Stromüberfluss, es liefert auf das italiensche Festland.

Die Nuragher, vor den Phöniziern, Puniern, Griechen und Römern

Mein Ziel ist Barumini, dort steht eine der eindrücklichsten Nuraghen. Nur auf Sardinien gibt es eine Kultur, die nuraghisch genannt wird. Sie dauerte etwa 1500 bis 1200 vor Christus, also noch vor der mykenischen Kultur in Griechenland. Da die Nuragher keinen Homer hatten, der eine Ilias schrieb, weiss man sehr wenig über dieses Volk. Ausser dass es über ganz Sardinien verstreut mehr oder weniger gut erhaltene Steinhaufen und unterirdische Brunnenheiligtümer hinterlassen hat.

Reisebericht Sardinien Steinhaufen

Reisebericht Sardinien Steinhaufen

Man kennt nicht einmal den Namen. Man nennt das Volk und ihre Kultur nach den Steinhaufen, die auf Sardisch Nuraghe heissen. Man hat die Steinhaufen mehr als 3000 Jahre lang nur als willkommene Steinbrüche benutzt. Erst nach dem zweiten Weltkrieg hat man angefangen, die Steinhaufen seriös zu erforschen. Bevor der Nuraghe Burimini ausgegraben wurde, sah er wie links aus, heute präsentiert er sich wie rechts.

Steinhaufen Nuraghe Barumini

Steinhaufen Nuraghe Barumini

Nuraghe Barumini

Nuraghe Barumini

Das wenige, was man weiss, ist, dass die Nuragher Türme aufschichteten, um einerseits einen Machtanspruch über das umgebende Land zu dokumentieren und sie als Fluchtburgen zu benutzen. Über die Jahrhunderte entwickelten sich diese Türme zu veritablen Festungen.

Barumini, eine der besterhaltenen Siedlungen

Barumini ist eines der besterhaltenen und am weitesten entwickelten Beispiel. Zuerst stand der rot gekennzeichnete Turm in der Mitte alleine auf weiter Flur. Das Volk siedelte in verstreuten Siedlungen um diesen Turm.

Der Turm in Barumini hatte einen ebenerdigen Zugang in einen Raum, von dem aus man durch Schiessscharten Pfeile abschiessen konnte. In einer zweiten Phase wurde der Turm von einer weiteren Mauer mit vier Bastionen umgeben. Vermutlich, um mehr Personen Schutz bieten zu können. Zudem wurde der ebenerdige Zugang geschlossen und durch einen Zugang im ersten Stock, der nur über eine Leiter erreicht werden konnte ersetzt. Die nicht mehr nutzbaren Schiessscharten des Turms wurden ersetzt durch Schiessscharten in den vier Bastionen.

Ausgrabungsstätte Nuraghe Barumini

Ausgrabungsstätte Nuraghe Barumini

Innenhof Nuraghe Barumini

Innenhof Nuraghe Barumini

Heute gelangt man statt über eine Leiter über eine Stahltreppe nach Oben. Man hat sie nur dort angelegt, wo man die Originalzugänge nicht benutzen kann. Von einem Stockwerk ins nächste gelangt man durch schmale Gänge und Treppen, für grössere Personen nur gebückt zu durchkrabbeln. In den Innenhof führt eine sehr steile Treppe aus unebenen groben Blöcken nach unten, auf das Dach über eine ebenso steile und unebene Treppe nach oben.

Innerhalb Nuraghe Barumini

Innerhalb Nuraghe Barumini

Zugang Nuraghe Barumini

Zugang Nuraghe Barumini

In einer drittenPhase wurde die Festung erneut durch einen weiteren Ring erweitert. Man stellt sich die Festung vor wie auf diesem Modell. Die vielen Rundhütten um den Nuraghe entstanden erst gegen Ende der Kultur, als die Festung offenbar dem Verfall preisgegeben wurde. Es scheint, as habe sich die politische Lage verändert. Die Bevölkerung siedelte sich rundum an dank des reichlich vorhandenen Baumaterials.

 

Der nächste Sardinien-Reisebericht erscheint in zwei oder drei Tagen

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