Reisebericht Sardinien Mitte


Rechteckige Bauten gab es damals noch nicht

Dies ist der zweite Reisebericht meiner Fahrt durch Sardinien

Bemerkenswert ist, dass alle Siedlungen dieser Zeit aus Rundhütten bestanden: Rundmauern mit einem darauf auf halber Höhe beginnenden Runddach aus Holzbalken und gedeckt mit z.B. Palmwedeln. Weiter bemerkenswert ist, dass sämtliche Bauwerke dieser Zeit durch blosses Aufschichten von Zyklopen, ohne Verwendung eines Bindemittels wie Kalkmörtel oder Zement errichtet wurden. In Mykene um ca. 1100 vor Christus baute man immer noch mit Zyklopen, aber man war zu mehrheitlich rechteckigen Bauten übergegangen.

Modell Nuraghe Barumini

Modell Nuraghe Barumini

Rundhütten

Rundhütten

Man weiss noch etwas mehr: die Nuragher betrachteten Wasserquellen als heilig. Es gibt zahlreiche Wasserheiligtümer über Sardinien zerstreut, das Besterhaltene befindet sich etwa 25 km südlich von Macomer. Es ist sogar so gut erhalten, dass man glauben könnte, es sei gestern erstellt worden.

Auf dem Weg dorthin überquere ich eine Hochebene, die mit Granitbrocken übersäht ist. Für viel mehr als Schaf- und Ziegenzucht kann man das Land kaum benutzen. Trotzdem sind die Parzellen sogar eingezäunt.

Kulturland

Kulturland

Kulturland

Kulturland

54° warmes Wasser läuft einfach in den Fluss

Unterwegs liegt Fordongianus, eine römische Siedlung. Ich mache einen kleinen Umweg, weil dort die warmen Quellen immer noch frei und ungenutzt aus dem Boden sprudeln. Es gibt dort viele Ruinen, aber ich konzentriere mich nur auf die Therme. Es ist ein mächtiger Bau, von dem nur noch eine Wand existiert. Eindrucksvoll das Schwimmbecken in dem Luftbild. Es fliesst immer noch das 54°C warme Wasser da durch.

Fordongianus Therme von oben

Fordongianus Therme von oben

Fordongianus Therme Front

Fordongianus Therme Front

Bevor das Gelände als archäologisch wertvoll erkannt und umzäunt wurde, wuschen die Dorfbewohner ihre Wäsche in dem warmen Wasser. Deshalb wurden nach der Umzäunung ausserhalb des Zauns zwei frei zugängliche ovale Becken angelegt.

Ich fand niemand, der Wäsche wusch, dafür tauchte ich mal meinen Zeigefinger in das Wasser und zog ihn schnell wieder heraus. 54°C ist nicht warm, es ist schon fast heiss. Durch ein Rohr wird das Wasser ungenutzt in den Tirso geleitet, wo es nach wie vor in kleinen Becken, die sich die Dorfbewohner gebaut haben, dampft. Obwohl es ja durch die Mischung mit dem Tirsowasser schon abgekühlt ist.

Fordongianus zwei Becken 54°C

Fordongianus zwei Becken 54°C

Fordongianus heisses Wasser fliesst in Tirso

Fordongianus heisses Wasser fliesst in Tirso

Ein Hohes Venn in Sardinien

Weiter auf dem Weg zu dem Wasserheiligtum der Nuragher überquere ich das feuchte Medio Valle del Tirso, ein Hochmoor. Durch vulkanische Aktivitäten ist der Boden wasserundurchlässig. Auf der mit schwarzen Basaltblöcken übersähten Ebene wachsen Steineichen, auch stellenweise Olivenbäume, aber das Mittelmeermacchia hat die Oberhand. Es ist eine rauhe und geheimnisvolle, teilweise auch liebliche Gegend. Ich fühle mich seltsam an das Hohe Venn erinnert. Nur Kuhreiher findet man im Hohen Venn vermutlich seltener.

Media Valle del Tirso wie Hohes Venn

Media Valle del Tirso wie Hohes Venn

Media Valle del Tirso Kuhreiher

Media Valle del Tirso Kuhreiher

Vulkanischer Basalt ist hier das Baumaterial der Wahl. In Paulilatino, das auf dem Weg liegt und das ich wegen dem grössten Viehmarkt Sardiniens streife (leider fand gerade keiner statt) fand ich Häuser fast wie in der Eifel.

Paulilatino Viehmarkt

Paulilatino Viehmarkt

Paulilatino schwarzer Basalt

Paulilatino schwarzer Basalt

Blähbeton, eine Erfindung der Natur

Ich bin überrascht, wie viele Luftblasen der Basalt einschliesst. Die Natur hat den Blähbeton schon lange erfunden. Diese Steine müssen sehr gut gegen Hitze und Kälte isolieren. Leicht bearbeitbar, z.B. zu Getreidemühlen ist er erst noch.

Basalt wie Blähbeton

Basalt wie Blähbeton

Getreidemühle

Getreidemühle

Nur wenige Kilometer von Paulilatino treffe ich endlich beim Pozzo Santa Christina, dem besterhaltenen Brunnenheiligtum Sardiniens, ein. Es handelt sich um eine Stätte, die nach den Nuraghern von den Römern als Frühchristen besiedelt wurde. Mitten zwischen dem Brunnenheiligtum und dem etwas weiter weg auf der anderen Seitee liegenden Nuragherdorf haben sich die Frühchristen mit einer Kirche angesiedelt. Vermutlich haben sie auch den Reichtum an vorhandenen Steinen geschätzt. Wenn man aus dem Kasseneingang auf das Gelände gelangt, gelangt man also erst mal in das frühchristliche Dorf.

Frühchristliches Dorf

Frühchristliches Dorf

Paläochristliche Kirche Santa Christina

Paläochristliche Kirche Santa Christina

Das Wasserheiligtum Santa Christina

Zum Brunnenheiligtum gehts nach links ca. 200 Meter. Von Ferne sieht man nicht sehr viel, nur ca. 60 cm hoch aufgesetzte geschwundene Mauern. Erst wenn man näher kommt erkennt man eine doppelte Ringmauer mit einem Dreieck im Boden.

Heiligtum Santa Christina

Heiligtum Santa Christina

Heiligtum Santa Christina

Heiligtum Santa Christina

Es führt eine Treppe nach unten, man hört es bereits plätschern. Die Treppe endet vor einem kreisrunden Becken ca. 1,5 Meter Durchmesser gefüllt mit Wasser, das aus einem Loch in der Mauer austritt und in das Becken plätschert.

Die Steine sind so unbeschädigt, dass es fast nicht glaubhaft ist, dass man vor einem Gebäude steht, das etwa 3’500 Jahre alt ist. Die Fugen der Seitenmauer sind so exakt bearbeitet, dass keine Rasierklinge dazwischen passt. Eine solche Präzision in alten Bauwerken habe ich nur noch in den Pyramiden in Gizeh gesehen.

Eingang Heiligtum Santa Christina

Eingang Heiligtum Santa Christina

rechte Wand Heiligtum Santa Christina

rechte Wand Heiligtum Santa Christina

Wie hier den Gottheiten gehuldigt wurde bleibt ist mit schleierhaft, denn es gibt keinen Rundgang um das Becken. Die letzte Treppenstufe endet direkt am Wasser und bietet unten nicht mehr als zwei Menschen Platz. Auch die erklärende Tafel, die in der Nähe steht, schweigt sich darüber aus.

Vom kreisrunden Beckenrand geht direkt eine ebenso präzise gearbeitete Mauer in konzentrischen Ringen, die immer enger werden, nach oben und bildet so eine spitz zulaufende Kuppel mit einem kleinen Loch in der Spitze. Das Loch ragt gerade so aus der Erdoberfläche. Ein Lichtspender? Aber es gab so wenig Licht, dass die Kamera kein gutes Bild hinbekam.

Vielleicht wurden die weiteren Steinkreise für den Gottesdienst benutzt. Es gibt z.B. gerade nebenan einen Rundbau mit auffällig umlaufender Steinbank und einem schmalen Eingang. Dieser Rundbau wird zwar vom Park als Parlament bezeichnet. Aber wir wissen ja alle nichts.

Rundbau (Parlament) aus meinem Reisebericht

Rundbau (Parlament) aus meinem Resiebericht

Das Nuraghendorf auf der anderen Seite ist enttäuschend. Der Nuraghe ist nur ein blasses Abbild desjenigen von Buramini, die Hütten weit verstreut nur noch Steinhaufen. Wen wunderts, die Frühchristen haben waren ja am Werk. Einzig ein Brunnenbecken aus Lava hat noch mein Interesse geweckt.

Nuraghe Santa Christina

Nuraghe Santa Christina

Brunnenbecken bei Santa Christina

Brunnenbecken bei Santa Christina

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