Reisebericht Sardinien Nord-West bis Porto-Torre 2


Dies ist der dritte und letzte Reisebericht meiner Sardinienreise im Winter 2017

Zurück ans Meer nach Bosa

Ich muss mich langsam Porto Torres nähern, denn in drei Tagen fährt meine Fähre nach Barcelona. Gegen Macomer wird es dunkel und nachdem es in der Karte fettgedruckt ist, übernachte ich hier auf einem grosszügigen Parkplatz. Ein kleiner Rundgang durch die Stadt ist enttäuschend, ich sehe kein einziges Restaurant, zwei Cafés und sonst nichts. Bei der Touristinfo stehe ich vor verschlossener Türe und der Baedecker weiss auch nichts Besonderes zu berichten. Aber ruhig geschlafen habe ich.

Also mal wieder auf Richtung Meer. Ich lasse mich vom Navi nach Bosa führen. Im Baedecker steht nur, dass es ein Hafenstädtchen ist mit einem Castello.

Ich schraube mich von der Hochebene in steilen Serpentinen auf Meereshöhe und da taucht Bosa auf. Das farbenfroheste Dörfchen, das ich bisher in Sardinien gesehen habe.

Sardinien Bosa

Sardinien Bosa

Ich folge dem Wegweiser Bosa Marina aussen vorbei an Bosa und werde gebremst von einem WoMo-Durchfahrtsverbotsschild. Da es keinen anderen Weg zum Strand gibt, ignoriere ich es. Bis zum Wasser begegnen mir weitere zwei dieser unsympathischen Schilder. Genervt kurve ich wieder zurück zum Dorf. Aber Himmel, auch hier wimmelt es von diesen Schildern. Die wollen definitiv keine Nomaden.

Flucht nach Alghero

Ich gebe auf und fliehe Richtung Alghero, meine nächste Etappe. Und gelange auf eine der landschaftlich schönsten Strassen, die mir in Sardinien unter die Räder gekommen sind. Links immer das Meer an steil ins Wasser stürzenden Klippen, rechts abenteuerliche Felsformationen, die mich an die Figuren in Palau erinnern. Und der Frühling ist auch schon da. Ein richtig laues Lüftchen lässt den Pullover vergessen.

Nach Bosa es blüht

Nach Bosa es blüht

landschaftlich schön

landschaftlich schön

zwischen Bosa und Alghero

zwischen Bosa und Alghero

Strasse unter Betonschutzhaube

Strasse unter Betonschutzhaube

Es scheint eine beliebte Panoramastrasse zu sein. Denn alle paar hundert Meter sind Parkplätze angelegt, um anzuhalten und die Aussicht zu bewundern. Jetzt im Winter begegnen mir allerings nicht mehr als eine Handvoll Autos und leider ist es heute auch recht trübe. Über Stichwege (nicht Stichstrassen) gelangt man an vielen Stellen hinunter ans Meer. Angesichts der Felsen muss es ein phantasitisches Schnorchelgebiet sein.

Alghero begrüsst mich mit einer schönen Lungomare und einem Bastelmarkt für Kinder. Unter Anleitung von Erwachsenen können sie hier Holz bearbeiten und sich an kleineren Bastelarbeiten versuchen. Es ist auffallend, wie anders die Atmospähre hier ist als in Bosa. Die Leute flanieren auf der Strasse, sind guter Laune und man fühlt sich willkommen. Diese Stadt lebt.

Kinderhandwerker in Alghero

Kinderhandwerker in Alghero

Geschmückter Torre in Alghero

Geschmückter Torre in Alghero

Alghero ist zweisprachig. Catalan und italienisch. Wenn man den Strassenschildern glauben will, ist sogar Catalan die erste Sprache. Im Café in einem schmalen Seitensträsschen wird allerdings nur italienisch gesprochen.

Zweisprachiges Alghero

Zweisprachiges Alghero

Café in Gässchen Alghero

Café in Gässchen Alghero

Die Bauten allerdings sind in sehr nüchternem Stil gehalten. Der Kirche San Francesco sieht man die Kirche erst auf den zweiten Blick an. Innen ist es ein wuchtiger Bau mit einem Tonnengewälbe.

Chiesa di San Francesco Alghero

Chiesa di San Francesco Alghero

Chiesa San Francesco Alghero

Chiesa San Francesco Alghero

Auch die Kathedrale erinnert mehr an ein Gerichtsgebäude oder an ein Rathaus. Innen ist sie sehr dunkel, aber reich ausgeschmückt.

Kathedrale Santa Maria Alghero

Kathedrale Santa Maria Alghero

Altar Kathedrale Santa Maria Alghero

Altar Kathedrale Santa Maria Alghero

Sassari, historische enge Stadt

Ich verbringe die Nacht hier direkt am Lungomare und mache mich am nächsten Morgen auf nach Sassari, nur etwwa 40 Kilometer entfernt und fast auf dem Weg zu meinem endgültigen Ziel, Porto Torres.

Sassari liegt an einem Hügel, entsprechend steil sind die engen Gässchen in der Altstadt. Der Dom ist ein extremer Kontrast zu Alghero, fast Zuckerbäckerei.

Sassari Duomo

Sassari Duomo

Sassari Duomo

Sassari Duomo

Er ist geschlossen, in Sardinien ist Mittagspause von 13.00 bis 16.30 Uhr. Im Sommer mag das in Ordnung sein, im Winter stört es mich, denn um 16.30 Uhr fängt es schon an zu dunkeln und ich möchte keinen Übernactungsplatz im Dunkeln suchen. Weiter bergauf die menschenleeren Gässchen dehnt sich die Stadt dann aus. Als die Stadt die alten Stadtmauern gesprengt hatte, hat an sie offenbar grosszügiger angelegt.

Sassari Gässchen

Sassari Gässchen

Sassari Piazza Castello

Sassari Piazza Castello

An den palastartigen Bauten sind Erklärtafeln angebracht, die auch hier zeigen, welch bewegte Geschichte hier abgelaufen ist. Neben Aragon, daher Katalanisch waren auch Pisa, Genua, Piemont, Savoyen, um nur die wichtigsten zu nennen, hier tätig. Das Touristenbüro hat natürlich auch geschlossen. Weil es hier schwierig ist, einen ebenen Schlafplatz zu finden, ziehe ich weiter, bevor es dunkel ist und komme in Sistino an, ein bekanntes Seebad nahe Porto Torres.

Stintino, einsamer Touristenort

So sieht es an Touristenorten im Winter aus: ich bin der einzige Besucher in Stintino. Stintino ist ein kleines Hafenstädtchen, das früher vom Tunfischfang lebte, eine grosse Fischfabrik hatte und heute versucht, aus dieser Vergangenheit touristisch Kapital zu schlagen. Ausser, dass mich Stintino an ein pittoreskes Hafenstädtchen in Cornwall erinnert, hat sich der Besuch nicht gelohnt. Auch fehlt Ebbe und Flut wie in Cornwall, die die Schiffe trocken fallen lässt.

Stintino so sehen Parkplätze ausserhalb der Saison aus

Stintino so sehen Parkplätze ausserhalb der Saison aus

Stintino Fischerhafen

Stintino Fischerhafen

Auffallend ist die Sauberkeit. Ich habe mich an den allgemeinen Müll auf den Strassen, der in Sardinien genauso wie in Sizilien allgegenwärtig ist, gewöhnt. Im Gegensatz zur Normalität liegt hier kein Stückchen Papier, kein Plastiksack, keine Zigarettenkippe oder sonstwas auf den Strassen. Auch scheint hier teutonische Regulierungswut zu herrschen. Während man in anderen Städten Strassenmarkierungen, Füssgängerübergänge usw. nur noch erahnen kann, ist hier alles frisch und exakt markiert, dazu Schilder mit genauer Beschriftung, welche Fahrzeuge in dem jeweiligen Bereich parken dürfen und welche nicht. Wohnmobile sind nicht dabei. Fischen verboten, Baden verboten, es ist vieles verboten. Auch sind die zahlreich angebrachten Campingverbote nicht zu übersehen. Aber im Gegensatz zu Bosa ist Campingfahrzeugen hier wenigstens die Durchfahrt nicht verwehrt, nur das Camping ist verboten.

Porto Torres, eine Hafenstadt mit wichtigen Fährverkehr

Endstation in Sardinien ist Porto Torres, dem Tor nach Spanien, Korsika und Frankreich.Von hier wird morgen um 06.30 Uhr meine Fähre nach Barcelona starten. Einen der Türme, die in der Sarazenzeit als Verteidigung gegen die Piratenüberfälle überall auf den Inseln gebaut wurden, fand ich an der Westseite des Städtchens. Sonst ist es von seinem Hafen bestimmt, der weit ausladend sich nach Nord-West ausdehnt.

Porto Torres: Torre

Porto Torres: Torre

Porto Torres: Tirrenia

Porto Torres: Tirrenia

Allerdings hat Porto Torres ein Kleinod zu bieten: die älteste und gleichzeitig grösste Kirche in romanischem Stil auf Sardinien, die Basilika San Gavino. Es ist auch die einzige Kirche mit zwei Apsiden und wurde gebaut, um die Gebeine der Märtyrer Gavino, Proto und Gianuario auzunehmen, die unter Diocletian, dem Bauernkaiser, gestorben waren.

Auch die Basilica ist geschlossen um meine normale Besuchszeiten und bis 16.30 Uhr möchte ich nicht warten, ich will meinen Schlafplatz gefunden haben, bevor es eindunkelt. Also nur Photos von aussen.

Porto Torres Basilica San Gavino

Porto Torres Basilica San Gavino

Porto Torres Basilica San Gavino

Porto Torres Basilica San Gavino

Ich übernachte auf dem Hafenparkplatz, um die früh in noch absoluter Dunkelheit abfahrende Fähre nach Barcelona ja nicht zu verpassen.


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2 thoughts on “Reisebericht Sardinien Nord-West bis Porto-Torre

  • sigrid

    hallo rolf,
    du hast bei mir den link zu deinem reiseblog hinterlassen. so las ich jetzt auf deinen spuren einen teile deiner reise.
    schöne fotos!
    ich hoffe, du hattest trotzdem einen schönen aufenthalt auf sardinien, auch wenn du viel über verbotsschilder schreibst ;-). ich kann die sarden übrigens verstehen, dass sie nicht begeistert sind über die zunehmende flut der wohnmobile. sie stehen oft an den schönsten plätzen und verstellen dann für alle anderen die sicht.
    sie verstopfen enge ortsdurchfahrten, weil sie ihre riesigen fahrzeuge oft nicht beherrschen und sie sind oft sehr “sparfuchsig” unterwegs. d.h. sie kaufen nur billig in den großen supermarktketten, gehen nicht essen und lassen lediglich den müll zurück.
    ich hoffe, du hast ein anderes bild der womo fahrer hinterlassen 😉
    und… es ist sicherlich sehr schön, frei und unabhängig über die insel zu gleiten und zu stehen, wo es einem gerade gefällt….
    alles gute, sigrid, http://www.o-solemio.de

    • Rolf Post author

      Hallo sigrid,
      ich sehe, dass ich offenbar zu viel über Verbotsschilder geschrieben habe. Denn in Wirklichkeit hatte ich kaum Schwierigkeiten und bin in vielen Gemeinden freundlich aufgenommen worden. Vielleicht gerade deshalb sind mir die Verbotsschilder in der zwei Gemeinden so aufgefallen.
      Du hast recht, dass ein solcher Ruf besteht. Ich kann dir aber versichern, dass die grosse Mehrheit der WoMo-Fahrer sich anständig verhält und auch lokal sein Geld ausgibt. Es braucht eben nur eine kleine Anzahl von Leuten, um den Ruf einer ganzen Gemeinschaft zu verderben.
      Dir auch alles Gute, Rolf